Zynisches KalkülSelenskyj wirft Kreml gezielten Terror gegen Bevölkerung vor

Mitten im Winter werden die russischen Angriffe gegen die ukrainische Energieversorgung immer stärker. Der ukrainische Präsident Selenskyj sieht darin ein zynisches Kalkül.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den schweren Luftangriffen in dieser Woche Russland gezielten Terror gegen die Menschen seines Landes vorgeworfen. Das russische Militär habe innerhalb der vergangenen Woche rund 1100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen und Marschflugkörper, darunter die Mittelstreckenrakete Oreschnik, gegen die Ukraine eingesetzt, schrieb er in sozialen Netzwerken. "Auf Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser."
Moskau habe extra das frostige Wetter abgewartet, um den "einfachen" Ukrainerinnen und Ukrainern das Leben so hart wie möglich zu machen. "Das ist bewusster, zynischer russischer Terror gegen die Menschen", argumentierte Selenskyj.
Seine Worte illustrierte er mit Videoausschnitten von Drohnenschäden ziviler Objekte in Kiew und Umland sowie in den Regionen Charkiw, Cherson, Dnipropetrowsk, Donezk, Odessa, Saporischschja und Tschernihiw. Bilder aus dem westukrainischen Lwiw, wo die Oreschnik-Rakete eingeschlagen ist, waren nicht zu sehen.
Nur militärische Ziele?
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe hat Russland in der vergangenen Nacht 154 Kampfdrohnen gestartet. 125 seien abgefangen worden, es habe aber auch mehr als 20 Einschläge gegeben, räumte die Flugabwehr ein. Angesichts der Frosttemperaturen ist die Lage für viele Ukrainer katastrophal.
Seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren attackiert Russland systematisch die Energieversorgung der Ukraine. Inzwischen ist das ukrainische Netz so geschwächt, dass die Stromversorgung in vielen Landstrichen beschränkt oder sogar ganz zusammengebrochen ist. Allein in Kiew sind nach dem schweren russischen Angriff am Freitag mehr als 1000 Wohngebäude ohne Heizung.
Der Kreml stellt die andauernde Bombardierung der Ukraine als Schläge gegen ausschließlich militärisch relevante Objekte dar. Moskau hat zuletzt seinerseits Terrorvorwürfe gegen Kiew erhoben, weil die Ukraine angeblich eine Drohnenattacke auf eine der Residenzen von Kremlchef Wladimir Putin lanciert hat. Unstrittig ist, dass die Ukraine in ihrem Kampf gegen Putins Angriffskrieg täglich auch russische Ziele angreift. An der russischen Darstellung, dass Putins Residenz das Ziel gewesen sein soll, gibt es aber erhebliche Zweifel. Der US-Geheimdienst CIA kam zu dem Schluss, dass Putin oder dessen Residenz nicht Ziel war. Putin hat vor knapp vier Jahren den Krieg gegen die Ukraine befohlen.