Politik

Enthüllung der "New York Times" Trump soll ein Konto in China haben

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Donald Trump steht für eine aggressive China-Politik. Wirtschaftlich hält er sich wohl alle Möglichkeiten in Fernost offen.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Donald Trumps scharfe Anti-China-Rhetorik prägt den ersten Wahlkampf des amtierenden US-Präsidenten. Im Duell um eine zweite Amtszeit wirft er Herausforderer Biden Schwäche gegenüber China vor. Trump selbst soll ein Bankkonto in Fernost und dort sogar Steuern gezahlt haben.

Mit scharfer Anti-China-Rhetorik betreibt US-Präsident Donald Trump Wahlkampf - dabei hat der Republikaner laut einem Medienbericht jahrelang selbst Geschäftsinteressen in der Volksrepublik verfolgt. Wie die "New York Times" berichtet, hatte Trumps Hotel-Gesellschaft während seiner Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2016 noch ein Büro in China und kooperierte damals eng mit einem chinesischen Staatsunternehmen. Ein chinesisches Bankkonto besitzt Trump demnach immer noch.

Weniger als zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl kommen die Enthüllungen für Trump zur Unzeit - zumal der Amtsinhaber seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden im Wahlkampf immer wieder eine schwache Haltung gegenüber Peking vorwirft. Am Donnerstagabend (Ortszeit) begegnen sich Trump und Biden das letzte Mal vor der Wahl am 3. November in einem Fernseh-Duell. In den vergangenen Tagen behauptete Trump mehrfach, Biden sei in Geschäftstätigkeiten seines Sohnes Hunter in China und der Ukraine verwickelt gewesen. Der ehemalige Vize-Präsident hat dies wiederholt bestritten. Auch in Bidens öffentlich zugänglichen Steuerdokumenten finden sich keinerlei Belege für Geschäftsverbindungen nach China.

Trump wollte Hochhaus in Guangzhou bauen

Tatsächlich sei es Trump, der über Jahre in China tätig gewesen sei, schreibt die "New York Times", die sich auf eine Analyse von Trumps Steuerunterlagen bezieht. So habe das Unternehmen Trump International Hotels Management zwischen 2013 und 2015 mehr als 188.000 Dollar (158.000 Euro) an Steuern in China gezahlt und dort Lizenzverhandlungen geführt. Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, dass Trump 2016 und 2017 lediglich jeweils 750 Dollar Einkommensteuer auf Bundesebene zahlte, obwohl der ehemalige Unternehmer sich stets mit seinem Reichtum rühmt.

Bereits 2008 hatte Trump der Zeitung zufolge versucht, ein Büro-Hochhaus in der südchinesischen Metropole Guangzhou zu bauen - was schließlich scheiterte. Seine jahrelangen Bemühungen führten demnach aber dazu, dass er im Jahr 2012 ein Büro in Shanghai eröffnen konnte.

Ein chinesisches Bankkonto läuft dem Bericht zufolge nach wie vor auf Trumps Hotelunternehmen. Außer in China hat Trump laut "New York Times" nur noch in zwei weiteren ausländischen Staaten Konten - in Großbritannien und Irland. Der Anwalt der Trump-Organisation, Alan Garten, sagte der "New York Times" auf Nachfrage, das Bankkonto sei bei einer chinesischen Bank mit Filialen in den USA eröffnet worden, um Steuern in China zahlen zu können. Seit 2015 seien aber "keine Deals, keine Transaktionen oder sonstige geschäftliche Aktivitäten" der Trump-Gesellschaft in China mehr erfolgt. Auch sei das Büro des Unternehmens in China inaktiv.

Zwischen Handelsdeal und "China-Virus"

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen erfuhr, verhandelte die zum Trump-Imperium gehörende Firma Trump Hotel Collection (THC) zeitweise auch mit dem staatlichen Energiekonzern State Grid Corporation of China über den Einstieg in ein riesiges Bauprojekt in Peking. Den Kreisen zufolge verwarf THC die Pläne letztlich aber. Unter seinem Motto "America First" (Amerika zuerst) hatte Trump bereits 2016 mit scharfer Anti-China-Rhetorik Wahlkampf betrieben und die Volksrepublik als größte Bedrohung für die USA und das westliche demokratische System beschrieben.

Trumps erste Amtszeit war vom Handelskonflikt mit Peking und dem Vorgehen des Präsidenten gegen chinesische Tech-Firmen geprägt. In der Corona-Krise verschärfte Trump den Tonfall gegenüber China noch. Trotz Kritik an der rassistischen Konnotation sprach der US-Präsident wiederholt vom "China-Virus" und machte Peking direkt für die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 verantwortlich. Den Austritt seines Landes aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begründete er mit deren angeblicher Nähe zu China.

Quelle: ntv.de, mba/AFP