Politik

Austeilen gegen alle Trump arbeitet hart für Putins Erfolg

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Donald Trump und Wladimir Putin vor Beginn ihres Vieraugengesprächs.

(Foto: REUTERS)

Gegen die Nato, gegen die EU, gegen Großbritannien und schließlich gegen die eigene Nation: US-Präsident Trump arbeitet fleißig am Erfolg des russischen Präsidenten Putin. Der kommt tiefenentspannt zum Treffen in Helsinki.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Donald Trump noch nicht einmal getroffen und dennoch schon eine Menge von dem erreicht, was er sich von dem Treffen in Helsinki erhofft haben dürfte. Dafür hat der US-Präsident in den vergangenen Tagen viel getan. Er hat seine Nato-Partner vor den Kopf gestoßen, seinen wichtigsten Verbündeten in Europa, Großbritannien, verprellt und schafft es am Morgen vor dem Treffen sogar noch, die eigene Nation vorzuführen. Trump schafft Putin ein Szenario, das ihm gefallen wird. Und Putin? Nachdem die Welt auf die friedliche Fußball-WM in Russland geblickt hat, kommt er ganz entspannt aus Moskau angereist.

Denn er dürfte es schon als Erfolg verbuchen, wenn das Treffen mit Trump einigermaßen reibungslos abläuft. Würde Trump symbolisch auf Putin zugehen, könnte das für den Kreml den Anfang vom Ende der Isolation Russlands bedeuten. Die Annexion der Krim, der Krieg in der Ostukraine, die Verflechtungen Russlands im US-Wahlkampf, die Syrien-Politik, die Nowitschok-Attacken in England - Russland hat in den vergangenen Jahren den Westen offen herausgefordert. Sollte Trump so etwas sagen wie "Das ist Vergangenheit, schauen wir nach vorn", hätte Putin extrem viel erreicht.

Trump und Putin ziehen an einem Strang

Trump hat offengelassen, was er von dem Treffen erwartet. Nur so viel: nicht all zu viel. "Ich gehe mit geringen Erwartungen hinein, nicht mit hohen Ansprüchen", sagte er in einem Interview vor dem Gipfel. Wie stark sich Trump auf das Gespräch mit Putin vorbereitet hat, ist unklar. Er hat die Zeit vor dem Treffen auf einem seiner Golfplätze in Schottland verbracht. Vor dem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un war das übrigens ähnlich. Er sagte damals, er müsse sich nicht vorbereiten, es gehe um die Grundhaltung. Das Treffen endete mit freundlichen Gesten und substanzlosen Absichtserklärungen - und einer beispiellosen Aufwertung des Regimes in Pjöngjang.

Der mächtigste Politiker der Allianz zwischen Nordamerika und Westeuropa teilt derzeit massiv intern aus. Vieles spricht dafür, dass Russland den Westen mit Hacker-Attacken, Desinformationskampagnen und der Unterstützung von rechten Gruppierungen destabilisieren will. US-Präsident Donald Trump geht in eine ganz ähnliche Richtung: Er greift regelmäßig führende europäische Politiker an und löst einen Handelsstreit, möglicherweise einen Handelskrieg in dem traditionell freundschaftlichen transatlantischen Verhältnis aus. Sie ziehen gewissermaßen an einem Strang.

Trump schafft, wozu die UdSSR nicht in der Lage war

Beim Nato-Treffen dann polterte Trump erneut gegen seine Militärpartner in Europa, drängte zu höheren Verteidigungsausgaben und drohte letztlich mit einem Bruch der Allianz. Für Russland, dessen größter geopolitischer Gegner die Allianz ist, dürfte es sich wie ein Beinahe-Triumph angefühlt haben. Am Ende gab sich der US-Präsident zwar wieder versöhnlich, betonte, wie stark die Allianz sei. Dennoch: Die Nato macht nach dem Treffen in Brüssel einen instabilen, zerstrittenen Eindruck.

Ähnliches ließ sich während seines Staatsbesuchs in Großbritannien beobachten. Noch bevor er Premierministerin Theresa May überhaupt traf, kritisierte Trump in einem Interview ihre Brexit-Pläne und sagte, dass er ihren zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson für den besseren Premier hält. Später sollen es dann wieder die von ihm verhassten Journalisten gewesen sein, die "Fake News", die alles falsch dargestellt hätten. Das Interview lässt sich allerdings auf der Seite der "Sun", mit der Trump gesprochen hat, nachhören. Es stimmt, was das Blatt schreibt.

Trump teilt aus gegen die EU, gegen die Nato und gegen den engsten Verbündeten in Europa - Großbritannien. Und am Morgen vor dem Treffen mit Putin teilt er sogar gegen das eigene Volk aus.  "Unsere Beziehungen mit Russland waren NIEMALS schlechter wegen der vielen Jahre der Torheit und Dummheit der USA", schrieb er am Morgen bei Twitter. Die "Hexenjagd" des US-Sonderermittlers Robert Mueller sei zudem verantwortlich für die schlechten Beziehungen. "Wir sind Zeuge einer erstaunlichen Entwicklung, etwas, das selbst die Sowjetunion nicht erreichen konnte: die USA und Westeuropa zu teilen. Es hat damals nicht funktioniert, aber es scheint mit Mr. Trump zu funktionieren", sagte dazu etwa Tatjana Parkhalina, Präsidentin der Russischen Gesellschaft für euro-atlantische Zusammenarbeit, im russischen Staatsfernsehen.

Quelle: n-tv.de

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