Politik

Fluglotsen beenden wilden Streik Spanischer Luftraum wieder geöffnet

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Ein Reisender wartet auf dem Flughafen von Bilbao.

(Foto: AP)

Spaniens Regierung ruft wegen des Fluglotsenstreiks den Alarmzustand aus. Damit werden die Streikenden dem Militärrecht unterstellt und können wegen Aufruhrs verhaftet werden. Der Druck wirkt: Etliche Fluglotsen kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. Der Flugverkehr wird sich allerdings nur langsam wieder normalisieren. Tausende Reisende sitzen noch fest.

Nach der Verhängung des Alarmzustandes und der Androhung von Haftstrafen sind in Spanien etwa zwei Drittel der Fluglotsen an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die durch ihren wilden Streik ausgelösten Behinderungen im Luftverkehr dürften nach Ansicht der Regierung aber noch bis zu zwei Tage andauern. Etwa 250.000 Passagiere saßen fest, darunter auch Tausende Kunden deutsche Reiseveranstalter wie TUI und Thomas Cook. Der Alarmzustand gibt der Regierung besondere Vollmachten. Er steht von den Auswirkungen her eine Stufe unterhalb des Ausnahmezustands und war seit der Wiedereinführung der Demokratie in Spanien vor 35 Jahren noch nie verhängt worden.

"Die Fluglotsen nehmen ihre Arbeit wieder auf", sagte ein Sprecher der staatlichen Flughafenaufsicht AENA. Das spanische Verkehrsministerium teilte mit, dass der spanische Luftraum wieder freigegeben sei. Die Fluggesellschaft Air Berlin kündigte an, ab dem frühen Abend wieder Flüge anzubieten. Bis zum Normalbetrieb ist es aber wohl noch ein weiter Weg: Dies könne 24 bis 48 Stunden in Anspruch nehmen, sagte Spaniens Bauminister Jose Blanco. Voraussetzung sei, dass alle Lotsen wie gefordert ihren Dienst wieder anträten.

"Alle Fluglotsen entlassen"

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Kontrolle: Die spanische Armee am Flughafen von Madrid.

(Foto: dpa)

Tausende von Passagieren hatten die Nacht in den Wartehallen der Flughäfen in Madrid, Barcelona und auf Mallorca verbracht. Auf dem Flughafen von Mallorca hatten in der Nacht festsitzende Reisenden gegen das Chaos protestiert. In den Terminals fast aller Airports bildeten sich vor den Schaltern lange Schlangen wütender Passagiere. "Sie sollten alle Fluglotsen entlassen", schrie eine aufgebrachte Frau im Flughafen von Madrid. Das Chaos wurde dadurch vergrößert, dass Tausende von Spaniern in ein langes Wochenende aufbrechen wollten. Am kommenden Montag ist ein Nationalfeiertag in Spanien. Auch der Mittwoch ist für die meisten Spanier arbeitsfrei.

Wegen des Fluglotsenstreiks fielen in ganz Europa Flüge aus. Auch in Deutschland warten tausende Reisende auf ihre Flüge. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main mussten 14 Starts annulliert werden. Mehrere tausend Fluggäste mussten auf dem Münchner Flughafen Wartezeiten und Ausfälle in Kauf nehmen. Etwa 30 Maschinen konnten wegen des Streiks nicht starten oder kamen nicht an.

In Düsseldorf fielen mehrere Flüge mit Zielen auf dem spanischen Festland aus. Flüge zu den kanarischen Inseln oder nach Mallorca wurden zunächst verschoben. Am Flughafen Köln-Bonn waren Flüge in Richtung Spanien ebenfalls mehrere Stunden verspätet. Auf den beiden Berliner Flughäfen wurden acht Flüge gestrichen. Auf den Airports Leipzig-Halle und Dresden fielen ebenfalls Flüge aus. In Stuttgart kam es zu erheblichen Verspätungen von bis zu zwölf Stunden.

Lotsen dem Militärrecht unterstellt

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Soldaten auf dem Flughafen von Madrid.

(Foto: REUTERS)

Die spanische Regierung rief zuvor wegen des unangekündigten Arbeitskampfes, der die wirtschaftlichen Probleme des Mittelmeerlandes zu verschärfen droht, den Alarmzustand aus. Die Lotsen wurden damit dem Militärrecht unterstellt. Wenn sie der Anordnung zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht Folge leisten würden, könnten die Lotsen wegen Befehlsverweigerung in Schnellverfahren nach militärischem Recht zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Alfredo Perez Rubalcaba nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung. Bauminister Blanco nannte den wilden Streik "eine Erpressung". Auch spanische Medien verurteilten die Arbeitsniederlegungen. Die Staatsanwaltschaft leitete bereits erste Ermittlungen ein. Die Polizei nahm die Personalien von streikenden Lotsen auf, die sich in einem Madrider Hotel versammelt hatten.

Das Militär hatte am Freitagabend die Flugsicherung übernommen, nachdem die zivilen Fluglotsen am späten Nachmittag überraschend ihre Arbeit niedergelegt und damit ein Chaos an den Flughäfen verursacht hatten. Nur der südliche Luftraum über Andalusien blieb offen. Die Fluglotsen streiten sich mit der AENA über Gehälter und Arbeitszeiten. Die Behörde empfahl den Passagieren, ihre Fluggesellschaften für weitere Informationen zu kontaktieren.

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Improvisiert: Viele Passagier mussten am Flughafen übernachten.

(Foto: AP)

Die Fluglotsen streiten sich mit AENA über Gehälter und Arbeitszeiten. Die Regierung hatte beschlossen, eine neue Regelung für die Dienstzeiten der Fluglotsen einzuführen. Madrid will außerdem die Großflughäfen in Madrid und Barcelona einem privaten Management unterstellen. Die Flughafenbehörde AENA erklärte, sie sei zu Verhandlungen mit den Fluglotsen erst dann bereit, wenn auf den spanischen Flughäfen wieder Normalität herrscht. Die spanische Regierung hatte in der Schuldenkrise ihren Sparkurs zuletzt noch verschärft. Die Wirtschaft des Landes hängt allerdings stark vom Tourismus ab, der etwa elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts