Katar macht Iran verantwortlichTanker droht nach Angriff nahe Straße von Hormus zu explodieren

In den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran tritt Katar als Vermittler auf. Nun meldet das Land einen Angriff auf einen seiner LNG-Tanker. Insidern zufolge droht das Schiff zu explodieren.
In der Nähe der Straße von Hormus droht nach einem mutmaßlich iranischen Angriff ein katarischer Flüssigerdgas-Tanker zu explodieren. Neben dem mit Flüssiggas (LNG) beladenen Tanker "Al Rekayyat" wurde Insidern zufolge auch ein saudi-arabischer Rohöltanker beschädigt. Die "Al Rekayyat" drohe zu detonieren, da im Maschinenraum Feuer ausgebrochen sei, sagten Insider. Der Tanker sei evakuiert und die Besatzung in Sicherheit gebracht worden.
Die Regierung von Katar machte den Iran für den Angriff auf den LNG-Tanker verantwortlich. Die Führung in Teheran äußerte sich nicht dazu. Es ist das erste Mal seit Beginn des von den USA und Israel Ende Februar begonnenen Krieges gegen den Iran, dass ein Schiff des Golfemirats Katar getroffen wurde - Katar tritt als Vermittler in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auf.
Die "Al Rekayyat" wurde den Insidern zufolge in der Nacht zum Dienstag getroffen, als sie die Straße von Hormus passieren wollte, und setzte darauf einen Notruf ab. "Mayday, Mayday, Mayday. Hier spricht das Schiff 'Al Rekayyat', das LNG-Schiff 'Al Rekayyat'. Wir werden an Backbord, oberhalb des Maschinenraums, von einer Drohne getroffen", sagte der Kapitän des Tankers in einem aufgezeichneten Funkspruch, der Reuters vorliegt. "Status: Maschinenraum brennt und voller Rauch. Nicht in der Lage, weitere Schäden abzuschätzen."
"USA geben Erlaubnis zur Durchfahrt"
Ein Sprecher des Außenministeriums von Katar sagte, der Angriff auf die "Al Rekayyat" stelle eine inakzeptable Aggression gegen die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und der weltweiten Energieversorgung dar. Dies sei ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht. Katar fordere den Iran dringend auf, sein Vorgehen, das die regionale Sicherheit und die Schifffahrt gefährdete, unverzüglich einzustellen. Der Iran trage die volle rechtliche Verantwortung für den Angriff und alle daraus resultierenden Schäden und Folgen.
Ein Vertreter der USA, der anonym bleiben wollte, erklärte, es gebe Anzeichen dafür, dass zwei Handelsschiffe vom Iran beschossen worden seien. Bei dem zweiten Schiff, einem unter saudi-arabischer Flagge fahrenden Rohöltanker, handelt es sich Sicherheitskreisen aus der Schifffahrt zufolge vermutlich um den Supertanker "Wedyan". Die "Al Rekayyat" gehört der Qatar Gas Transport Company (Nakilat), die "Wedyan" der saudi-arabischen Reederei Bahri. Die Unternehmen äußerten sich zunächst nicht dazu.
In einem separaten Vorfall wurde am Dienstag ein unter liberianischer Flagge fahrender Flüssiggas-Tanker – vermutlich die "Al Maryah" – von iranischen Sicherheitskräften angewiesen, seinen Kurs zu ändern und sich der iranischen Küste zu nähern. Die Vorfälle nährten Sorgen an den Märkten. Die Raten für Rohöltanker zogen wieder an, wie aus Schifffahrtskreisen verlautete. Die durchschnittlichen Tagesraten für die Beladung eines Schiffes im Golf erreichten fast 300.000 Dollar pro Tag. Die Zahl der Schiffe, die die Meerenge passierten, war am Dienstagmorgen einer Analyse von Kpler zufolge mit sieben deutlich geringer als die 25 vom Montag.
Die Angriffe unterstreichen die anhaltenden Risiken für die Schifffahrt in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für den weltweiten Energietransport. Dies gilt trotz der Bestimmungen für eine sichere Durchfahrt, die in einem Interimsabkommen zwischen den USA und dem Iran enthalten sind. "Wenn wir jetzt die zu 100 Prozent sicheren iranischen Gewässer nutzen, bedeutet das, dass wir mit den Iranern verhandeln und zugeben, dass die Meerenge unter ihrer Kontrolle steht. Wenn wir den von den USA und dem Oman kontrollierten Kanal passieren, wird man getroffen", sagte einer der Insider. "Die USA geben einem die Erlaubnis zur Durchfahrt, aber wenn auf dem Weg etwas passiert, sagen sie: 'Es ist Ihre Entscheidung, weiterzufahren oder umzukehren'."