Politik

22 neue Bürger und 14 Hektar für NRW Straße wechselt das Bundesland

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Blick auf Brilon-Bontkirchen im Sauerland.

dpa

Jahrzehntelang haben sie dafür gekämpft: Nun werden 22 ehemalige Hessen aus der Willinger Straße von Brilon-Bontkirchen Einwohner von Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers begrüßt die abtrünnigen Hessen einzeln per Handschlag.

"Wir sind 14 Hektar größer geworden, und ich freue mich über 22 nette Neubürger", sagte Rüttgers, der gemeinsam mit vielen Einwohnern des 500-Seelen Dorfes Bontkirchen die neuen Westfalen über das Grenzflüsschen Itter eskortierte. In den vergangenen Jahrzehnten waren aus Bauland-Mangel im Dorf sieben Wohnhäuser, ein Sägewerk, Schützenhalle und Sportplatz auf hessischem Gebiet errichtet worden.

Für ihren "Umzug" von Hessen nach Nordrhein-Westfalen brauchen die Bewohner der Willinger Straße jedoch nicht mal einen Karton zu packen. Der Staatsvertrag über die Grenzbereinigung gilt ab Mitternacht am 1. November. "Da hätte ich nie dran geglaubt" freute sich die mit 87 Jahren älteste Neubürgerin, Elisabeth Becker. Für sie selber habe die Grenzänderung zwar keine Auswirkungen mehr: "Aber früher, als wir Kinder hatten, das war ein Drama." Um beispielsweise Kindergarten oder Schule in Bontkirchen oder Brilon zu besuchen, mussten jeweils Anträge gestellt werden.

Post irrt wochenlang durch Hessen

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Mit Pauken und Trompeten: Die 22 Hessen übersiedeln symbolisch nach Nordrhein-Westfalen.

(Foto: dpa)

Das sei zwar immer durchgewunken worden, sagte Daniel Schrewe, der ebenfalls als hessischer Bontkirchener aufgewachsen ist. Für seine 18 Monate alte Tochter Vanessa - die jüngste Betroffene - wird nach Einschätzung der Eltern nun jedoch vieles einfacher werden. "Wenn wir im Amt in der hessischen Kreisstadt Korbach waren, gab es immer Missverständnisse", sagte Marc Schrewe. Die Ortsangabe Bontkirchen habe die Beamten immer irritiert: "Die haben gesagt, wir müssten nach Brilon. Das hat immer lange gedauert, bis die das verstanden haben, dass wir Hessen sind."

Noch ärgerlicher war für viele Anwohner der Willinger Straße die Wartezeit auf die Post. "Als ich Studentin war, habe ich sofort meine Adresse in der Uni-Stadt angeben, weil die Post dann am nächsten Tag da war", sagte Christine Krämer. Post an ihr Elternhaus sei zum Teil wochenlang durch Hessen geirrt.

Nur der Schießstand bleibt in Hessen

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"Wir in NRW": Ministerpräsident Jürgen Rüttgers freut sich über die neuen Bürger und das neue Land.

(Foto: dpa)

Bereits mehrfach hatte es in den vergangenen Jahrzehnten Anläufe zur Grenzbereinigung gegeben. Mal sei es an der einen, mal an der anderen Seite gescheitert, berichtete der ehemalige Ortsvorsteher Albert Brüne. Nun aber einigten sich zur Freude der Betroffenen die Bürgermeister, Landräte und Landtage. "Das ist ein schönes Signal, aber vor allem ist das für die Menschen hier ein Stück profane Verwaltungsvereinfachung", sagte Rüttgers. Per Gesetz ist Nordrhein-Westfalen zudem nun 14 Hektar größer - das entspricht 19 Fußballfeldern. Als Ausgleich für ausbleibende Steuereinnahmen hat die Stadt Brilon bereits 390.000 Euro an die hessische Gemeinde Diemelsee überwiesen.

Nun müssen die Neu-Westfalen sich noch ummelden und auch neue Nummernschilder aus dem Hochsauerland-Kreis für ihre Autos besorgen. Doch so ganz hat Bontkirchen auch mit dem Staatsvertrag dem hessischen Kreis Waldeck-Frankenberg nicht den Rücken gekehrt. "Der Schießstand und der Schützenvogel stehen weiterhin auf hessischem Gebiet", sagte Rüttgers. Damit muss zumindest der Schützenverein noch regelmäßig zum Amt nach Korbach, um die Schießgenehmigung zu beantragen.

Quelle: n-tv.de, Jörg Taron, dpa