Politik

"Ermüdet, aber guter Dinge" Trump erhält experimentellen Antikörper-Cocktail

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US-Präsident Trump kommt mit Mundschutz im Militärkrankenhaus Walter Reed an.

(Foto: REUTERS)

Synthetische Antikörper, Zink, Vitamin D, Melatonin, Famotidin, Remdesivir und Aspirin - mit einer ganzen Reihe von Medikamenten wollen Mediziner die Coronavirus-Infektion von Donald Trump eindämmen. Zusätzlichen Sauerstoff brauche der US-Präsident nicht, heißt es. Er sei guter Dinge und habe den ganzen Tag über gearbeitet.

US-Präsident Donald Trump ist nach seiner Corona-Infektion mit einem experimentellen Antikörper-Cocktail behandelt worden. Der Präsident habe eine Dosis synthetischer Antikörper des US-Pharmakonzerns Regeneron erhalten, erklärte Trumps Leibarzt Sean Conley in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Dabei handle es sich um eine "Vorsichtsmaßnahme".

Der Präsident nehme auch Zink, Vitamin D, das zur Bekämpfung von Schlafstörungen eingesetzte Mittel Melatonin, den Säurehemmer Famotidin und eine tägliche Aspirin zu sich, teilte Conley mit. Er habe außerdem begonnen, das Covid-19-Medikament Remdesivir des US-Unternehmens Gilead Sciences einzunehmen, zusätzlichen Sauerstoff benötige Trump nicht. Aus dem Weißen Haus hieß es, Trump sei nach wie vor guter Dinge und habe den ganzen Tag über gearbeitet.

Ärzte erachten Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, nicht als Allheilmittel bei einer Covid-19-Erkrankung, oft aber als hilfreich. Nach Angaben des Herstellers kann die Arznei das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf der Corona-Krankheit Covid-19 deutlich vermindern.

Trump hatte in der Nacht auf Freitag bekannt gegeben, dass er und seine Frau positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Als Vorsichtsmaßnahme wurde er in der Nacht zu Samstag ins Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda nördlich von Washington gebracht. "Der Präsident ist ermüdet, aber guter Dinge", schreibt Conley. Trump werde von einem Expertenteam untersucht, das weitere Behandlungsvorschläge unterbreiten werde. Der Präsident habe leichte Symptome, erklärte sein Stabschef Mark Meadows. Trumps ebenfalls mit dem Coronavirus infizierte Ehefrau Melania leidet demnach an "leichtem Husten und Kopfschmerzen".

Wahlkampfveranstaltungen abgesagt oder verschoben

"Ich denke, es geht mir sehr gut", sagte Trump in einer kurzen Videobotschaft, die er im Weißen Haus aufgenommen hatte und die bei seiner Ankunft in der Klinik auf seinem Twitter-Account veröffentlicht wurde. Beim Verlassen des Weißen Hauses demonstrierte der Präsident vor Kameras, dass er auf den Beinen ist. Er zeigte in Richtung anwesender Journalisten einen Daumen und winkte und ging dann wie gewohnt über den Rasen zum wenige Meter entfernt wartenden Helikopter. Trump trug Anzug und Krawatte und einen Mund-Nasen-Schutz und wurde von Mitarbeitern begleitet, die ebenfalls Masken trugen. Die 50-jährige First Lady blieb im Weißen Haus.

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Mit seinen 74 Jahren gilt Trump als Corona-Risikopatient. Die Infektion sorgt für weitere Turbulenzen im ohnehin chaotischen Wahljahr. In weniger als fünf Wochen - am 3. November - stellen sich Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden zur Wahl. Trump ist nun gezwungen, seine persönlichen Auftritte auszusetzen. Der ebenfalls infizierte Wahlkampfchef Bill Stepien teilte mit, alle bereits angekündigten Veranstaltungen unter Teilnahme des Republikaners würden entweder verschoben oder online abgehalten. Biden setzt seinen Wahlkampf dagegen fort.

Ungeachtet der Coronavirus-Pandemie hatte er in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert, bei denen er stets ohne Maske auftrat. Trumps Wahlkampfteam teilte mit, Veranstaltungen mit Mitgliedern der Trump-Familie würden ebenfalls verschoben. Bei allen anderen Veranstaltungen werde im Einzelfall entschieden, ob sie abgehalten oder abgesagt werden. Vizepräsident Mike Pence plane, seine Wahlkampfveranstaltungen wieder aufzunehmen. Pence war am Freitag nach Angaben seines Arztes negativ auf das Coronavirus getestet worden. Pence müsste einspringen, sollte Trump seinen Job nicht mehr ausüben können.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/rts/AFP