Libanon, Hormus, MAGATrump bekommt Gegenwind aus eigenem Lager - Kritik an Netanjahu
Von Volker Petersen
Nach der Waffenruhe im Iran fliegt Israel weiter Attacken auf die Hisbollah im Libanon. Der Iran schließt die Straße von Hormus vorerst wieder. Eigentlich Trump-nahe Kommentatoren kritisieren den Präsidenten und schießen sich auch auf Netanjahu ein.
Hört man US-Präsident Donald Trump zu, ist jetzt alles wieder gut: Die Straße von Hormus steht weit offen, vielleicht erheben die Amerikaner sogar gemeinsam mit den Iranern Gebühren für die Passage. Warum nicht? In der Trump-Welt scheint alles möglich, was sich dem "sehr stabilen Genie" an der Spitze - so bezeichnete sich Trump einst selbst - in den Sinn kommt.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Israel hält sich nicht an die Waffenruhe, wie sie der pakistanische Premierminister Shebaz Sharif verkündet hatte. Demnach sollte Israel auch seine Angriffe auf die Hisbollah im Libanon einstellen. Der Iran beruft sich genau darauf und hat deswegen die Straße von Hormus vorerst wieder geschlossen. Trump und sein Vize JD Vance gaben Israels Premier Benjamin Netanjahu zwar Rückendeckung - aber die Hormus-Einigung wackelt schon wieder.
Netanjahu verkompliziert damit die Lage so sehr, dass er zur Belastung für Trump werden könnte. Vor allem in der für den US-Präsidenten entscheidenden Arena: der Innenpolitik. In Umfragen halten die Republikaner zwar mit großer Mehrheit zum US-Präsidenten, doch der Krieg gegen den Iran war von Anfang an unpopulär. Unter der Oberfläche rumort es schon seit einiger Zeit.
Rechte Kommentatoren rücken ab
Der Bruch der einst schrillen Trump-Unterstützerin Marjorie Taylor Greene mit ihrem einstigen Idol war nur ein Indiz dafür. Zaghafte, vorsichtige Kritik an Trump von republikanischen Abgeordneten und Senatoren ein Weiteres. Gerade erst trug die "New York Times" etliche kritische Stimmen auf Trumps Netzwerk "Truth Social" zusammen, wo sich Fans aus der Make-America-Great-Again-Bewegung (MAGA) tummeln.
Aber auch in der einflussreichen Szene der rechten bis rechtsextremen Radio-, Fernseh- und Podcast-Kommentatoren regt sich teils heftige Kritik an Trump und Netanjahu. Stimmen wie Tucker Carlson, Megyn Kelly oder auch Alex Jones kritisieren Trump deutlich oder rücken sogar von ihm ab. Das ist bemerkenswert, da diese Figuren immer auch eine Art Propaganda-Arm seines Machtsystems waren.
Dabei klingt die deutliche Kritik von Republikanern an der israelischen Regierung ungewohnt - sie stehen seit jeher fest an der Seite Israels. Kritik am Vorgehen Netanjahus war bislang vor allem bei den Demokraten zu finden, insbesondere bei Studenten, die gegen den Gaza-Krieg protestierten. Wobei manche der nun Netanjahu kritisierenden Republikaner sehr, sehr weit rechts stehen. Möglicherweise bricht sich da ein ganz alter Antisemitismus Bahn, der Rechtsextreme schon immer ausgemacht hat.
Carlson, Kelly, Jones
So bezeichnete der vielen als rechtsradikal geltende Kommentator und frühere Fox-News-Moderator Carlson die Auseinandersetzung mit dem Iran als "Israels Krieg". Nach Trumps Ultimatum an das Mullah-Regime und seiner Drohung, es zu vernichten, rief er Militärs auf, entsprechende Befehle zu verweigern. Auf seinem Youtube-Kanal sagte er am Dienstag, die USA hätten "wahrscheinlich" eine Niederlage im Iran erlitten und sagte, es habe keinen Regime-Wechsel gegeben, wie Trump behauptete.
"Amerikaner sind gestorben, Amerikaner sind ärmer geworden, Amerika ist schwächer geworden", sagte er. Der Waffenstillstand sei dennoch ein "Gewinn", weil er "totalen Krieg" vermieden hätte. Israel gefährde diese Waffenruhe aber wieder mit seinen Angriffen auf die Hisbollah im Libanon. Israel habe Christen im Libanon "die Hölle" gebracht.
Megyn Kelly, ebenfalls frühere Fox-News-Moderatorin, kritisierte den Krieg, Trump und Netanjahu heftig. Die USA hätten "wieder und wieder" die Lektion gelernt, dass sie im Nahen Osten mit ihren Bombern keinen Frieden schaffen könnten. Das Problem seien die aufständischen Gruppierungen, denen man nicht mit Flugzeugträgern beikomme. In der Sendung "Piers Morgan Uncensored" fragte sie am Mittwoch empört, warum Trump ohne jeden Zweifel geglaubt habe, was "dieser Typ verkaufte".
Womit sie Netanjahu meinte, der Trump vor dem Iran-Krieg offenbar mittels einer Präsentation im Weißen Haus von der vermeintlichen Notwendigkeit des Waffengangs überzeugte. Am nächsten Tag hätten ihn der Generalstab der US-Armee, Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance davon abbringen wollen. Die "New York Times" berichtete allerdings unter Berufung auf Insider-Quellen, lediglich Vance habe eindeutig gegen den Krieg Stellung bezogen. Kelly wies Trumps Behauptung als unsinnig zurück, es habe einen Regime-Wechsel gegeben. Trump sei zu gutgläubig gewesen, um die "Lügen" Netanjahus zu durchschauen.
Alex Jones, ein rechtsradikaler, für seine Lügen vorbestrafter Kommentator und Verschwörungserzähler sagte, Trump sei "am Ende". Jones beschuldigte Netanjahu, Trump manipuliert zu haben und die USA als Sturmtruppe für eigene Ziele zu nutzen. Jones forderte sogar die Absetzung Trumps über ein Impeachment-Verfahren nach Artikel 25 der US-Verfassung. Der greift beispielsweise dann, wenn der amtierende Präsident gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, das Amt auszuüben. Diese Forderung erhob auch die einstige Abgeordnete Taylor Greene, die schon Trumps Vernichtungsdrohung gegen den Iran als "bösartig" bezeichnet hatte.
Alarmsignal für Trump
In den Äußerungen von Carlson, Jones und Kelly schimmern durchaus antisemitische Klischees durch: Der jüdische Politiker als lügender und manipulierender Strippenzieher, der Christen töten lässt. Trump wirkt da fast schon wie ein Opfer, auch wenn beispielsweise Kelly ihn ausdrücklich nicht aus der Verantwortung entließ und auch die anderen Kommentatoren Trump nicht gegenüber Netanjahu in Schutz nahmen.
So ist die Kritik dieser rechten Kommentatoren ein Alarmsignal für Trump. Auch deswegen, weil diese Persönlichkeiten immer auch Medienunternehmer in eigener Sache sind. Wenn sie von Trump abrücken, könnte das auch bedeuten: Sie glauben, dass sie damit ihren Zuschauern aus dem Herzen sprechen - und das sind Millionen von Amerikanern.