Politik

Nach Merkel-Absage Trump nennt G7-Gipfel "überholt"

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US-Präsident Trump wollte das G7-Treffen erst als Videokonferenz abhalten, dann doch in echt und nun irgendwann später.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht im Juni und nicht nur mit den üblichen sieben Ländern. So stellt sich US-Präsident Trump den anstehenden G7-Gipfel nun offenbar vor. Damit fährt er nicht nur seinen Schlingerkurs weiter, sondern düpiert auch die anderen Staatschefs: Die G7 seien eine "überholte Gruppe".

US-Präsident Donald Trump hat eine Verschiebung des ursprünglich für Juni geplanten G7-Gipfels in den USA angekündigt. Gleichzeitig wolle er die Liste der Teilnehmer erweitern, sagte Trump vor Journalisten an Bord der Air Force One. Ein Gipfeltreffen im G7-Format spiegele nicht korrekt wider, "was in der Welt passiert", sagte der US-Präsident: "Es ist eine sehr überholte Gruppe von Ländern." Zu einem erweiterten Gipfeltreffen im Herbst wolle er auch Russland, Südkorea, Australien und Indien einladen.

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der Corona-Pandemie einer persönlichen Teilnahme am G7-Gipfel Ende Juni eine Absage erteilt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron reagierte darauf mit Zurückhaltung. Für einen G7-Gipfel der Staats- und Regierungschef sei "die Anwesenheit aller erforderlich", erklärte das französische Präsidialamt. "Die Anwesenheit der Kanzlerin und die Einheit der Europäer sind wichtig." Gebraucht werde "ein Moment des Zusammenhalts und des Handelns zu einem international kritischen Zeitpunkt". Deshalb warte Frankreich darauf, "dass die G7-Präsidentschaft der USA ihre Absichten präzisiert".

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor mitgeteilt, Merkel werde nach derzeitigem Stand Trumps Einladung zu einer persönlichen Teilnahme am G7-Gipfel nicht folgen. Wegen der Corona-Pandemie könne die Kanzlerin eine Reise Ende Juni nach Washington nicht zusagen. Die Bundeskanzlerin ist die erste der G7-Staats- und Regierungschefs, die Trump einen Korb gibt.

"Großartiges Zeichen"

Das Weiße Haus hatte im März erklärt, wegen der Corona-Pandemie könne der für Juni geplante G7-Gipfel nicht auf Trumps Landsitz Camp David abgehalten werden, sondern müsse durch eine Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten ersetzt werden. Vor gut einer Woche erklärte Trump dann jedoch überraschend, da sein Land sich bereits von der Pandemie erhole, könne das Gipfeltreffen doch stattfinden. Zunächst nannte er Camp David als Gipfelort, dann erklärte er, das Treffen solle "in erster Linie" im Weißen Haus in Washington stattfinden.

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Ein Gipfel mit persönlicher Teilnahme der Staats- und Regierungschefs wäre "ein großartiges Zeichen der Normalisierung aller", erklärte Trump. Merkel und andere G7-Staats- und Regierungschefs reagierten auf diese Aussagen allerdings zurückhaltend.

Die USA sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Dort wurden bereits mehr als 1,7 Millionen Infektionen nachgewiesen, mehr als 102.000 Infizierte starben. Trump wird vorgeworfen, das neuartige Coronavirus lange unterschätzt und unzureichend reagiert zu haben. Der G7 gehören außer den USA und Deutschland auch Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan an. Die alljährlichen Gipfeltreffen richten die Mitgliedsländer abwechselnd aus.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP