Politik

Kamala Harris und die anderen Wer 2020 gegen Trump antreten könnte

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Kamala Harris bei einer Buchvorstellung am 9. Januar in Washington - bei der sie häufig und viel lachte.

AP

In einem Jahr beginnen die Vorwahlen in den USA. Dann entscheiden die Parteien, wen sie ins Rennen um das Weiße Haus schicken. Bei den Demokraten gibt es schon jetzt viele Bewerber - beziehungsweise Bewerberinnen.

Bei den Republikanern ist alles klar: Donald Trump tritt bei der Präsidentschaftswahl im November 2020 noch einmal an. Er hat mit dem Wahlkampf schon kurz nach seiner Amtseinführung wieder angefangen. Ein paar Republikaner haben zwar nicht ausgeschlossen, ebenfalls anzutreten. Aber ihre Chancen dürften überschaubar sein, falls es überhaupt so weit kommt.

Dagegen wird die Liste der Bewerber bei den Demokraten immer länger. Insgesamt haben sich bereits 146 Bewerber bei der für die Regulierung der Wahlkampffinanzierung zuständigen Bundesbehörde angemeldet. Die weitaus meisten von ihnen sind völlig unbekannt und ebenso chancenlos. Es wird erwartet, dass am Ende um die zwanzig Kandidaten an den Vorwahlen teilnehmen, die am 3. Februar 2020 in Iowa beginnen. Damit ist es natürlich noch viel zu früh, um Prognosen abzugeben. Doch unter den Bewerbern sind auch einige Prominente. Ein Überblick.

"The female Obama": Kamala Harris

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Wie die meisten Politiker, die einen wichtiger Wahlkampf vor sich haben, hat Kamala Harris gerade ein Buch veröffentlicht.

(Foto: AP)

Am Montag erklärte die kalifornische Senatorin Kamala Harris in der ABC-Sendung "Good Morning America", dass sie sich um die Nominierung bewirbt. Nach aktuellem Stand ist sie wohl die aussichtsreichste Bewerberin für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Harris ist noch in ihrer ersten Amtszeit als Senatorin. Bekannt ist die 54-Jährige schon länger. Präsident Barack Obama soll erwogen haben, sie zur Verfassungsrichterin zu machen. Spätestens durch ihre Befragung des damaligen Justizministers Jeff Sessions im Juni 2017 machte sie sich einen Namen: Sessions musste vor dem Geheimdienstausschuss des Senats über etwaige Kontakte mit Vertretern der russischen Regierung aussagen. Harris nahm ihn so sehr in die Mangel, dass er sich beklagte, das mache ihn "nervös".

Ihre Eltern waren Einwanderer: Die Mutter kam aus Indien, der Vater aus Jamaika, sie trafen sich an der Uni in Kalifornien, wo beide in der Bürgerrechtsbewegung aktiv waren. Auch ihre beiden Töchter nahmen sie zu Demos mit. Harris sagt, diese Erfahrung habe sie geprägt; nicht umsonst wählte sie den Martin-Luther-King-Tag, um ihre Bewerbung offiziell zu machen. Ungewöhnlich bei diesem Elternhaus: Von 2011 bis 2017 war Harris Generalstaatsanwältin von Kalifornien. Schon damals wurde sie als mögliche Präsidentschaftskandidatin gehandelt - wegen ihrer Herkunft und weil sie als klug und charmant gilt, erhielt sie bereits 2010 den Titel "the female Barack Obama", weiblicher Obama. Wie der echte Obama ist sie nicht zu links, um Wähler der Mitte zu verschrecken, aber doch links genug, um das progressive Lager einzubinden. Obama handelte sich übrigens 2014 Ärger ein, weil er Harris "die schönste Generalstaatsanwältin im Land" nannte. Eine CNN-Analyse sieht sie als aussichtsreichste Bewerberin für die demokratischen Vorwahlen - unter anderem deshalb, weil sie zum ersten Mal antritt.

Der Emo-Skater: Beto O'Rourke

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Beto O'Rourke und seine Frau Amy im Wahlkampf 2018.

(Foto: AP)

Auf Platz zwei sieht CNN einen Politiker, der eigentlich ein Wahlverlierer ist: Beto O'Rourke, der von 2013 bis 2019 im Repräsentantenhaus saß, hatte sich bei den Kongresswahlen im vergangenen November um einen Senatssitz für seinen Heimatstaat Texas beworben. Der 46-Jährige unterlag gegen den erzkonservativen Ted Cruz. Der Republikaner hatte bei den Vorwahlen seiner Partei 2016 hinter Trump den zweiten Platz erreicht.

Aufsehen erregte O'Rourke durch seinen unkonventionellen Wahlkampf, in dem er sich beim Skateboardfahren filmen ließ und auf professionelle Kampagnenmanager verzichtete. Damit schaffte er immerhin mehr als 48 Prozent der Stimmen. Offiziell hat O'Rourke sein Interesse am Präsidentenamt noch gar nicht erklärt. Auch er wird mit Obama verglichen: jung, charismatisch, redegewandt. Den Wunsch nach unverbrauchten Kandidaten erfüllt auch er. In Umfragen schneidet O'Rourke unter Demokraten gut ab. Allerdings scheint er mehr Projektionsfläche als nachhaltiger Hoffnungsträger zu sein: In der Liste der US-Politiker mit den größten Wahlkampfspenden aus der Öl- und Gasindustrie kam er 2018 auf den zweiten Platz. Überholt wurde er auch hier von: Ted Cruz.

Derzeit befindet sich O'Rourke auf einer Art Road Trip, um einen "klaren Kopf" zu bekommen. Die Öffentlichkeit lässt er daran in einem Reisetagebuch teilhaben, das an den Beat-Generation-Erzähler Jack Kerouac erinnert und sehr auf Gefühle setzt. Kann ein Politiker mit einem solchen Emo-Kurs Erfolg haben? Der Journalist Nate Silver kann sich das nicht vorstellen.

Die "am besten qualifizierte Person": Joe Biden

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Joe Biden gilt als Mann des direkten, mitunter auch ungeschickten Wortes.

(Foto: REUTERS)

Wie Beto O'Rourke hat Joe Biden seine Bewerbung noch gar nicht erklärt. Aber es ist bekannt, dass der ehemalige Vizepräsident seine Chancen auslotet. "Ich glaube, ich bin die für das Präsidentenamt am besten qualifizierte Person im ganzen Land", sagte er im Dezember. Allerdings müsse seine Familie noch entscheiden, ob sie bereit sei, einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen.

Biden gilt als authentisch, aber auch als reichlich undiplomatisch. Auf die Frage, ob er kandidieren könne, obwohl er Ausrutscher am laufenden Band produziere, sagte er, das könne wohl sein, "aber mein Gott, wie wundervoll ist das im Vergleich zu einem Typen, der nicht die Wahrheit sagen kann. Niemand zweifelt an, was ich sage. Das Problem ist, dass ich manchmal alles so sage, wie ich es meine." Sein größter Nachteil dürfte eher sein Alter sein: Biden ist 76 und damit vier Jahre älter als Trump. Der war bei seiner Amtseinführung 70 Jahre, so alt wie kein Präsident vor ihm zu diesem Zeitpunkt. Im Januar 2021, wenn der nächste Präsident vereidigt wird, wird Biden 78 sein.

Die Frau, die vermutlich zu spät kommt: Elizabeth Warren

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Elizabeth Warren vor ihrem Haus in Cambridge, Massachusetts. Im Hintergrund ihr Mann (der das angebotene Bier ablehnte).

(Foto: AP)

Die Senatorin erklärte ihre Bewerbung um die demokratische Präsidentschaftskandidatur am 31. Dezember in ihrer Küche. Dort nahm sie das Video auf, in dem sie mitteilte, dass sie ein "Erkundungskomitee für die Präsidentschaft" eingesetzt habe, der erste Schritt auf dem Weg zur förmlichen Bewerbung. Kurz danach sendete sie via Instagram erneut live aus ihrer Küche, beantwortete dabei Fragen von Nutzern, trank ein Bier und bot ihrem Mann eins an. Im Vergleich zu jungen Kolleginnen wie der New Yorker Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, die sie hier zu imitieren schien, wirkte das nicht sehr authentisch. Verglichen mit Politikerinnen der Generation Hillary Clinton jedoch kommt Warren geradezu cool rüber. Bei einem Auftritt vor Journalisten vor ihrem Haus trug sie nicht etwa einen Mantel und schicke Schuhe, sondern eine Daunenjacke und Sneakers.

Warren ist bereits 69 Jahre alt und damit auch nicht gerade eine Hoffnungsträgerin aus dem demokratischen Nachwuchs. Aber Berufspolitikerin ist sie erst seit 2013 - seither vertritt sie Massachusetts im Senat. Ihr dezidiert linkes politisches Profil basiert auf der Regulierung der Finanzbranche. Das 2011 von Präsident Obama ins Leben gerufene Consumer Financial Protection Bureau, das Kunden von Banken und Versicherungen schützen soll, geht auf ihre Initiative zurück.

Trump hat ihr einen Schimpfnamen gegeben, was er nur mit seinen bevorzugten Feinden macht. Er nennt sie "Pocahontas", weil sie in den 1990er Jahren an der Harvard Law School erklärt hatte, unter ihren Vorfahren seien Ureinwohner. Umgekehrt geht auch sie Konfrontationen mit dem Präsidenten nicht aus dem Weg. Sie nannte ihn einen "dünnhäutigen Rassisten, der Leute mobbt", und einen "Möchtegerntyrann". Ihre Bewerbung ist sicherlich nicht chancenlos, wäre aber vor vier Jahren aussichtsreicher gewesen. Ihre Heimatzeitung, der "Boston Globe", rief sie dazu auf, nicht zu kandidieren. Sie sei zu einer Politikerin geworden, die das Land spalte. Nach Trump bräuchten die USA jedoch jemanden, der die Menschen zusammenbringen könne.

Der ewige Außenseiter: Bernie Sanders

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Bernie Sanders (und Cory Booker) bei einem Auftritt in Washington.

(Foto: imago/MediaPunch)

2016 kam der parteilose Senator aus Vermont gegen Hillary Clinton auf einen sehr guten zweiten Platz - seine Anhänger sagen bis heute, ihm sei der Sieg von der Partei und den Medien gestohlen worden. Offiziell denkt Bernie Sanders noch darüber nach, ob er 2020 erneut antritt. Hinter den Kulissen baut er jedoch wieder einen Wahlkampfstab auf.

Gegen Clinton war er ein Querkopf, der gegen das Establishment antrat. Dieses Mal hätte er es mit zahlreichen anderen Außenseitern zu tun. Laut "Wall Street Journal" hat er als seinen Schwachpunkt seine geringe Popularität unter den schwarzen Wählern im Süden der USA identifiziert. Am Montag trat er in South Carolina auf, zusammen mit dem schwarzen Senator Cory Booker, dem ebenfalls Interesse an einer Bewerbung nachgesagt wird. Booker ist 49, Sanders 77.

Die "formidable" Kandidatin: Kirsten Gillibrand

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Kirsten Gillibrand verkündete ihre Bewerbung bei Stephen Colbert.

(Foto: REUTERS)

Kirsten Gillibrand verkündete ihre Präsidentschaftskandidatur in der "Late Show" von Stephen Colbert - also in einer abendlichen Unterhaltungssendung, nicht in einem Polit-Talk. Obwohl sie dabei ein bisschen aufgeregt wirkte, ist Gillibrand alles andere als politisch unerfahren. Die heute 52 Jahre alte Rechtsanwältin vertrat von 2007 bis 2009 als Abgeordnete im Repräsentantenhaus einen eher konservativen Wahlbezirk des Bundesstaats New York. 2009 wechselte sie in den Senat, die wichtigere der beiden Kammern des Kongresses.

Innerparteiliche Kritiker werfen ihr vor, keine echte Liberale zu sein: Als Abgeordnete verteidigte sie das Recht auf Waffenbesitz. Heute, wo sie als Senatorin den gesamten Bundesstaat vertritt, plädiert sie für eine Einschränkung dieses Rechts. Sie hat die MeToo-Bewegung unterstützt und teilt die wirtschaftspolitischen Positionen des linken Flügels ihrer Partei, ohne jedoch ideologisch festgelegt zu sein. Je nach Standpunkt des Betrachters wirkt sie damit pragmatisch oder opportunistisch. In Umfragen schneidet sie schlecht ab. Sie ist allerdings landesweit bekannt, gut vernetzt und damit in den Worten der "New York Times" eine "formidable Kandidatin".

Gerüchte und Absagen

Angeblich denkt auch der Milliardär Michael Bloomberg über eine Kandidatur nach. Die britische "Times" meldete das jedenfalls im September - eine Bestätigung gab es bislang nicht. Immerhin, im November trat der ehemalige New Yorker Bürgermeister, der bis 2001 Mitglied der Demokraten und danach unabhängig oder Republikaner war, seiner alten Partei wieder bei. Bloomberg ist gerade 76 Jahre alt geworden.

Gerüchte gibt es auch um die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie, weil sie eine Kandidatur Ende Dezember in einem Interview mit dem britischen Radiosender BBC 4 nicht ausschloss. Bereits abgewunken haben eine Reihe von Prominenten, denen Interesse nachgesagt wurde. Der Anwalt Michael Avenatti etwa, der den Pornostar Stormy Daniels in ihrem Streit mit Trump vertritt, hatte beispielsweise lange öffentlich damit kokettiert, über eine Bewerbung als Präsidentschaftskandidat nachzudenken. Anfang Dezember teilte er mit, dass er nicht kandidieren werde.

Quelle: n-tv.de

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