Sie wirft Partei Korruption vorAfD-Niedersachsen will Anja Arndt rauswerfen

Die Europaabgeordnete Anja Arndt macht in mehreren Schreiben ein System von Vetternwirtschaft und gekauften Mandaten im AfD-Landesverband Niedersachsen öffentlich. Doch schon während die Vorwürfe überprüft werden, will die Landesspitze die Abgeordnete loswerden.
Die AfD-Niedersachsen hat ein Parteiausschlussverfahren gegen die Europaabgeordnete Anja Arndt auf den Weg gebracht. Das geht aus einem Schreiben an Arndt hervor, welches RTL/ntv exklusiv vorliegt. Dort heißt es, die AfD-Politikerin habe durch ihre zwei "Brandbriefe" mit "vielfachen verleumderischen und grob parteischädigenden Aussagen" zum Nachteil der Partei agiert. Der Landesvorstand hat den Ausschluss demnach bereits am Montag mit der erforderlichen Mehrheit beschlossen. Unterschrieben wurde der Brief durch den Landesvorsitzenden Niedersachsen, Ansgar Schledde.
Gegenüber RTL/ntv bestätigen Parteikreise das Ausschlussverfahren gegen Anja und ihren Sohn Simon Arndt wegen "parteischädigendem Verhalten". Der Landesvorsitzende Schledde wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Der Konflikt im AfD-Landesverband Niedersachsen schwelt bereits seit Monaten. Die Europaabgeordnete Arndt hatte gegen die Parteiführung in mehreren Schreiben schwere Vorwürfe erhoben und von einem System der Vetternwirtschaft berichtet. Nach ihren Angaben sollen Bundestagsabgeordnete aus Niedersachsen verpflichtet worden sein, einen erheblichen Teil ihres Mitarbeiterbudgets für parteinahe Strukturen zu reservieren - Steuergeld, das eigentlich für parlamentarische Arbeit vorgesehen ist.
Die niedersächsische AfD-Spitze und ein Großteil der betroffenen Bundestagsmitglieder haben die Anschuldigungen dementiert. Eine Bundestagsabgeordnete bestätigte sie jedoch teilweise. Der Bundesvorstand beschloss zuletzt, eine Kommission zur Aufklärung einzusetzen. Das hält aber nun die Landesspitze nicht ab, die Ausschlussverfahren zu eröffnen.
Nach Informationen von RTL/ntv prüft die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen gegen von Arndt beschuldigte AfD-Funktionäre. Allerdings muss sie vor einer offiziellen Eröffnung eines Verfahrens Anträge zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität stellen. Landeschef Ansgar Schledde ist als Mitglied des niedersächsischen Landtags ebenso gegen Strafverfolgung geschützt wie die Bundestagsabgeordneten.
Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass "in Zusammenhang mit den von Ihnen genannten Vorwürfen aktuell kein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Hannover anhängig" sei. "Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden."