Politik

Seltsame Bewegungen in Westpoint Trump weist Fragen zu Gesundheit zurück

US-Präsident Trump macht wieder Schlagzeilen, diesmal aber nicht wegen Äußerungen in der Corona-Krise oder zum Rassismus, sondern mit seinem Gesundheitszustand - ausgerechnet zu seinem 74. Geburtstag. Was war da los in der Militärakademie Westpoint?

Vor der Weltpresse hinfallen? Gerade für den US-Präsidenten ein Alptraum. Dass Donald Trump eine "rutschige" Rampe langsam und vorsichtig herunterging, sorgte im Netz umgehend für Spott - ausgerechnet zu seinem 74. Geburtstag. Ein zweiter Grund, warum das Schlagwort #Trumpisnotwell - Trump geht's nicht gut - am Wochenende zum Trend mit bissigen Bemerkungen auf Twitter wurde, ist ein weiterer Video-Schnipsel von einer Rede Trumps am Samstag in der Militärakademie West Point. Dort ist zu sehen, wie der US-Präsident beim Trinken die zweite Hand zu Hilfe nimmt, um das Glas an die Lippen zu führen. Aufnahmen dieser Art hatten auch schon in früheren Jahren für Verwunderung gesorgt. Zudem habe Trump Artikulationsschwierigkeiten beim Namen des Weltkriegsveteranen Douglas MacArthur gehabt, hieß es in US-Medien.

Trump sorgte mit einer Erklärung auf Twitter für zusätzliche Aufmerksamkeit: Die Rampe sei "sehr lang und steil" gewesen, habe kein Geländer zum Festhalten gehabt und sei vor allem sehr rutschig gewesen. "Das Letzte, was ich tun wollte, war hinzufallen, damit die Fake News damit Spaß haben." Trump erklärte, die letzten drei Meter der Rampe sei er sogar "gerannt". Reporter vor Ort gaben indes an, das Wetter sei trocken gewesen, zudem sei die Rampe nicht besonders steil gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trumps Gesundheitszustand in Frage gestellt wird, insbesondere von seinen politischen Kritikern. Dabei reichten die Spekulationen von früher Demenz bis hin zu einem leichten Schlaganfall. Ende Mai schien Trump bei einer Kranzniederlegung auf dem Nationalfriedhof in Arlington Probleme zu haben still zu stehen. Einige Kommentatoren mutmaßten aber, Trump könne lediglich erschöpft gewesen sein. Das Thema Alter und mangelnde Fitness ist Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf wichtig. So spottet er oft über seinen designierten demokratischen Herausforderer Joe Biden wegen sprachlicher Aussetzer und nennt ihn "Sleepy Joe" (Schläfriger Joe). Biden ist 77 Jahre alt.

Es ist eine Besonderheit in der US-Politik, dass Präsidenten ab und an offenlegen müssen, wie es um ihre Gesundheit bestellt ist. Rechtlich ist das nicht vorgeschrieben, es ist aber zu einer Art Ritual geworden, um das auch Donald Trump nicht herumkommt. Zum dritten Mal in seiner Amtszeit unterzog sich der US-Präsident Anfang Juni einem zur Veröffentlichung bestimmten Gesundheitscheck. Trumps Arzt Sean Conley schrieb in seinem kurzen Bericht, der Präsident sei weiterhin gesund.

Trump nahm Hydroxychloroquin

Davor hatte Trump wegen einer umstrittenen Einnahme des Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin zur Corona-Prophylaxe Schlagzeilen gemacht. Zwei Wochen lang nahm er das Präparat eigenen Angaben zufolge ein - obwohl es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit des Medikaments im Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt und die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) vielmehr auf Gesundheitsrisiken hinweist. Conley erklärte aber, Trump habe die Behandlung mit dem Mittel "sicher und ohne Nebenwirkungen" abgeschlossen.

Trump wiegt nach den aktuellen Werten, die stets in aller Ausführlichkeit mitgeliefert werden, gut 110 Kilogramm. Das ist in etwa so viel wie beim jüngsten Gesundheitscheck im vergangenen Jahr. Mit seiner Körpergröße von etwa 1,90 Metern liegt Trump bei der Berechnung des Body-Mass-Index damit aber weiter ganz knapp oberhalb der Schwelle von 30 und gilt damit in der Statistik als fettleibig. Beim Gesundheitscheck Anfang 2018 hatte Trump noch 108,4 Kilogramm auf die Waage gebracht. Trumps damaliger Leibarzt Ronny Jackson riet dem Präsidenten damals schon bei diesem Gewicht zum Abnehmen und verdonnerte ihn zu Diät und Sport. Ziel war nach den Worten von Jackson, dass Trump gut fünf Kilo verliert.

Damals hatte Trump auch seine geistigen Fähigkeiten offiziell überprüfen lassen. Dazu machte er einen Test, wie er unter anderem zur Früherkennung bei Verdacht auf Demenz und Alzheimer angewandt wird. Dabei muss der Patient etwa gezeichnete Tiere wie einen Löwen oder ein Nashorn erkennen oder einen Würfel nachzeichnen. Dazu kommen Fragen, die auf Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen abzielen. Trump bestand damals mit 30 von 30 Punkten - und hoffte wohl, mit diesem Resultat Spekulationen mit Blick auf seine mentale Fähigkeit zur Ausübung des Amtes ein Ende zu setzen. Im vergangenen und in diesem Jahr verzichtete er auf einen solchen Check.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP