Politik

Truppen fürchten letzte Schlacht Selenskyj-Berater: "Mariupol wird nicht aufgegeben"

Seit vielen Wochen steht Mariupol unter Beschuss. Die zahlenmäßig unterlegenen ukrainischen Verteidiger warnen bereits vor der letzten Schlacht. Ein enger Berater von Präsident Selenskyj will die Stadt dagegen noch nicht aufgeben. "Davon träumen die Russen", sagt Ihor Zhovkva bei ntv.

Der sicherheits- und außenpolitische Berater von Präsident Selenskyj, Ihor Zhovkva, tritt Spekulationen entgegen, wonach die ukrainische Armee Mariupol aufgeben müsse. "Die Stadt ist nicht verloren, und die Stadt wird nicht aufgegeben", sagt Zhovkva im Interview mit ntv. Teile der Stadt würden zwar von der russischen Armee kontrolliert, aber nicht die gesamte Stadt. "Davon träumen die Russen", erklärt Zhovkva. "Sie wollen, dass Mariupol so etwas wie ein symbolischer Sieg wird. Aber weder die Einwohner von Mariupol noch die ukrainische Armee werden ihnen das ermöglichen. Mariupol wird nicht aufgeben."

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Zhovkva unterzeichnet im März 2021 in Anwesenheit von Präsident Selenskyj in Kiew ein Abkommen mit Litauen.

(Foto: picture alliance / Photoshot)

Zuvor hatten ukrainische Soldaten, die sich noch in der umkämpften und fast vollständig zerstörten Hafenstadt befinden, von schwindenden Lebensmittel- und Munitionsvorräten berichtet und sich über den fehlenden Kontakt zur Armeeführung beschwert. Seit Beginn der Belagerung vor rund sechs Wochen seien keine Lieferungen mehr zu ihnen durchgekommen, sagt ein Soldat in einem Video, das am Dienstag zuerst auf Facebook veröffentlicht wurde. Demnach bereiten sich die ukrainischen Truppen auf die "letzte Schlacht" vor.

Der Mann, der sich und seine Kameraden als Mitglieder der 36. Marineinfanteriebrigade aus Mariupol vorstellt, trägt einen Bart und hat tiefe Augenringe. Wo der Clip aufgenommen wurde, ist nicht klar. Viele der verbliebenen ukrainischen Kämpfer sollen sich im Stahlwerk "Asowstal" verschanzt haben, wo sie mutmaßlich von Tausenden russischen Soldaten eingekesselt sind. Bei den Kämpfen wurden zuletzt möglicherweise auch Chemiewaffen eingesetzt.

Russische Übermacht rückt vor

Mariupol wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar von der russischen Armee belagert. Inzwischen ist die einst 400.000 Einwohner zählende Stadt weitgehend zerstört, die humanitäre Lage katastrophal. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von "Zehntausenden" Menschen, die bei der Belagerung getötet wurden. In einer Videoansprache forderte er am Montag erneut mehr Waffen, um die "russischen Blockade" der Hafenstadt beenden zu können.

Seinen Angaben zufolge halten sich etwa 10.000 russische oder pro-russische Soldaten in und um Mariupol auf. Auf ukrainischer Seite ist von weitaus weniger Kämpfern auszugehen. Früheren Angaben zufolge hielten sich etwa 3000 ukrainische Soldaten in der Stadt auf. Mittlerweile sollen sich Hunderte von ihnen ergeben haben oder gefallen sein.

Armeeführung widerspricht Soldaten

Die ukrainische Armeeführung gibt sich dennoch kämpferisch. "Die Verteidigung von Mariupol geht weiter", erklärte sie. Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj wies ebenfalls den Vorwurf der Soldaten zurück, es gebe keinen Kontakt mit der Armeeführung. Die Verbindung zu den Truppen in der Stadt sei "stabil", sagte Saluschnyj.

Nach dem Rückzug seiner Truppen aus der Region Kiew hatte Russland angekündigt, den militärischen Fokus auf die Ostukraine zu richten. Ziel Moskaus ist nach Einschätzung von Experten die Errichtung einer direkten Landverbindung zwischen der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten in den östlichen Regionen Luhansk und Donezk. Das am Asowschen Meer gelegene Mariupol gilt dabei als strategisch entscheidend.

"Brauchen Waffen, Waffen, Waffen"

Dass die russischen Truppen bei der Belagerung von Mariupol chemische Waffen eingesetzt haben, konnte Selenskyj-Berater Ihor Zhovkva nicht bestätigen. Die Prüfungen liefen noch, sagte er bei ntv, erinnerte aber auch an frühere Äußerungen der russischen Führung. "Man hat ja in der Vergangenheit von Präsident Putin und seinen Generälen gehört, dass sie bereit dazu sind, chemische und biologische Waffen einzusetzen. Sie haben diese Möglichkeit ins Spiel gebracht, als sie Kiew umstellt hatten."

Wie sein Präsident erneuerte auch Zhovkva die ukrainische Bitte um schwere Waffen und weitere Sanktionen. Die Ukraine könne den Krieg gegen Russland gewinnen, sagt er. "Aber was uns dazu fehlt und was wir dafür brauchen, sind Waffen, Waffen, Waffen."

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP

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