Politik

Nicht die "klügste Person" Trump spottet über unabhängigen Kandidaten

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Howard Schultz erwägt eine Kandidatur - als Starbucks-Chef hat er dafür genug Geld eingesammelt.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Einige Demokraten wollen Donald Trump bei der Wahl im kommenden Jahr herausfordern. Nun kommt wahrscheinlich ein unabhängiger Kandidat hinzu. Doch der liberale Milliardär Howard Schultz erntet Spott vom Präsidenten. Und scharfe Kritik von den Demokraten.

Zwar wird in den USA erst Ende 2020 wieder ein neuer (oder alter) Präsident gewählt. Doch der Wahlkampf läuft bereits. Während die Republikaner mit Amtsinhaber Donald Trump ins Rennen gehen, der ohnehin seit seiner Wahl 2016 immer wieder Wahlkampfauftritte absolviert, bringen sich bei den Demokraten die ersten Bewerber in Stellung, darunter Kamala Harris und Kirsten Gillibrand.

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Nun wirft auch ein Mann seinen Hut in den Ring, den man bisher vor allem aus der Wirtschaft kannte: Howard Schultz steckt hinter dem Erfolg von Starbucks. 1987 hatte er die kleine Kaffeerösterei mithilfe von Investoren aufgekauft und anschließend zu einer weltweit erfolgreichen Kaffeehauskette umgebaut. Erst im vergangenen Jahr verließ der Milliardär den Konzern, was Spekulationen um eine Kandidatur befeuert hatte.

Am Sonntag nun machte Schultz öffentlich, dass er erwägt, als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 anzutreten. Der 65-Jährige habe bereits Vorbereitungen getroffen, um in den Bundesstaaten antreten zu können, sagte er der "New York Times". Vorher wolle er aber noch drei Monate lang das Land durchqueren. Dem Staatschef warf Schultz vor, für das Amt des Präsidenten "nicht qualifiziert" zu sein.

Hauptsache Starbucks zahlt die Miete

Die Retourkutsche des Republikaners kam prompt, per Twitter: "Howard Schultz hat nicht den Mut, sich als Präsident zu bewerben", schrieb Trump. Er habe Schultz' Auftritt in der Sendung "60 Minutes" gesehen und stimme ihm zu, dass er nicht die "klügste Person" sei. Schultz hatte dem Sender CBS News gesagt, dass ihm bewusst sei, nicht die klügste Person im Raum zu sein. Er müsse sich mit Menschen umgeben, die schlauer seien als er, um große Entscheidungen über komplexe Probleme treffen zu können.

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Doch damit nicht genug: Als Anspielung auf Schultz' Karriere in der Wirtschaft, schrieb Trump weiter: "Ich hoffe nur, dass Starbucks noch Miete im Trump Tower bezahlt." Dort gibt es eine der mehr als 28.000 Filialen der Kette.

Aber nicht nur vom Präsidenten musste Schultz Kritik einstecken. Auch bei den Demokraten kommt seine mögliche Kandidatur nicht gut an. Dabei bezeichnete sich Schultz bei "60 Minutes" selbst als lebenslangen Demokraten. Allerdings warf er den beiden großen Parteien des Landes vor, nicht die nötigen Schritte im Sinne des amerikanischen Volkes zu unternehmen. Sie seien in einer "Politik gegenseitiger Rache" gefangen. Deshalb wolle er "als unabhängiger Zentrumskandidat antreten, außerhalb des Parteiensystems".

Demokraten "weit nach links" verschoben

Eine wirkliche Chance auf die Präsidentschaft haben unabhängige Kandidaten nicht. Das liegt nicht nur an den hohen Hürden, die sie erfüllen müssen, um in allen Bundesstaaten auf den Wahlzetteln zu landen. Das gesamte politische System ist auf die zwei großen Parteien ausgerichtet. Allerdings können die Unabhängigen oder Kandidaten kleiner Parteien zum Zünglein an der Waage werden, wenn die Wahl besonders knapp ausgeht. Die Abstimmung im Jahr 2000 etwa, bei der sich der Republikaner George W. Bush hauchdünn gegen Al Gore durchsetzte, dürfte für die Demokraten bis heute traumatisch sein. Sie werfen dem Grünen-Kandidaten Ralph Nader vor, ihnen wichtige Stimmen entzogen zu haben.

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Entsprechend kritisch äußern sich einige Demokraten zu Schultz. Julián Castro, der sich selbst um die Kandidatur seiner Partei bewirbt, sagte CNN, wenn Schultz ins Rennen gehe, könne Trump sich "größte Hoffnungen" auf eine Wiederwahl machen. David Axelrod, früherer Chefberater von Präsident Barack Obama, twitterte: "Die einzige gute Nachricht, die Trump in einer ansonsten trostlosen Woche erhalten hat: Die Aussicht auf einen finanziell gut ausgestatteten unabhängigen Kandidaten, der die Opposition 2020 verwässert."

Schultz selbst äußerte sich auch zu den Vorwürfen, lehnte aber eine Kandidatur für die Partei ab: "Würde ich als Demokrat antreten, müsste ich unaufrichtig sein und Dinge sagen, an die ich nicht glaube", sagte er. Er warf der Partei vor, "sich weit nach links" verschoben zu haben.

Quelle: n-tv.de, mli

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