Politik

Hat er's oder hat er's nicht? Zweifler trauen Trump gefälschte Infektion zu

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US-Präsident Trump in Washington: Wenige Stunden später teilte er mit, er sei mit dem Coronavirus infiziert.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Der US-Präsident gilt als Superspreader von Falschnachrichten. Viele Menschen glauben deshalb, dass auch seine Corona-Infektion vorgetäuscht sein könnte. Vor allem, weil eine spektakuläre Genesung Trump im Wahlkampf nutzen könnte. Zugleich heißt es aus seinem Umfeld: Ja, der Präsident zeige leichte Symptome.

Donald Trump ist in den vergangenen vier Jahren häufig mit Dingen an die Öffentlichkeit getreten, die nicht oder zumindest nicht vollends der Wahrheit entsprachen. Jetzt hat er seine Ansteckung mit dem Coronavirus publik gemacht. Und auch diesmal glauben ihm viele nicht - obwohl es diesmal bisher keinerlei Anlass gibt, der die Annahme einer öffentlichen Lüge des US-Präsidenten stützen würde. "Überall auf der Welt zucken die Mundwinkel", twitterte etwa die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer. Aber Trump werde da natürlich heil rauskommen. "An Desinfektionsmittel soll es im White House ja nicht mangeln."

Noch drastischer äußerte der linke US-Filmemacher Michael Moore seine Zweifel: "Warum sollte er diesmal nicht lügen?", fragte Moore auf Facebook. Trump wisse, dass es Sympathien bringen könne, wenn man krank sei. "Dies als Waffe einzusetzen, da steht er nicht drüber", schrieb Moore. Der Filmemacher ("Bowling for Columbine") hat im Netz mit seiner Meinung viel Gesellschaft. Tausende von Nutzern halten es für möglich, dass Trump eine Virusinfektion vortäuscht - um dann in wenigen Tagen als gesunder Mann in die Öffentlichkeit zu treten und seine These, Corona sei kaum gefährlicher als eine Grippe, am glaubwürdigsten aller Beispiele zu verifizieren - dem eigenen. Auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, wie Trump ein Populist und Corona-Zweifler, hatte sich mit dem Virus infiziert. Wenig später erklärte er sich - ohne größere Symptome entwickelt zu haben - für gesund.

Umfragewerte von Bolsonaro und Johnson stiegen

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson erwischte es schlimmer - er musste nach einer Corona-Infektion für eine Woche ins Krankenhaus, davon drei Tage auf die Intensivstation. Sowohl bei Bolsonaro als auch bei Johnson gingen die Sympathiewerte anschließend nach oben, wie unter anderem das Institut YouGov auf Twitter deutlich machte. "Seine schnelle Genesung bestärkt die Behauptung, dass die Pandemie gar nicht so schlimm ist", sagte Oliver Steunkel von der Getulio-Vargas-Stiftung in Sao Paulo im September der "Financial Times". Wie wahrscheinlich sei es, dass dies auch für Trump gelte, fragt YouGov weiter. "Das lässt sich unmöglich sagen, nicht zuletzt, weil Trump nicht notwendigerweise ins Krankenhaus gelangt, außerdem steckt er mitten im Wahlkampf."

Trumps persönliche Präsenz bei Wahlkampfauftritten und auch beim Einsammeln von Spenden ist für den US-Präsidenten normalerweise Gold wert. Die Zeit in der Quarantäne könnte ihm - der in den Umfragen immer weiter hinter seinen Rivalen Joe Biden zurückfällt - am Ende fehlen. "Jede Art von konventionellem Wahlkampf des Präsidenten steht derzeit nicht zur Debatte", schreibt etwa der Kommentator Niall Stanage von der Politik-Webseite "The Hill". Auch die nächste Fernsehdebatte mit Herausforderer Biden, terminiert für den 15. Oktober, dürfte nicht wie geplant stattfinden. Gegen einen "Hoax", wie die Amerikaner sagen, spricht auch, dass allein schon die Kunde von der Ansteckung - geschweige denn einer möglichen Erkrankung Trumps - massive negative Folgen hat - etwa einen Einbruch der Börsenkurse. Und schließlich sind auch Fragen der Nationalen Sicherheit berührt.

Weißes Haus: Trump hat leichte Symptome

Trumps Stabschef sprach derweil von "milden Symptomen", die Trump inzwischen entwickelt habe. Der Präsident sei dennoch "guter Dinge" und "sehr energiegeladen", sagte Mark Meadows in Washington. Meadows zeigte sich "optimistisch", dass der Präsident sich "schnell" erholen werde. Eine Journalistenfrage nach einer möglichen medikamentösen Behandlung des Präsidenten ließ der Stabschef unbeantwortet.

Trump hatte in der Nacht auf Freitag bekannt gegeben, dass er und seine Frau Melania positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Der Präsident befindet sich deswegen im Weißen Haus in Quarantäne. Die First Lady schrieb auf Twitter, auch sie habe "leichte Symptome", fühle sich alles in allem aber gut. Sie hoffe auf eine "schnelle Genesung".

Die Nachricht von Trumps Infektion schlug rund einen Monat vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November hohe Wellen. Der Präsident hatte die Gefahr durch das Coronavirus über Monate kleingeredet. Wegen seiner Pandemie-Politik steht er massiv in der Kritik.

Quelle: ntv.de, mau/dpa