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Wer ist Carola Rackete? Sea-Watch Kapitänin steuert mutig voraus

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Die 31-jährige Kapitänin Carola Rackete scheut selbst eine drohende Verhaftung nicht, um die Menschen auf ihrem Schiff in Sicherheit zu bringen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wagemutig? Stur? Leichtsinnig? Egal, mit welchem Wort man die Kapitänin der Sea-Watch beschreiben will, es läuft auf eines hinaus: Was Carola Rackete derzeit für ihre Besatzung macht, ist erstaunlich. Doch wer genau ist die 31-Jährige?

Sie bietet dem italienischen Innenminister Matteo Salvini die Stirn, um 42 Menschen in Sicherheit zu bringen. Auch eine Haftandrohung und diverse andere im Raum stehende Strafen können sie nicht verschrecken: Die 31-jährige Kapitänin Carola Rackete aus Kiel, die mit dem Rettungsschiff "Sea-Watch 3" gegen die Anweisungen der Regierung in Rom in italienische Hoheitsgewässer eingefahren ist, sagt: "Wir tun das Richtige." Wenn es keine Einigung über die Migranten an Bord gebe und das Schiff somit nicht anlegen dürfe, sei sie bereit, ohne Erlaubnis in den Hafen der Insel Lampedusa zu fahren, sagte Carola Rackete.

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Nach meereskundlichen und umweltwissenschaftlichen Studien in Deutschland und Großbritannien war sie zu Polar-Expeditionen in der Arktis und der Antarktis unterwegs. Sie findet diese Kältezonen "schön und sehr inspirierend", zugleich nimmt sie von den Polarreisen die "traurige" Erkenntnis mit, "was Menschen dem Planeten antun". Doch nach Racketes Überzeugung tun die Menschen nicht nur ihrem Planeten viel an, sie fügen sich auch "gegenseitig Schaden zu". So schaue die europäische Bevölkerung zu, wie die europäischen Regierungen am Mittelmeer eine Bastion gegen Flüchtlinge errichteten.

Für die Unzufriedenheit in Italien über den Umgang mit der Flüchtlingsproblematik hat Rackete Verständnis. Es gebe in der EU "eine Ungerechtigkeit", weil es Italien überlassen worden sei, mit den Flüchtlingen zurechtzukommen. Eine "viel größere Ungerechtigkeit" bestehe aber zwischen der Nord- und der Südhalbkugel der Erde. Auf ihrer gegenwärtigen Mission nahm die "Sea-Watch 3" am 12. Juni vor der Küste Libyens 53 Flüchtlinge an Bord. Elf Kinder, Frauen und Gebrechliche durften zwischenzeitlich nach Italien gebracht werden, die übrigen sind immer noch auf engstem Raum mit den 22 Besatzungsmitgliedern auf dem Mittelmeer unterwegs.

"Wir kommen langsam an unsere Grenzen: Damit meine ich nicht so Kleinigkeiten wie Abwassertanks, die sich langsam füllen. Die psychische Situation unserer Gäste macht mir große Sorgen", sagte Rackete dem "Spiegel". Die Menschen kämen aus libyschen Lagern, einige von ihnen seien gefoltert worden. Sie hätten teilweise sogar gedroht, von Bord zu springen.

Erste Mission startete schon vor drei Jahren

Die Besatzung arbeitet ehrenamtlich, so wie auch Kapitänin Rackete, die im Sommer 2016 ihre erste Mission für die Hilfsorganisation Sea-Watch übernahm. Damals ergänzten sich zivile Seenotretter und eine Flottille von europäischen Militärbooten dabei, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu bergen. Inzwischen wurde die staatliche Seenotrettung zurückgefahren, geblieben sind private Hilfseinsätze.

Auf Seenotrettung besteht nach Racketes Meinung ein unumstößliches Recht. "Es spielt keine Rolle, wie jemand in Not gerät - da können auch Feuerwehren und Krankenhäuser nicht nach fragen", sagt Rackete mit entschlossenem Blick. Ebenso sei es auf hoher See: "Wenn Rettung benötigt wird, hat jeder Einzelne die Verpflichtung zu helfen. Diese Pflicht endet erst, wenn die Betroffenen in Sicherheit gebracht sind."

Den Vorschlag von Salvini, in die Niederlande zu fahren, bezeichnet Rackete als "menschenverachtend". Sie verstehe nicht, wie sie die Menschen dem Risiko einer so langen Reise aussetzen solle, sagte sie dem "Spiegel". Es gebe Angebote, die Menschen auf verschiedene EU-Staaten zu verteilen. Doch zunächst müssten alle an Land.

Rackete will "wirklich helfen"

Mit dem Regierungsantritt von Salvinis Rechtspopulisten im Juni 2018 habe Italien seine Verpflichtungen über Bord geworfen, findet Rackete. Widerstand komme nun vor allem aus der Zivilgesellschaft. Sie habe die "Fähigkeiten" und das "Privileg", den Flüchtlingen in ihrer derzeitigen Lage "wirklich zu helfen".

Salvinis Regierung droht Kapitänen, Eignern und Betreibern von Flüchtlingsschiffen mit bis zu 50.000 Euro Strafe sowie juristischer Verfolgung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und mit Beschlagnahme der Schiffe, wenn für die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer keine Genehmigung vorliegt. In Rackete sieht er eine "Nervensäge", die "auf dem Rücken von Einwanderern" einen politischen Kampf führe.

Kapitänin ist bereit, ins Gefängnis zu gehen

"Wenn mich jemand anklagt, bin ich bereit, ins Gefängnis zu gehen", sagt Rackete trotzig. Als die Hafenbehörde von Lampedusa ihr am Mittwoch einschärfte, sie habe keine Genehmigung zum Einlaufen, antwortete sie knapp: "In zwei Stunden sind wir da." Dann fuhr ein Patrouillenboot der Polizeitruppe Guardia di Finanza heran. Die Beamten kontrollierten die Schiffspapiere und die Pässe der Crew. Am Donnerstag herrschte Ungewissheit, wie das Kräftemessen ausgehen würde - hier die 31-jährige Kapitänin aus dem kalten Norden, dort der Heißsporn Salvini aus dem Süden, der, Ironie des Schicksals, von seinen Anhängern ebenfalls voller Verehrung "Kapitän" genannt wird.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa/AFP

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