Politik

Dschihadisten exekutieren Geiseln und fliehen Rebellen stürmen Isis-Zentrale in Aleppo

Nach tagelangen Kämpfen muss die Isis-Gruppe in Aleppo ihr Hauptquartier räumen. Vorher bringen die Dschihadisten rund 50 ihrer Geiseln um: Rebellen, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

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Die Isis-Kämpfer haben ihre Geiseln umgebracht, bevor ihr Hauptquartier von anderen Rebellengruppen überrannt wurde.

(Foto: REUTERS)

In der nordsyrischen Provinzmetropole Al eppo haben Rebellengruppen verschiedener Brigaden nach übereinstimmenden Medienberichten das Hauptquartier der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) eingenommen. Die Kämpfer sollen die Kontrolle über das Kinderkrankenhaus im Stadtteil Kadi Askar erlangt haben, in dem sich die Isis-Zentrale befand.

Nach der Erstürmung wurden Leichen gefunden, die Zeichen gezielter Exekutionen aufwiesen. Fotos aus dem Innenhof des Krankenhauses zeigen viele Tote, zum Teil an den Händen gefesselt. Von rund 50 toten ehemaligen Geiseln ist die Rede, darunter nicht-islamistische Aktivisten der syrischen Opposition, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Laut eines oppositionellen Syrischen Jounalistenverbandes, der in Aleppo den freien Fernsehsender "Schada al-Hurriya" betreibt, sind unter den Getöteten allein vier junge Journalisten, die für den Sender gearbeitet hatten. Rund 300 Geiseln haben nach Angaben via Twitter von Aktivisten aus Syrien überlebt und wurden befreit.

Viele der Isis-Kämpfer sollen bei der Schlacht getötet worden sein. Angeblich haben die restlichen Isis-Mitglieder die Stadt verlassen und ihre verbliebenen Stützpunkte an die Al-Nusra-Front übergeben. Diese ist eine Art Schwesterorganisation der Isis, allerdings gibt es zwischen den Anführern Streit um den jeweiligen Aktionsradius der beiden Al-Kaida-Ableger.

Rebellen verbünden sich gegen Isis

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Rebellengruppen gemeinsam eine Offensive gegen die Isis gestartet. Zunächst behielten jedoch die Dschihadisten die Oberhand. Am Montagabend brachten die Kämpfer der Organisation dann in dem Krankenhaus Dutzende ihrer Gefangenen um. Am Dienstag hatte die Isis in einer über dschihadistische Webseiten verbreiteten Audiobotschaft dann zur "Vernichtung" der gegen sie kämpfenden Aufständischen in Syrien aufgerufen. "Keiner von Euch wird überleben", hieß es an die gegnerischen Rebellen gerichtet.

In der Provinz Idlib südwestlich von Aleppo bereiten sich Rebellenbrigaden laut der syrischen Menschenrechtsbeobachter in London nun darauf vor, auch den zentralen Isis-Stützpunkt in der Ortschaft Al-Dana zu stürmen. Die Regierungstruppen warfen nach Angaben der Organisation über Hochburgen der Rebellen in den Provinzen Latakia, Damaskus-Land und Hama Sprengstoff-Fässer ab.

100.000 bewaffnete Islamisten

Die Isis-Kämpfer haben in Syrien in den vergangenen Monaten große Geländegewinne gemacht. Die Extremisten sind in dem Bürgerkriegsland jedoch unwillkommen, da dort bereits Hunderte Islamistengruppen um Einfluss konkurrieren. Inzwischen bekämpft die Freie Syrische Armee nicht nur die Truppen des Assad-Regimes, sondern auch die vorrückenden Islamisten. Von der FSA ist jedoch ein Teil der Kämpfer an genau jene Gruppen übergelaufen, weil diese sich dort schnelleren Erfolg erhofften und auf der Siegerseite stehen wollten.

Die verschiedenen radikal-islamistischen Gruppen bekämpfen sich zudem inzwischen gegenseitig. Nach Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sind in Syrien rund 200 radikalislamische Gruppen mit 100.000 Männern unter Waffen aktiv. 20.000 Kämpfer werden Gruppen zugeordnet, die sich zu Al-Kaida bekennen. Dazu gehören neben Isis auch die in Syrien aktive Al-Nusra-Front mit geschätzten 15.000 Mann. Aufseiten der Isis kämpfen laut FAZ vermutlich 7.000 Dschihadisten, allerdings verteilen sich diese auf das Staatsgebiet von Irak und Syrien.

Quelle: ntv.de, mit AFP/dpa