Politik

"Verletzt unsere Sensibilität"Selenskyj sorgt mit Militärehrung für Empörung in Polen

29.05.2026, 16:22 Uhr
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Selenskyj bei der Verleihung von Auszeichnungen an Mitglieder der ukrainischen Spezialkräfte am Mittwoch. (Foto: IMAGO/APAimages)

Ein symbolischer Akt von Selenskyj sorgt für Empörung in Warschau. Ein Verband der ukrainischen Spezialeinheiten trägt nun den Namen einer Miliz, die auch für die Ermordung Zehntausender Polen verantwortlich ist. Im Nachbarland äußern sich Regierungschef Tusk und Staatschef Nawrocki.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Polen für Empörung gesorgt, indem er einen Verband der ukrainischen Armee nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannte. Die UPA war im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Ukraine für Massaker an Polen verantwortlich und kollaborierte zeitweise mit Hitler-Deutschland.

Polens Regierungschef Donald Tusk erklärte, Selenskyjs Entscheidung "verletzt unsere historische Sensibilität". Auf X schrieb er: "Wenn wir uns über die Vergangenheit streiten, gewinnt jemand anderes die Zukunft. Der Präsident der Ukraine sollte das endlich verstehen. Die Polen auch. Bevor es zu spät ist!" Staatschef Karol Nawrocki schlug vor, Selenskyj die höchste polnische Auszeichnung, den Orden Weißer Adler, abzuerkennen.

Selenskyj hatte am Mittwoch per Verordnung verfügt, dass das Operationszentrum Nord der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte den Ehrennamen "Helden der UPA" erhält. Dies geschehe, "um die historischen Traditionen der nationalen Armee wiederherzustellen", heißt es in der offiziellen Bekanntmachung.

Die UPA wurde 1942 als militärischer Arm der OUN, der Partei ukrainischer Nationalisten, gegründet. Bei den begangenen Massakern töteten UPA-Mitglieder bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien. Die Region gehörte bis 1939 zu Polen. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurden sie damals der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen.

Durch einen Aufstand gegen die deutschen Besatzer und die Beseitigung der polnischen Zivilbevölkerung hofften die ukrainischen Nationalisten damals, den ukrainischen Anspruch auf das Gebiet zu untermauern. Die Gewalt in der heutigen Westukraine erreichte im Juli 1943 ihren Höhepunkt. Viele Opfer wurden bei lebendigem Leib in den Kirchen ihrer Dörfer verbrannt. Bei Vergeltungsakten wurden Schätzungen zufolge bis zu 20.000 Ukrainer getötet.

Die Mitglieder von OUN und UPA werden in Teilen der ukrainischen Gesellschaft als Helden verehrt, besonders im Westen des Landes. 2024 hatte Uneinigkeit über das Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Streitigkeiten zwischen Kiew und Warschau geführt. Die polnische Regierung ist ein Unterstützer der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP

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