Politik
Zwei zum Preis von einem: Das Museo Egizio in Turin bietet arabischen Muttersprachlern einen Rabatt.
Zwei zum Preis von einem: Das Museo Egizio in Turin bietet arabischen Muttersprachlern einen Rabatt.(Foto: Museo Egizio Turin)
Dienstag, 13. Februar 2018

Alte Ägypter werden zu Politikum: Streit um Rabatt für Araber in Turin

Von Andrea Affaticati, Mailand

Vor zwei Jahren interessierte sich kaum jemand dafür, dass Araber im Ägyptischen Museum von Turin einen Preisnachlass bekommen. Jetzt, im Wahlkampf, sorgt der Werbegag für Empörung von rechts.

Die Alten Ägypter drehen sich wahrscheinlich gerade in ihren Sarkophagen. Trotz ihrer göttlichen Macht hätte sich wohl keiner von ihnen angemaßt, Jahrtausende nach ihrem Tod zum Politikum zu werden. Doch seit Tagen dominiert das Ägyptische Museum in Turin, nach dem in Kairo das zweitwichtigste dieser Art weltweit, die Schlagzeilen der italienischen Medien.

Anlass ist eine Aktion von Museumsdirektor Christian Greco, die Italiens Rechtsparteien aufjaulen lässt. Auf Plakaten des Museums steht in arabischer Sprache: "Glücklich ist, wer Arabisch spricht". Denn arabische Muttersprachler erhalten noch bis zum 31. März zwei Eintrittskarten zum Preis von einer. Es geht um die Integration von Einwanderern: "Wir wollen den Mitbürgern arabischer Sprache den Besuch erleichtern, um sie so stärker in die Gemeinschaft einzubinden, in der zu leben sie beschlossen haben", heißt es auf der Webseite des Museums.

Eine ähnliche Initiative hatte Greco schon 2016 lanciert. Damals regte sich niemand auf. Am 4. März stehen in Italien allerdings Parlamentswahlen an. Und alles, was mit Ausländern und Migranten zu tun hat, passt den rechtsgerichteten Parteien bestens in den Wahlkampf.

Die Stimmung ist ohnehin aufgeheizt. Vor einer Woche wurde in der mittelitalienischen Provinzstadt Macerata die zerstückelte Leiche einer 18-Jährigen gefunden. Als mutmaßliche Täter wurden mehrere Nigerianer festgenommen. Ein paar Tage danach fuhr ein 28-Jähriger durch Macerata und schoss mit einer Pistole aus seinem Auto auf mehrere Schwarze, um den Mord zu "rächen". Dabei verletzte er sechs Menschen.

"Immerhin verdanken wir den Alten Ägyptern dieses Museum"

Dass Politiker versuchen, diese gefährlich erhitzte Gemütslage zu ihren Gunsten zu nutzen, hat auch damit zu tun, dass die Wahlprogramme aus nicht viel mehr als schwer umsetzbaren Versprechen zusammengeflickt sind. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Die einen versprechen eine Flat Tax von 15 Prozent, die anderen ein Mindesteinkommen für alle. Doch laut Umfragen erreicht man die Italiener damit nicht mehr.

Für die Parteien von rechts ist eine Initiative wie die des Ägyptischen Museums daher offenbar mehr als willkommen. Giorgia Meloni, die Vorsitzende der nationalkonservativen Partei Fratelli d'Italia, einer Partei aus dem Bündnis von Silvio Berlusconi, machte bei einem Wahlkampfaufenthalt in Turin auch einen Abstecher zum Museum. Dort dröhnte sie in ein Sprachrohr, die Initiative des Museums diskriminiere Italiener.

Christian Greco kam dann persönlich auf die Straße und erklärte Meloni, das habe nichts mit Diskriminierung zu tun. "Wir wollen nur jenen Ägyptern, die in ihrer Heimat diese Schätze nicht sehen konnten, die Möglichkeit bieten, sie zu besichtigen." Außerdem stimme es nicht, dass das Museum von öffentlichen Fördermitteln profitiere. Es gehöre nämlich einer privaten Stiftung, weswegen ihn der Staat auch nicht fristlos entlassen könne, wie Meloni verlangt hatte.

In den 1950er und 60er Jahren waren es die Süditaliener, die zu Hunderttausenden nach Norditalien, vornehmlich nach Turin kamen. Man hoffe auf einen Arbeitsplatz in Italiens Automobilfabrik Fiat. Heute sind es Ausländer, die kommen, auch wenn Fiat-Chrysler mittlerweile nach Detroit umgezogen ist. Der Großteil der Zuwanderer kommt aus der EU, 25 Prozent aus Afrika. Auch deswegen hat Greco, der das Museum seit 2014 leitet, im Zuge der Neuausstattung dafür gesorgt, dass die Exponate auch auf Arabisch beschriftet werden. "Immerhin verdanken wir den Alten Ägyptern den Bestand dieses Museums. Und deshalb wollen wir auch, dass sich unsere ägyptischen Mitbürger darin zurechtfinden", erklärte er damals. Dass Meloni jetzt daraus ein Politikum mache, finde er absolut unangebracht.

Quelle: n-tv.de