Politik
Witwe Myeshia Johnson ist Mutter von zwei Kindern und im sechsten Monat schwanger.
Witwe Myeshia Johnson ist Mutter von zwei Kindern und im sechsten Monat schwanger.(Foto: AP)
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Nach Telefonat mit Witwe: Trump entfacht Streit um getöteten Soldaten

Der Streit um die Frage, ob sich Trump respektlos einer Witwe gegenüber verhalten hat, geht in die nächste Runde. Jetzt äußert sich die Mutter des getöteten Soldaten. Sie macht dem US-Präsidenten schwere Vorwürfe. Auch ein anderer Betroffener meldet sich zu Wort.

US-Präsident Donald Trump wird vorgeworfen, sich bei einem Telefongespräch respektlos gegenüber der Witwe eines im Einsatz getöteten US-Soldaten verhalten zu haben. Bei dem fraglichen Telefonat soll Trump in nüchternem Ton zu Myeshia Johnson gesagt haben, dass ihr Mann "gewusst habe, worauf er sich einließe, als er sich verpflichtet hat". Das behauptet zumindest die Kongressabgeordnete Frederica Wilson, die bei dem Telefonat am Dienstag dabei gewesen ist.

Die Kongressabgeordnete Frederica Wilson steht zu ihren Aussagen gegen Trump.
Die Kongressabgeordnete Frederica Wilson steht zu ihren Aussagen gegen Trump.(Foto: AP)

Trump hatte daraufhin in einer Twitterbotschaft behauptet, die Abgeordnete Wilson hätte alles "komplett erfunden" und dafür habe er Beweise. Diese hat er allerdings nicht vorgelegen können. Als er später von Reportern darauf angesprochen wurde, sagte er über Wilson: "Lasst sie ihre Erklärung noch einmal machen, dann werdet ihr sehen." Vielmehr habe er eine "nette Unterhaltung mit der Frau geführt." Sie habe wie eine "sehr nette Frau" geklungen.

Auch Trumps Sprecherin Sarah Sanders warf der Demokratin Wilson vor, den Fall zu instrumentalisieren. Ihre Schilderungen seien "ungeheuerlich und widerlich". Das Weiße Haus habe keine Aufzeichnungen des Gesprächs, da solche Unterhaltungen privat seien. Andere Mitarbeiter, die das Gespräch ebenfalls verfolgt haben, hätten es als "sehr respektvoll" beschrieben.

Bericht über 25.000-Dollar-Scheck

Datenschutz

Auf Twitter bekräftigte Wilson, dass sie zu ihren Aussagen über das Telefonat nach wie vor stehe. "Das ist ihr Name, Mr. Trump. Nicht 'die Frau' oder 'die Ehefrau'". Der verstorbene Mann sei Teil ihrer Gemeinde gewesen, deswegen sei die Sache "persönlich, nicht politisch". Reportern sagte sie, dass sie nicht die einzige gewesen sei, die das Gespräch mitangehört habe. "Es gibt keinen Grund wegen eines Telefonats zu lügen."

Nun bestätigt auch die Mutter des verstorbenen Soldaten Wilsons Schilderung über den Verlauf des Telefongesprächs. Der "Washington Post" gegenüber sagte Cowanda Jones-Johnson: "Präsident Trump hat sich gegenüber meinem Sohn und meine Tochter respektlos verhalten und auch gegenüber mir und meinem Ehemann." Sie sei während des Gesprächs dabei gewesen und bestätigte die unsensiblen Worte Trumps.

Wilson hatte zuvor im Fernsehen berichtet, Johnson habe während des Gesprächs geweint und sei danach "zusammengebrochen". Das Schlimmste sei für sie gewesen, dass sich Trump nicht an den Namen des verstorbenen Soldaten erinnern konnte. Die 24-jährige Johnson ist Mutter von zwei Kindern und im sechsten Monat schwanger.

Die Zeitung berichtete am Mittwoch zudem über einen anderen Fall, bei dem Chris Baldridges 22-jähriger Sohn Dillon im Juni in Afghanistan ums Leben gekommen ist. Trump hatte dem trauernden Vater am Telefon einen Scheck über 25.000 Dollar (etwa 21.200 Euro) und den Start einer Online-Spendenaktion für die Familie versprochen. Beides soll laut Baldridge nicht passiert sein. Eine Sprecherin des Weißen Hauses dementierte die Äußerungen und schrieb: "Der Scheck wurde verschickt".

Quelle: n-tv.de