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Entführung vor dem Opferfest Taliban verschleppen Hunderte Menschen

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Taliban-Kämpfer bei der Ausbildung in der Provinz Farah (Archivbild).

(Foto: picture alliance / Ho/Planet Pix)

Etwa 300 bis 400 Menschen fahren in Bussen in die afghanische Hauptstadt Kabul. In der Provinz Kundus werden die Fahrzeuge von Taliban-Kämpfern gestoppt. Derweil lehnen die Taliban die von Präsident Ghani angebotene Waffenruhe ab.

Einen Tag nach der Ankündigung einer Waffenruhe durch den afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani haben Kämpfer der radikal-islamischen Taliban in der Provinz Kundus drei Busse gestoppt und zahlreiche Insassen entführt. Ein Sprecher des Provinzgouverneurs sagte, die Busse seien auf der Fahrt von der Provinz Takhar in die Hauptstadt Kabul angehalten worden. Die Taliban hätten den Passagieren befohlen auszusteigen und sie dann an einen unbekannten Ort verschleppt.

Ein Angehöriger des Provinzrats von Kundus sagte, wegen des bevorstehenden islamischen Opferfestes seien die Busse mit etwa 300 bis 400 Menschen sehr voll gewesen. Ein Sprecher der Islamisten sagte, die Busse seien angehalten worden, nachdem es Informationen gegeben habe, dass sich auch Sicherheitskräfte an Bord befänden. An einem sicheren Ort würden die Papiere der Passagiere überprüft, um Sicherheitskräfte zu identifizieren, sagte der Taliban-Sprecher. Die Zivilisten würden dann bald freigelassen.

Taliban-Führer lehnt Waffenruhe ab

Erst am Sonntag hatte Präsident Ghani trotz der zuletzt heftigen Kämpfe um die Stadt Ghasni eine Waffenruhe mit den Taliban angekündigt. Diese sollte am Montag beginnen und so lange dauern, wie ihn die Taliban bewahrten, hatte er erklärt.

Die Taliban lehnen die Waffenruhe während des Opferfestes ab. Vertreter der Islamisten erklärten, der oberste Anführer der Taliban, Scheich Haibatullah Achunsada, habe angeordnet, dass der Kampf gegen die  Regierung fortgesetzt werde.

Treffen zu Afghanistan in Moskau?

Derweil plant Russland für Anfang September ein Treffen zum Afghanistan-Konflikt, zu dem auch die Taliban eingeladen sind. Das sagte der russische Sondergesandte für Afghanistan, Samir Kabulow, der Agentur Interfax zufolge. Die Konferenz solle am 4. September in Moskau stattfinden und gehöre "zu den Bemühungen, einen Prozess der nationalen Versöhnung in Afghanistan in Gang zu bringen".

Genaue Angaben zur Beteiligung der Taliban machte Kabulow nicht. Der afghanische Botschafter in Moskau, Abdul Kajum Kotschai, sagte indes, er rechne mit ihrer Teilnahme. Zwischen Russland und den Taliban hätten sich zuletzt gute Kontakte ergeben. Seiner Darstellung nach hofft Moskau darauf, dass die Taliban gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgehen, die nach ihren Niederlagen in Syrien und dem Irak nach Afghanistan ausgewichen ist.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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