Politik

Strategie verteidigt Spahn will "Impfangebot an alle" im Sommer

Jens Spahn muss sich gegen teils massive Vorwürfe zur deutschen Impfstrategie verteidigen. Doch bleibt er bei der europäischen Linie, sie sei auch ökonomisch richtig. Nun müsse man schauen, wie man die Impfbereitschaft erhöht.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat zur Gemeinsamkeit bei den Impfungen gegen das Coronavirus aufgerufen und das Vorgehen der Bundesregierung erneut gegen Kritik verteidigt. "Diese größte Impfaktion unserer Geschichte ist eine Gemeinschaftsaufgabe", sagte der CDU-Politiker im Bundestag. "Kein Land, keine Partei, keine Regierung kann allein dieses Virus besiegen, es geht nur gemeinsam." Dies könne auch nur gelingen, wenn über das Jahr hinweg die allermeisten Bürger bereit seien, sich impfen zu lassen.

Spahn bekannte sich erneut klar zum gemeinsamen europäischen Vorgehen. "Ja, es ist richtig, dass wir europäisch handeln", sagte er in seiner Regierungserklärung. Europa dürfe nicht nur "in Sonntagsreden" beschworen werden. Große Länder wie Deutschland und Frankreich hätten wohl auch allein genügend Impfstoff für ihre Bürger beschaffen können, kleinere EU-Staaten aber nicht, sagte Spahn. Selbst wenn hierzulande dann "etwas mehr" Menschen hätten geimpft werden können, so hätte ein solches Vorgehen doch auch "handfeste negative Folgen" für Deutschland gehabt, betonte er. Denn die deutsche Wirtschaft brauche offene Binnengrenzen und freien Güterverkehr.

Der Bundesregierung wird besonders von der Opposition vorgeworfen, unzureichende Mengen an Corona-Impfstoffen für Deutschland gesichert zu haben, weil man auf eine gemeinsame Bestellung der Europäischen Kommission gesetzt hat. "Ich verstehe gut, dass man in der aktuellen Lage lieber auf das schaut, was kurzfristig im nationalen Interesse liegen könnte. Aber das vermeintlich kurzfristig nationale Interesse ist oftmals nicht unser langfristiges", so Spahn.

Spahn gibt Fehler zu

Er versicherte erneut, dass über die EU-Kommission genügend Impfstoff für alle Menschen in Deutschland bestellt worden sei. Schon die zugesagten Lieferungen der beiden bereits zugelassenen Impfstoffe würden genügen, um "allen in diesem Jahr ein Impfangebot zu machen". Angesichts der steigenden Produktion von Corona-Impfstoffen hält er dies bereits im Sommer für möglich. Er erwarte im 2. Quartal eine deutliche Entspannung bei den Lieferungen. Die Debatte über knappe Impfstoffe werde schon bald von der Debatte über die Impfbereitschaft der Bevölkerung abgelöst werden.

Zugleich räumte er Fehler ein: "Natürlich ruckelt es bei der größten Impfkampagne der Geschichte." Aber es sei eine Struktur aufgebaut worden, "die hochfahren kann und wird". Jetzt komme es vor allem auf die Impfbereitschaft der Bevölkerung an, "wenn wir das Virus besiegen wollen".

Der Minister sprach von einer "Zeit der Gegensätze", in der sich das Land aktuell befinde. Denn Deutschland erlebe derzeit auch eine der schwersten Phasen der Pandemie. "Wir müssen die immer noch zu hohen Infektions- und Todeszahlen senken", mahnte er. Laut dem Minister sind in Deutschland mittlerweile mehr als 750.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. "Die Impfung bringt Licht ans Ende des Tunnels", sagt Spahn. Er dankte allen Beteiligten der "größten Impfkampagne" in der Geschichte des Landes. "Wir krempeln zusammen die Ärmel hoch, damit diese Pandemie ihren Schrecken verliert."

Die Corona-Impfungen in Deutschland hatten vor gut zwei Wochen begonnen. Zuletzt war auch vom Koalitionspartner SPD Kritik an zu geringen Impfstoff-Bestellungen laut geworden. Vor Ort gibt es teils Ärger wegen der Organisation von Impfterminen. Einsetzbar sind inzwischen zwei zugelassene Impfstoffe.

Quelle: ntv.de, fni/dpa