Politik

Anschlag in Kabul nahe UN-Büros Selbstmordattentäter tötet zwei Kinder

aec13845dff4c734bc0460772e1dba93.jpg

Der Ort des Anschlags

(Foto: AP)

In der afghanischen Hauptstadt schreckt am Morgen einmal mehr eine Detonation die Einwohner hoch. Ein Selbstmordattentäter hat es auf Einrichtungen der Vereinten Nationen abgesehen. Stattdessen reißt er wohl zwei kleine Kinder aus dem Leben.

Bei einem Bombenanschlag auf einen internationalen Militärkonvoi in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein kleines afghanisches Mädchen getötet worden. Das sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ismail Kawusi. Zudem kam der Attentäter ums Leben. Der Sender 1TV berichtete, dass auch ein elfjähriger Junge getötet worden sei, während er Gemüse von einem Pferdewagen verkaufte. Dafür gab es zunächst aber keine offizielle Bestätigung.

Laut afghanischen Medien wurden weitere 14 Afghanen verletzt. Nach ersten Erkenntnissen habe ein Selbstmordattentäter in einem weißen Suzuki-Kleinlastwagen seine Sprengstoffladung gegen 9.00 Uhr Ortszeit neben dem Konvoi gezündet, sagte Polizeisprecher Basir Mudschahid. Bilder auf sozialen Medien zeigten eine hohe, dunkle Rauchwolke.

An dem internationalen Konvoi sei wohl kein Schaden entstanden, sagte Mudschahid. Die Nationalität der Soldaten blieb unklar. Ein Sprecher der Nato-Mission Resolute Support sagte, man prüfe die Berichte. In einem internen Sicherheitsbericht einer internationalen Organisation war auch die Rede von "Schäden an einem vorbeifahrenden NGO-Konvoi".

GIZ-Mitarbeiter "wohlauf"

Nahe dem Anschlagsort an der großen Dschalalabad-Straße liegen zwei große Wohn- und Arbeitsanwesen der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen. In eines war im Sommer auch die deutsche staatliche Entwicklungshilfsorganisation GIZ eingezogen. Aus der Pressestelle der GIZ hieß es, die Mitarbeiter seien "wohlauf".

Wer hinter der Tat steckte, blieb zunächst unklar. In Kabul waren erst am Mittwoch Delegierte aus 26 Ländern für eine Friedenskonferenz zusammengekommen. In seiner Auftaktrede machte Präsident Aschraf Ghani den radikalislamischen Taliban ein umfassendes Friedensangebot.

Taliban auf dem Vormarsch

In einer ersten Reaktion eines Taliban-Kommentators auf einer Webseite der Gruppe hieß es noch am Abend, dass Ghani einen wichtigen Punkt vergessen habe: Er habe nicht über die Anwesenheit der internationalen Truppen im Land gesprochen. Die Taliban hätten aber immer gesagt, dass es keine Gespräche geben könne, solange fremde Truppen in Afghanistan seien.

Der afghanische Krieg hat sich seit dem offiziellen Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 stark intensiviert. Die Taliban halten nach unterschiedlichen Schätzungen 13 bis 40 Prozent des Landes. Auch ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) breitet sich aus. Im Januar hatten Taliban und IS in Kabul je zwei schwere Anschläge mit rund 150 Toten verübt. Bei einem Talibanüberfall auf ein großes Hotel war auch eine deutsche Entwicklungshelferin ums Leben gekommen.

Quelle: n-tv.de, dpa/shu

Mehr zum Thema