Politik

Erfolgsdruck vor der Wahl Trump warnt vor "Anti-Impf-Rhetorik"

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Trump wird vorgeworfen, die Corona-Gefahr lange unterschätzt zu haben.

(Foto: AP)

US-Präsident Trump will so schnell wie möglich einen Corona-Impfstoff auf den Markt bringen - am besten noch vor der Wahl im November. Den Demokraten wirft er vor, Bedenken vor einer schnellen Zulassung zu schüren. Dabei halten auch Experten den angepeilten Zeitrahmen für nicht haltbar.

US-Präsident Donald Trump hat den Demokraten vorgeworfen, sich aus politischen Gründen gegen eine baldige Corona-Impfung auszusprechen. Die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, Kamala Harris, lege eine "sorglose Anti-Impf-Rhetorik" an den Tag, kritisierte Trump bei einer Pressekonferenz vor dem Weißen Haus. Die Demokraten wollten eine Impfung wegen der Wahl am 3. November als etwas Negatives darstellen, behauptete er weiter. Ihnen missfalle, dass der Impfstoff in "Rekordzeit" entwickelt werde. Er könne vielleicht sogar noch vor der Wahl verfügbar sein, sagte Trump.

Harris hatte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender CNN vor einer Einmischung der Regierung bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff gewarnt. Unter Trump würden unabhängige wissenschaftliche Experten "mundtot gemacht", sagte die Senatorin. Trumps Versprechen bezüglich des Impfstoffs könne nicht vertraut werden, weil er sich zwei Monate vor der Wahl verzweifelt nach einem Erfolg sehne, warnte sie. "Ich würde seinen Aussagen nicht vertrauen. Ich würde den Aussagen von Gesundheitsexperten und Wissenschaftlern vertrauen, aber nicht Donald Trump", sagte Harris in dem Gespräch.

Fauci rechnet mit Impfstoff im nächsten Jahr

Weltweit befinden sich inzwischen mehrere experimentelle Impfstoffe in großen klinischen Studien. Dabei soll die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe geprüft werden. Renommierte US-Experten hatten zuletzt erklärt, es könne bis Jahresende klar sein, ob einer der erprobten Impfstoffe hinreichend wirksam sei. Der Immunologe Anthony Fauci etwa, der auch das Weiße Haus berät, rechnet damit, dass es Anfang nächsten Jahres einen Impfstoff geben wird.

Eine Zulassung eines Impfstoffes bis zur Wahl gilt als unmöglich. Die zuständige Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) könnte aber bei hinreichend guten Testergebnissen eine begrenzte Notfallgenehmigung erteilen. Demokraten und manche Gesundheitsexperten befürchten allerdings, dass Trump die Behörde unter Druck setzen könnte, um ihm vor der Wahl eine große Erfolgsmeldung zu ermöglichen.

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Die USA sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Rund 6,3 Millionen Infektionen wurden dort bislang nachgewiesen, mehr als 189.000 Infizierte starben. Trump wird vorgeworfen, die Gefahr durch den Erreger lange unterschätzt zu haben und die Bürger immer wieder mit Äußerungen über angeblich vielversprechende Behandlungsmethoden in die Irre zu führen. In den landesweiten Umfragen sowie den Befragungen in mehreren als wahlentscheidend geltenden Bundesstaaten liegt Trump hinter seinem Herausforderer Joe Biden zurück.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP