Politik

"Noch größere als 2015" Seehofer warnt vor neuer Flüchtlingswelle

Die Zahl der Menschen, die eine Flucht von der Türkei zu den griechischen Inseln wagen, steigt wieder stark an. Innenminister Seehofer warnt angesichts der Entwicklung vor einer neuen Flüchtlingkrise. Diese könne sogar das Ausmaß jener vor vier Jahren übertreffen, wenn nicht gehandelt würde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat angesichts steigender Migrantenzahlen auf den griechischen Inseln vor einer größeren Flüchtlingswelle als im Jahr 2015 gewarnt. "Wir müssen unseren europäischen Partnern bei den Kontrollen an den EU-Außengrenzen mehr helfen. Wir haben sie zu lange alleine gelassen", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Wenn wir das nicht machen, werden wir eine Flüchtlingswelle wie 2015 erleben - vielleicht sogar noch eine größere als vor vier Jahren."

Er werde gemeinsam mit der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen "alles dazu beitragen, dass sich das nicht wiederholt", sagte Seehofer weiter. Dazu habe er "die volle Unterstützung der deutschen Bundeskanzlerin".

Zudem forderte Seehofer die Mitgliedstaaten der EU auf, mehr für die Türkei zu tun. "Die Türkei leistet bei der Aufnahme von Flüchtlingen sehr viel. Das liegt auch in unserem Interesse. Darüber hinaus ist klar, dass wir nicht mit den Mitteln der Vergangenheit die Zukunft bewältigen können. Deswegen will ich die Zusammenarbeit mit der Türkei weiter stärken", sagte Seehofer im Interview mit der "Welt am Sonntag".

Mehr Flüchtlinge kommen aus der Türkei

Die Zahl der Migranten, die aus der Türkei in die EU gekommen sind, ist in diesem Jahr laut dem "Situationsbericht" der Europäischen Kommission stark gestiegen, berichtete die "Welt am Sonntag". Zwischen Januar und September habe es einen Anstieg um 23 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gegeben.

Demnach trafen in dem Zeitraum insgesamt 46.546 Migranten aus der Türkei in der EU ein. Zwischen Januar und September 2018 waren es hingegen 37.837. Der Großteil, rund 45.000 Menschen, sei nach Griechenland geflohen, rund 1300 nach Italien und knapp 200 nach Bulgarien. Die Mehrzahl der Migranten seien Afghanen, gefolgt von Syrern und Irakern, berichtete die Zeitung.

Auf die Frage, wie viel Geld Ankara über die sechs Milliarden hinaus erhalten soll, die die EU im Rahmen des Flüchtlingspakts von 2016 zu zahlen versprochen hat, sagte Seehofer: "Diese Entscheidung kann ich als deutscher Innenminister nicht allein treffen. Wir werden dazu auf europäischer Ebene Gespräche führen müssen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Leistung der Türkei, die in unser aller Interesse liegt, angemessen berücksichtigt wird."

Seehofer war am Donnerstag und Freitag in die Türkei und nach Griechenland gereist. Dort führte er gemeinsam mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos Gespräche mit Regierungsvertretern. Er sagte Ankara und Athen deutsche Unterstützung im Umgang mit Flüchtlingen und beim Grenzschutz zu.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP

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