Politik

Mehr als 200 Tote gemeldetSchwerste israelische Angriffe seit Kriegseintritt der Hisbollah erschüttern Beirut

09.04.2026, 12:15 Uhr
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Völlige Zerstörung in einer Straße der libanesischen Hauptstadt. (Foto: picture alliance / TASS)

Die Vereinigten Staaten und Iran einigen sich auf eine Waffenruhe. Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah gehen derweil weiter. Aus Beirut wird von massiven Attacken mit vielen Toten berichtet. Auch Zivilisten sollen ums Leben gekommen sein.

Libanons Hauptstadt Beirut ist am Tag der Waffenruhe-Einigung zwischen den USA und dem Iran von den heftigsten israelischen Angriffen seit dem Kriegseintritt der proiranischen Hisbollah erschüttert worden. Libanons Regierungschef Nawaf Salam erklärte den Tag nach den Angriffen mit mehr als 200 Toten zum nationalen Trauertag. Laut US-Präsident Donald Trump erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte Feuerpause nicht auf den Libanon. International wurden die Angriffe scharf verurteilt, die Hisbollah feuerte derweil erneut Raketen auf Israel.

Nach mehreren zeitgleichen Angriffen auf Viertel in Beirut am Mittwochnachmittag flog die israelische Armee libanesischen Staatsmedien zufolge auch am Abend Angriffe, darunter auf ein Gebäude im Gebiet Tallet El-Chajat. Dort stürzte nach Angaben eines AFP-Fotografen ein Wohngebäude teilweise ein. Libanesischen Staatsmedien zufolge griff Israel am Abend auch die als Hisbollah-Hochburgen geltenden südlichen Vororte von Beirut an.

Das libanesische Gesundheitsministerium meldete einen Tag später mindestens 203 Tote und mehr als 1000 Verletzte. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer "für die Märtyrer und Verwundeten der israelischen Angriffe", die sich "gegen Hunderte unschuldige, wehrlose Zivilisten" gerichtet hätten. Öffentliche Verwaltungen sollten geschlossen und Flaggen auf halbmast gesetzt werden.

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Menschen begutachten Schäden an einem Gebäude. (Foto: picture alliance / TASS)

Israel will Überraschungsangriff gelungen sein

Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz hatten die israelischen Streitkräfte am Vortag landesweit "einen Überraschungsangriff auf Hunderte Hisbollah-Mitglieder ausgeführt". Es sei "der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation 'Beepers' erlitten hat", sagte Katz am Mittwoch. Er bezog sich dabei auf von Israel organisierte Angriffe im Jahr 2024, bei denen Pager und Walkie-Talkies hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon explodierten und viele von ihnen töteten.

Unterdessen erklärte die israelische Armee, dass sie bei den Angriffen auf Hisbollah-Ziele am Vortag auch einen engen Berater des Hisbollah-Chefs Naim Kassem getötet habe. Ali Jussuf Harschi, Kassems persönlicher Sekretär und Neffe, wurde demnach am Mittwoch in Beirut getötet.

Die Hisbollah feuerte derweil nach eigenen Angaben wieder zahlreiche Raketen auf Israel. Sie begründete die Angriffe am Donnerstagmorgen mit den israelischen Luftangriffen am Vortag.

Die Hisbollah ist Teil der vom Iran angeführten "Achse des Widerstands", deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist. Die Miliz hatte als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei am 2. März Raketen auf Israel abgefeuert und damit den Libanon in den Iran-Krieg hineingezogen. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Quelle: ntv.de, rog/AFP

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