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Mittwoch, 13. Juni 2018

Politik im Hollywood-Stil: Trump umgarnt Kim mit eigenwilligem Video

US-Präsident Trump ist für seine Vergangenheit im Reality-TV und seine Nähe zur Filmbranche bekannt. Diese nutzt er offenbar, um Nordkoreas Machthaber Kim in einem dramatischen Video von einer gemeinsamen "prosperierenden Zukunft" zu überzeugen.

Dramatische Klaviertöne. Punktierte Schnitte. Ein effektheischender Sprecher. In einem gut vierminütigen Video wird ein Wandel der Geschichte angekündigt, den die Welt so noch nicht gesehen hat. Das Weiße Haus hat einen Film auf Facebook veröffentlicht, der anlässlich des historischen Gipfels zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur gezeigt wurde. Das Video wurde im Internet veröffentlicht und erntete international viel Hohn. Auf der Facebook-Seite des Weißen Hauses äußerten einige Nutzer allerdings auch Lob.

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Mit dem Video wollte Trump Kim offenbar daran erinnern, dass die Möglichkeit zu einer Öffnung Nordkoreas besteht und eine friedliche Integration in die Weltgemeinschaft denkbar ist. Alles, was dafür nötig ist: ein "Deal". Ob ein Video im Filmtrailer-Format mit Hollywood-Parallelen den nordkoreanischen Diktator davon überzeugen kann?

Der Film zeigt mit eindrucksvollen Bildern, wie zwei Anführer - Trump und Kim - die Geschicke der Welt in ihre Hände nehmen. "Handlungen sollen vorgenommen werden", sagt der Sprecher, während Trump bei seiner Rede bei den Vereinten Nationen gezeigt wird. "Der Kurs der Geschichte wird verändert" heißt es, als Kim in die Menge winkt. "Zwei Männer, zwei Anführer, ein Schicksal." Wenn ein Schritt zurückgemacht werde, dann drohten leere Supermarktregale, Raketenstarts und Kampfjets als Gegenreaktion. Gebe es einen Schritt nach vorne, dann blieben die Raketen am Boden und Investoren aus der ganzen Welt orientierten sich nach Nordkorea.

Den Gürtel nicht mehr enger schnallen

Mit dem Speedboot in eine rosige Zukunft? Wenn es nach dem Weißen Haus geht: ja.
Mit dem Speedboot in eine rosige Zukunft? Wenn es nach dem Weißen Haus geht: ja.(Foto: White House/Screenshot Facebook)

 Auch die Zeiten großer Spannungen werden im Video erwähnt, wobei dann Schwarz-Weiß-Bilder von der Grenze zwischen Nord- und Südkorea und bewaffnete Soldaten zu sehen sind. Aber: "Die Vergangenheit muss nicht die Zukunft sein." Es werden farbige Bewegtbilder von modernen Zügen, Technologien, Staudämmen und glücklichen Menschen gezeigt. Diese Gegenüberstellung von Gut und Böse, farblich unterstrichen und mit markigen Worten kommentiert, durchzieht das gesamte Video.

Die Protagonisten des erhofften historischen Wandels werden mit Zitaten vorgestellt. Während neben Trump eingeblendet wird, dass es bei dem Treffen in Singapur eine gute Chance gebe, etwas sehr Bedeutsames zu erreichen, wird Kim mit den Worten "zitiert": "Wir müssen unseren Gürtel nicht länger enger schnallen."

Die Produktion des Videos wurde von der Regierung in Washington in Auftrag gegeben. Die in dem kurzen Streifen angegebene Firma "Destiny Pictures" (etwa: Schicksalsbilder) gibt es tatsächlich. Dessen Inhaber zeigte sich allerdings etwas irritiert und sagte US-Medien, dass sein Unternehmen mit dieser "Propaganda" nichts zu tun gehabt habe.

Es wurde "Geschichte geschrieben"

Auf einer Pressekonferenz nach dem Gipfel sagte Trump vor Journalisten, die das Video ebenfalls zu Gesicht bekamen, Kim habe es gefallen. Später schrieb der US-Präsident auf Twitter, es gebe keine Grenzen dessen, was Nordkorea erreichen könne, wenn es seine Atomwaffen aufgebe und stattdessen Handel und Zusammenarbeit mit der Welt aufgreife. Kim habe die Chance, als der Mann in Erinnerung zu bleiben, der "eine herrliche neue Ära" von Sicherheit und Wohlstand für sein Volk eingeleitet habe.

Auf nordkoreanischer Seite verkündete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, die schlechten Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA hätten "über den längsten Zeitraum auf Erden" angedauert. Mit dem Treffen von Machthaber Kim mit US-Präsident Trump sei "Geschichte geschrieben" worden.

Die Reaktionen der beteiligten Staatenlenker auf die Zusammenkunft in Singapur sind demnach positiv. Ob das Video einen Beitrag dazu leisten konnte, ist nicht überliefert. Kim dürften die dramatischen Hochglanzbilder aber wohl gefallen haben. Schließlich brachten die Produzenten auch extra eine kurze Basketball-Sequenz unter, in der zu sehen ist, wie ein Spieler einen Ball in den Korb hämmert. Kim ist bekanntlich ein großer Basketball-Fan und die Chicago-Bulls-Legende Dennis Rodman nennt den nordkoreanischen Machthaber einen "Freund des Lebens".

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Quelle: n-tv.de