Politik

Türkische Invasion befürchtet Syrische Kurden bitten Europäer um Schutz

99671209.jpg

In Afrin gedenken Kurden im Kampf mit der Türkei gefallener Soldaten.

(Foto: picture alliance / -/kyodo/dpa)

Im Kampf gegen den Islamischen Staat waren die syrischen Kurden dem Westen wichtige Verbündete. Nun ist der IS zwar fast geschlagen, den Kurden aber droht ein neuer Konflikt - mit der Türkei. Sie appellieren an Europas "moralische Verpflichtung".

Die syrischen Kurden haben die Europäer aufgerufen, sie nach dem absehbaren Ende des Kampfs gegen die Dschihadistenmiliz IS nicht im Stich zu lassen und sie gegen die Türkei zu beschützen. "Diese Länder haben eine politische und moralische Verpflichtung", sagte der einflussreiche Kurdenvertreter Aldar Chalil. "Wenn sie zu dieser nicht stehen, lassen sie uns im Stich."

Chalil rief insbesondere das UN-Sicherheitsratsmitglied Frankreich auf, sich nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien für die Entsendung einer internationalen Schutztruppe einzusetzen. "Frankreich kann im Sicherheitsrat einen Vorschlag für unseren Schutz machen: Es kann eine internationale Truppe zwischen uns und den Türken vorschlagen, an der es sich beteiligen würde, oder um unseren Luftraum zu schützen", sagte Chalil.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) werden im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bisher von der internationalen Anti-IS-Koalition mit Waffen und Luftangriffen unterstützt. Die USA und Frankreich haben zudem eigene Spezialkräfte entsandt, doch hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, nach dem Sieg über die Dschihadisten alle 2000 US-Soldaten abzuziehen.

Auch Flugverbotszone denkbar

Die syrischen Kurden befürchten, dann schutzlos einem Angriff der Türkei ausgesetzt zu sein. Die Türkei betrachtet die Kurdenmiliz YPG als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Ankara ist bereits wiederholt in Nordsyrien gegen die YPG vorgegangen und droht seit Monaten mit einer erneuten Militärintervention östlich des Euphrat.

Chalil schlug vor, in Nordsyrien in einer 30 Kilometer breiten Zone entlang der türkischen Grenze eine internationale Schutztruppe zu stationieren. Der Vertreter der kurdischen Verwaltung in Nordsyrien verwies als Vorbild auf die UN-Blauhelmtruppe, die im Südlibanon an der Grenze zu Israel stationiert ist. Die Europäer haben jedoch Vorschläge der USA zur Entsendung einer "Beobachtermission" für Nordsyrien bereits abgelehnt.

Laut Chalil wäre auch eine Flugverbotszone in Nordsyrien denkbar, um die Kurden vor der Türkei zu schützen. "Wenn der Luftraum geschützt ist, könnte die Türkei uns nicht vernichten, selbst wenn sie uns angreift", sagte Chalil.

Ohne Europäer bliebe nur Assad

Sollten die Europäer ihnen nicht zu Hilfe kommen, warnte er, wären die Kurden gezwungen, sich an Machthaber Baschar al-Assad zu wenden, "damit er Streitkräfte an die Grenze schickt und sie beschützt". Der Kurdenvertreter betonte aber, die Truppen sollten aus der Region stammen. "Sie wären Teil der Hierarchie der syrischen Armee, doch wären es unsere Einheiten", sagte Chalil. Das Ziel der Kurden sei die Wahrung ihrer Autonomie, auch wenn sie akzeptieren würden, dass die syrische Flagge wieder in ihrer Region gehisst werde und sie einen Teil der Zolleinnahmen und der Einkünfte aus den Ölfeldern an Damaskus abgeben.

Die Assad-Regierung hat aber in Verhandlungen nennenswerte Zugeständnisse an die Kurden abgelehnt. Assad betonte in einer Ansprache am Sonntag erneut, dass er ganz Syrien wieder unter seine alleinige Kontrolle bringen wolle. Nur die syrische Armee könne Schutz vor einer Militäroffensive der Türkei bieten, sagte er. Wenn die Kurden nicht den Schutz der Armee suchten, würden sie als "Sklaven der Ottomanen" enden.

Quelle: n-tv.de, shu/AFP