Politik
Samstag, 15. April 2006

Christen und Moslems: Straßenschlacht in Alexandria

Während der Beisetzung eines erstochenen Kopten haben sich Christen und Moslems am Samstag in Ägypten Straßenschlachten geliefert. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Gruppen zu trennen, die in Alexandria mit Steinen und Stöcken aufeinander losgingen. Sanitätern zufolge wurden drei Moslems und zwei Christen verletzt. "Wir wollen Gerechtigkeit. Christus ist der Sieger!" skandierten christliche Demonstranten. Präsident Husni Mubarak kündigte Widerstand gegen jeden Versuch an, die Nation zu spalten. "Ägypten gilt als ein Vorbild für nationale Einheit und religiöse Toleranz", erklärte er in den staatlichen Medien. Keine Einzeltat könne die Beziehung zwischen den beiden Teilen der Gesellschaft stören.

Der 67-jährige koptische Christ war am Freitag nach einem Messerangriff eines Moslems gestorben. Die Behörden beschrieben den Angreifer als geisteskrank. Aus Kreisen des Innenministeriums verlautete dagegen, der 25-Jährige habe Rache nehmen wollen für dänische Karikaturen des Propheten Mohammed. Diese hatten unter Moslems weltweit Empörung ausgelöst.

Kopten machen fünf bis zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus. Für sie hat am Freitag die letzte Woche der Fastenzeit begonnen, in der auch nachts in den Kirchen gebetet wird. Das Osterfest der Kopten ist am 23. April.

Im vergangenen Oktober war es in Alexandria zu gewaltsamen Ausschreitungen vor einer Kirche gekommen, bei denen drei Menschen ums Leben kamen. Damals hatte die Polizei verhindert, dass 4.000 Muslime eine Kirche stürmten, weil sie über die Verbreitung eines Theaterstücks auf DVD wütend waren, dass den Islam ihrer Ansicht nach in einem schlechten Licht zeigt.

Quelle: n-tv.de