Politik

Betreiber: Reaktor abgeschaltet Selenskyj nennt Beschuss von AKW "Terrorakt"

imago0152659037h.jpg

Das größte Atomkraftwerk Europas ist unter russischer Kontrolle. Das Bild zeigt das AKW Saporischschja Anfang März.

(Foto: IMAGO/SNA)

Seit März ist das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja von Russland besetzt. Der Betreiber nimmt nun nach eigenen Angaben einen Block vom Netz, nachdem es auf dem Gelände mehrere Angriffe gegeben habe. Die Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig, der Urheber zu sein.  

Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig den Beschuss des russisch besetzten Kernkraftwerks Saporischschja im Süden der Ukraine vor. Der Betreiber sprach von einer beschädigten Hochspannungsleitung, ein Reaktor wurde demnach vom Netz genommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte Russland auf, die Verantwortung für den "Terrorakt" zu übernehmen. "Heute haben die Besatzer eine weitere äußerst riskante Situation für ganz Europa geschaffen", sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. "Sie haben das Kernkraftwerk Saporischschja zweimal angegriffen." Jede Bombardierung der Anlage sei ein schamloses Verbrechen, "ein Akt des Terrors", sagte Selenskyj weiter. Russland müsse die Verantwortung für die Tatsache übernehmen, dass es ein Atomkraftwerk gefährdet habe.

Nach Angaben des ukrainischen Betreibers Energoatom waren am Freitag auf dem Gelände des AKW Saporischschja nahe eines Nuklearreaktors drei Angriffe erfolgt. Demnach wurde eine Hochspannungsleitung des Kraftwerks durch Artilleriebeschuss beschädigt. Einer der Reaktoren sei vom Netz genommen worden, teilte Energoatom mit. Damit seien nun zwei der sechs Reaktoren in Betrieb. Es sei keine Radioaktivität ausgetreten.

Selenskyj pochte auf Sanktionen gegen Russlands Nuklearindustrie. "Wer nukleare Bedrohungen für andere Völker schafft, ist definitiv nicht in der Lage, Nukleartechnologie sicher einzusetzen." Konkret forderte er etwa Strafmaßnahmen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hingegen machte ukrainische Soldaten für den Beschuss verantwortlich und teilte mit, ein Kraftwerksblock habe teilweise abgeschaltet werden müssen. Zudem sei in der Stadt Enerhodar die Strom- und Wasserversorgung in einigen Bezirken ausgefallen. Die russische Armee erklärte zudem, "bewaffnete ukrainische Gruppen" hätten drei Artillerieangriffe auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja und in der Stadt Enerhodar ausgeführt. Sie forderte "internationale Organisationen auf, die kriminellen Handlungen des Regimes von Selenskyj zu verurteilen, welches nukleare Terrorakte begeht".

Kiew: Beschuss könnte Atombombe gleichkommen

Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums wurde der Austritt von Strahlung nur durch glückliche Umstände vermieden. Das ukrainische Außenministerium sprach von wiederholten Provokationen Russlands an dem Kraftwerk und erklärte, der Beschuss eines aktiven Reaktors könne dem Einsatz einer Atombombe gleichkommen.

Das AKW war im März von der russischen Armee besetzt worden, wird aber weiterhin von dem ukrainischen Staatskonzern Energoatom und dessen Belegschaft betrieben. Energoatom und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hatten bereits wiederholt eine Beeinträchtigung der Betriebssicherheit durch militärische Handlungen beklagt. So war der Zugang der IAEO zu Fernüberwachungssystemen mehrmals unterbrochen worden. Die Ukraine und die USA beschuldigen Russland, das Kernkraftwerk als Schutzschild zu missbrauchen. Erst vor wenigen Tagen zeigte sich die IAEO erneut besorgt: Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEO-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.

Quelle: ntv.de, hul/rts/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen