Politik

Zehn Punkte zu Weihnachten Seltenes Trump-Lob in "Washington Post"

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Lob für Trump? Alles eine Frage der Sichtweise.

(Foto: dpa)

Leser der "Washington Post" erfahren selten etwas Positives über US-Präsident Trump. Dafür gibt es viele Gründe - doch nun widmet das Blatt dem Mann im Weißen Haus eine Liste, die voller Lob für seine Taten ist.

In den USA bekommt Präsident Donald Trump ein überraschendes Weihnachtsgeschenk von der "Washington Post". Die renommierte Zeitung aus der US-Hauptstadt hat über die Feiertage eine Liste mit Dingen veröffentlicht, die dem Mann im Weißen Haus gut gelungen sind. Darunter sind steigende Zahlungen der Nato-Mitglieder, sinkende Einwanderung oder die Tötung des Terroristenführers Abu Bakr al-Bagdadi.

Das dürfte Trump überrascht haben, da er die Zeitung an vorderster Front neben der "New York Times" regelmäßig als "Fake News" diffamiert. Insbesondere auf den Besitzer der Zeitung, auf den Amazon-Chef und reichsten Mann der Welt, Jeff Bezos, konzentriert sich Trumps Kritik. Diesem sagt er nach, das Blatt nur dazu nutzen zu wollen, ihm zu schaden. Tatsächlich berichtet die Zeitung oft kritisch über den Präsidenten, weist aber Vorwürfe zurück, voreingenommen oder gar unfair zu sein.

Die Liste des Kolumnisten Marc Thiessen dürfte dabei helfen, diesen Anspruch unter Beweis zu stellen. Denn dieser ist selbst ein Konservativer. Für den früheren US-Präsidenten George W. Bush war er der Chef-Redenschreiber, außerdem arbeitet er auch für den Trump meist treu ergebenen Sender Fox News. Insofern erklären sich auch manche Punkte auf der Liste, denen manch ein eher links-liberal eingestellter Leser der "Washington Post" kaum zustimmen dürfte. Darunter etwa ein Gesetz gegen Abtreibungen.

Konkret listet Thiessen diese zehn Punkte auf:

  • Die Arbeitslosigkeit sei auf einem Rekordtief, die Löhne stiegen und 57 Prozent der Amerikaner sagten, es ginge ihnen seit Trumps Amtsantritt finanziell besser.
  • Für Alleinstehende verschärfte Trump die Regeln, Lebensmittelmarken zu erlangen. Das sieht Thiessen positiv, da es angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit keinen Grund gebe, dass mehr Menschen diese Hilfe bekommen sollten.
  • Trump brachte die Nato-Mitgliedstaaten dazu, mehr Geld für Verteidigung auszugeben, immerhin 130 Milliarden US-Dollar. Dass der Präsident dies mit Drohungen und Druck erreichte, schmälert den Erfolg für Thiessen offenbar nicht.
  • Dass Trump mitten im Handelskrieg mit China die Proteste in Hongkong mittels eines eigens dafür eingebrachten Gesetzes unterstütze, wertet der Kolumnist ebenfalls auf der Haben-Seite.
  • In Europa wurde der Rückzug der USA aus dem INF-Vertrag weitgehend kritisch gesehen - er verbot Test und Bau von nuklearen Mittelstrecken-Raketen. Doch Thiessen sieht genau das als geglücktes Strategie-Manöver. Denn dadurch könnten die USA nun besser China und Nordkorea in Schach halten.
  • Ebenfalls wenig Zustimmung fand Trump in Europa dafür, dass er sich aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran zurückzog. Doch Thiessen verbucht auch dies als Erfolg - die Strategie des "maximalen Drucks" habe das Land gelähmt und gezwungen, seine Hilfen für Hisbollah und die Hamas einzuschränken - in den USA wie auch in der EU gelten beide Organisationen als terroristisch, wobei Brüssel lediglich die Hisbollah-Miliz, nicht die Partei im Libanon als solche einstuft.
  • Thiessen sieht auch Trumps Zolldrohungen gegen Mexiko als Erfolg. Diese hätten dazu geführt, dass das Nachbarland "erstmals in der jüngeren Geschichte" seine eigenen Einwanderungsgesetze anwende und "Karawanen mittelamerikanischer Migranten" stoppe.
  • Trump habe zudem der Abtreibungspraxis einen schweren Schlag versetzt, schreibt Thiessen. Der Präsident verbot, dass staatliche Zahlungen an Familien bei Krankenhäusern landen, die Abtreibungen durchführen. "Das ist ein weiterer Grund, warum christliche Konservative ihn weiter unterstützen", so der Kommentator.
  • Auch Trumps Gegner dürften anerkennen, dass es auf Trumps Befehl gelang, den Führer der Terrormiliz Islamischer Staat, Al-Bagdadi, zu töten. Die gefährliche Mission gelang im Herbst dieses Jahres.
  • Last but not least führt Thiessen die Besetzung von Richterposten an. Anders als in Deutschland sind diese ein großes Politikum. Trump sei es gelungen, 50 Bundesrichter in "Rekordzeit" zu installieren. Das hat große Bedeutung, weil diese die Rechtsprechung bis zum höchsten Gericht, dem Supreme Court, teils über Jahrzehnte prägen werden.

Die Trump-freundliche Liste kann auch als Beitrag gegen die starke Polarisierung in der US-Politik und auch der Medienlandschaft gelesen werden. Denn die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten sind mittlerweile so tief, dass diese oftmals nicht einmal mehr über die gleichen Themen debattieren. Viele Konservative trauen sogenannten "liberalen Medien" wie eben der "Washington Post", der "New York Times" oder auch dem Sender CNN nicht über den Weg, während demokratische Wähler Trump-nahe Sender wie Fox News meist ignorieren.

Dies setzt sich in den sozialen Medien im Internet fort, wo viele lediglich solchen Kommentatoren folgen, die ähnliche Meinungen wie sie selbst vertreten. Das führt dazu, dass das gleiche Ereignis oder die gleiche Trump-Äußerung völlig unterschiedlich aufbereitet wird, sich so das Lager-Denken verstärkt und sich beide Seiten immer weniger verstehen.

Quelle: ntv.de, vpe

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