Politik
Die "Süddeutsche Zeitung" hat sich von ihrem langjährigen Karikaturisten Dieter Hanitzsch getrennt.
Die "Süddeutsche Zeitung" hat sich von ihrem langjährigen Karikaturisten Dieter Hanitzsch getrennt.(Foto: dpa)
Donnerstag, 17. Mai 2018

Vorwurf des Antisemitismus: "Süddeutsche" wirft Karikaturist raus

Seit vielen Jahren zeichnet Dieter Hanitzsch politische Karikaturen für die "Süddeutsche Zeitung". Dann löst eine Zeichnung enorme Proteste aus. Der Zeichner wird rausgeworfen. Antisemitismus-Vorwürfe weist er zurück.

Nach dem Wirbel um eine als antisemitisch kritisierte Karikatur hat sich die "Süddeutsche Zeitung" vom bekannten Zeichner Dieter Hanitzsch getrennt. "Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind", teilte die "SZ"-Chefredaktion mit. "Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt."

Die "SZ" werde ihre redaktionsinternen Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen überprüfen und gegebenenfalls verändern. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte der 85-Jährige: "Ich bereue die Karikatur nicht." Es tue ihm aber leid, wenn sich jemand verletzt fühle. Er werde versuchen, die Karikatur zu erklären und seinen Standpunkt darzustellen. "Ich fühle mich aber nicht schuldig", sagte Hanitzsch dem RND. Vergleiche mit dem NS-Propagandablatt "Stürmer" seien eine "üble Verleumdung" und ein "unsäglicher, unglaublicher Vorwurf", sagte Hanitzsch. Er sei kein Antisemit.

Die "SZ" hatte in der Dienstagsausgabe eine Karikatur gedruckt, die Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der israelischen Eurovision-Song-Contest-Siegerin Netta mit einer Sprechblase "Nächstes Jahr in Jerusalem!" und einer Rakete in der Hand zeigt. Auf der Rakete ist ein Davidstern abgebildet, im Schriftzug "Eurovision Song Contest" ersetzt ein Davidstern das "v". Der Davidstern steht als Symbol für das Volk Israel und das Judentum.

An der Karikatur wurde rasch scharfe Kritik laut, einige sahen sie als antisemitisch an. "SZ"-Chefredakteur Wolfgang Krach bezeichnete die Veröffentlichung später als "Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten".

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Quelle: n-tv.de