Verdächtiger Gegenstand gefundenSprengstoffalarm unterbricht Prozess gegen Ex-RAF-Terroristin

Bei den Schließfächern der Zuschauer schlägt der Sprengstoffhund an: Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette müssen Spezialkräfte anrücken und einen Transponder untersuchen. Wem er gehört und wie er dorthin gelangte, ist offenbar noch unklar.
Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette ist die Verhandlung am Landgericht im niedersächsischen Verden kurz nach Beginn unterbrochen worden, nachdem ein Sprengstoffhund bei Schließfächern der Zuschauer angeschlagen hatte. Ein verdächtiger Gegenstand wurde untersucht. Am Mittag konnte dann Entwarnung gegeben werden, der Verhandlungstag wurde am frühen Nachmittag fortgesetzt.
Nach Angaben einer dpa-Reporterin vor Ort hatte ein Sprengstoffhund der Polizei bei den Schließfächern der Zuschauer angeschlagen. Daraufhin wurde ein Schließfach, in das ein Journalist Gegenstände gelegt hatte, ausgeräumt. Alle Sachen wurden von der Polizei kontrolliert. Da in den Gerichtssaal zum Beispiel keine elektronischen Geräte mitgenommen werden dürfen, gibt es vor dem Saal Schließfächer.
Nachdem die Polizei die Sachen des Journalisten kontrolliert hatte, gab sie ihm die Gegenstände zurück. Darunter war allerdings ein Transponder, der dem Mann nicht gehörte. Ein Transponder ist ein kleines Plastikteil mit Sender, es wird etwa zum Öffnen von Türen verwendet, mit ihm kann aber auch auf größere Entfernung ein Signal übertragen werden.
Keiner der Polizisten habe sich erklären können, woher der Transponder gekommen sei und wem er gehöre, sagte der betroffene Journalist. Die Polizei bestätigte diese Angaben. "Wem dieser Gegenstand gehört oder wie er in das Schließfach gelangte, ist derzeit noch unklar", teilte eine Sprecherin mit.
Der Gegenstand wurde von Spezialkräften auf einer Wiese untersucht, am Mittag gab es dann Entwarnung. Eine Sprecherin der Polizeiinspektion Verden sagte, an dem Transponder sei nichts Verdächtiges gefunden worden, auch kein Sprengstoff. An der Untersuchung waren Entschärfer des Landeskriminalamtes beteiligt.
Klette war im Februar 2024 nach jahrelanger Flucht in Berlin gefasst worden, wo sie unter falschem Namen im Stadtteil Kreuzberg lebte. Sie soll Anfang der 90er Jahre in der Schlussphase der linksextremistischen RAF zu deren sogenannter Kommandoebene gehört und sich an Anschlägen beteiligt haben. Die RAF erklärte sich 1998 selbst für aufgelöst.
Die Verbindungen Klettes, Garwegs und Staubs zu mehreren zwischen 1999 und 2016 vor allem in Norddeutschland verübten Raubüberfällen ergaben sich durch DNA-Spuren. Das Landeskriminalamt in Niedersachsen übernahm die Ermittlungen dazu, deshalb steht Klette auch in Verden vor Gericht. Ermittlungen gegen Klette wegen möglicher Taten im Zusammenhang mit der RAF führt die Bundesanwaltschaft. Sie spielen in dem Prozess in Verden keine direkte Rolle.