Politik

Treffen nach Schul-Massaker Trump braucht Empathiezettel

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Gut vorbereitet: Trump beim Treffen mit Angehörigen nach dem Schulmassaker von Parkland.

(Foto: dpa)

Für US-Präsident Trump ist es ein heikler Termin. Im Weißen Haus kommt er mit Überlebenden des jüngsten Schul-Massakers und Eltern von Opfern zusammen. Um nichts falsch zu machen, hat er sich vorbereitet.

Von Anfang an war klar: Es wird kein einfacher Termin, wenn sich US-Präsident Donald Trump mit Überlebenden des High-School-Massakers von Parkland trifft. In der Runde im Weißen Haus saßen am Mittwoch Schüler, die selbst Todesängste ausgestanden hatten, und Eltern erschossener Kinder. Doch Trump hatte sich auf den heiklen Termin vorbereitet - mit einem Zettel, der ihn an die richtigen Worte erinnern sollte.

Auf Fotos des Treffens ist zu sehen, wie der Präsident ein Blatt mit dem Logo des Weißen Hauses in seinen Händen hält. Auf diesem sind mehrere Punkte notiert, von denen vier gut lesbar sind. Unter dem letzten Punkt steht: "I hear you", "Ich höre euch zu" - die Minimalanforderung an Kommunikation und grundlegender Ausdruck von Mitgefühl.

Unter den anderen Punkten stehen einige Fragen des Präsidenten. "Was ist das Wichtigste, was ich über eure Erfahrungen wissen muss?", heißt es unter Punkt eins. Dann folgt: "Was können wir tun, damit ihr euch sicher fühlt?" Punkt vier lautet: "Ressourcen, Ideen?"

Dass sich Trump überhaupt auf diesen Termin eingelassen hat, ist wohl dem wachsenden Druck nach dem letzten Amoklauf geschuldet. Am Valentinstag erschoss ein 19-Jähriger in Florida 14 Schüler und 3 Lehrer mit einem Sturmgewehr, einem AR-15. Das Massaker von Parkland war nur eine von unzähligen Schießereien, die das Land in erschütternder Regelmäßigkeit heimsuchen. Bereits davor kamen in diesem Jahr bei Schießereien in Schulen laut einer Statistik der "New York Times" sechs Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend wurde verletzt.

Die Wut wächst

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Doch während gemeinhin nach einigen Tagen der ritualisierten Trauer die Empörung wieder verfliegt, bricht sich diesmal die Wut Bahn: Im ganzen Land rufen Jugendliche inzwischen zu Protesten auf, Tausende unterzeichnen eine Online-Petition gegen Waffengewalt. Selbst Waffenbesitzer zerstören öffentlichkeitswirksam ihre Gewehre und stellen Videos davon unter dem Hashtag "oneless" ("eine weniger") ins Netz.

Auch die Empörung über die mächtige Waffenlobby NRA wächst. Diese hatte Trumps Wahlkampf gegen Hillary Clinton mit rund 30 Millionen Dollar unterstützt und zeigt sich auch im Kongresswahlkampf als großzügiger Spender. Erst im vergangenen Jahr trat Trump vor der NRA auf und versprach: "Ich werde euch niemals enttäuschen."

Doch beim Treffen mit Überlebenden im Weißen Haus sind nun andere Töne gefragt – wofür der Präsident den Spickzettel brauchte. Wie die britische "Daily Mail" schreibt, bediente Trump sich zwar offenbar nicht direkt der niedergeschriebenen Stichworte. Allerdings bemühte er sich vor den verzweifelten und wütenden Eltern und Schülern um versöhnliche Töne. "Für mich kann es nichts Schlimmeres geben, als das, was ihr mitgemacht habt", sagte er den Opfern. Er trauere mit ihnen. "Wir müssen in dieser entsetzlichen Situation, die sich abspielt, etwas tun."

Und dann machte er einen Vorschlag, der zumindest der NRA gefallen dürfte: So wolle er die Bewaffnung von Lehrern prüfen. Wenn es mehr Lehrer gebe, die verdeckt Waffen tragen würden und mit diesen vertraut seien, könnten sie solche Angriffe schnell beenden.

Es war wohl nicht das "I hear you", das die Überlebenden erwartet hatten. Als eine schreckliche Idee bezeichnete ein Überlebender des Parkland-Massakers den Vorschlag. "Ich weiß nicht, ob Donald Trump jemals an einer öffentlichen Oberschule war – aber soweit mir bekannt ist, sollten Lehrer Pädagogen sein" sagte der 16-Jährige CNN. "Sie sollten nicht wissen müssen, wie man eine AR-15 bedient."

Quelle: n-tv.de

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