Politik

Cohen fürchtete Entdeckung Trumps "Ratte" zerstörte eigenes Manuskript

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Michael Cohen bereitet dem Trump-Clan viel Arbeit.

(Foto: AP)

Der ehemalige persönliche Anwalt von US-Präsident Donald Trump soll während seiner Haftzeit das Manuskript seines Enthüllungsbuches verbrannt haben. Dabei hat Michael Cohen viel über Trump zu berichten. Der Präsident äußert sich deutlich zu seinem einstigen Vertrauten.

Michael Cohen, jahrelang persönlicher Anwalt von US-Präsident Donald Trump, soll während seiner Haftzeit das Originalmanuskript seines in Kürze erscheinenden Enthüllungsbuches über die Zusammenarbeit mit dem Chef des Weißen Hauses verbrannt haben - aus Angst, Trump-Loyalisten unter den Wachen könnten es entdecken, wie das US-Magazin "Vanity Fair" berichtete. Cohen musste im April wegen eines Konfliktes mit einem Mitgefangenen seine Zelle räumen und kam in Einzelhaft. Die Sorge, Justizbeamte könnten den Inhalt des Manuskripts an Medien und Trumps Mitarbeiter weitergeben, war offenbar so groß, dass Cohen seine rund 500 Seiten starken Erinnerungen lieber zerstörte.

In der ersten Nacht des Passahfestes, schreibt "Vanity Fair", habe sich Cohen "sein Manuskript geschnappt, sich auf den Weg zum Feuer gemacht", das für die jüdischen Insassen des Gefängnisses Otisville entzündet wurde, um Hametz oder Sauerteigprodukte zu backen, "und warf die Seiten hinein." Das Buch "Disloyal" wird dennoch in den nächsten Wochen erscheinen, Cohens Frau hatte eine Sicherungskopie auf einem USB-Stick.

"Ich weiß, wo die Leichen begraben sind"

"Ich habe für ihn Auftragnehmer betrogen, seine Geschäftspartner abgezogen, seine Frau Melania belogen, um seine Seitensprünge zu verstecken, und jeden gemobbt und angeschrien, der Trumps Weg an die Macht bedrohte", schreibt Cohen in einem online veröffentlichten Vorwort. Er habe "Golden Showers" - Sexpraktiken mit Urinieren - in Sexclubs in Las Vegas miterlebt, Steuerbetrug, Deals mit korrupten Beamten aus der früheren Sowjetunion und Verschwörungen, um Trumps heimliche Geliebte zum Schweigen zu bringen.

"Ich weiß, wo die Leichen begraben sind, weil ich derjenige war, der sie begraben hat. Auf gewisse Weise kannte ich ihn besser als seine Familie, denn ich wurde Zeuge des echten Mannes, in Stripteaseklubs, bei zwielichtigen Geschäftstreffen, und in den unbedachten Momenten, in denen er enthüllte, wer er wirklich war: ein Schwindler, ein Lügner, ein Betrüger, ein gemeiner Kerl, ein Rassist, ein Raubtier, ein Hochstapler." Das Weiße Haus bezeichnete das Buch laut dem Nachrichtensender CNN als reine "Erfindung". Cohen sei als Lügner bekannt.

Cohen war lange Zeit Trumps "Ausputzer" und Mann für zwielichtige Angelegenheiten. Im Zuge der Russland-Affäre kooperierte er dann aber mit Sonderermittler Robert Mueller und sagte vor dem Kongress aus. Trump bezeichnete ihn deswegen als "Ratte", was soviel wie Verräter bedeutet.

Cohen wurde im Dezember 2018 wegen Steuer- und Finanzdelikten sowie Falschaussagen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Anwalt hatte unter anderem vor der Präsidentschaftswahl 2016 Schweigegelder an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und ein früheres Playboy-Model gezahlt, die nach eigenen Angaben Affären mit Trump gehabt hatten. Cohen verstieß damit gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung.

Ärger ohne Ende für den Trump-Clan

Der langjährige Vertraute bereitet dem Trump-Clan auch über die Veröffentlichung seines Buches hinaus Ärger. Die New Yorker Staatsanwaltschaft geht inzwischen dem Verdacht nach, dass die Firmengruppe des US-Präsidenten falsche Angaben zum Wert ihres Eigentums gemacht hat, um Kredite zu bekommen. Auslöser für die Ermittlungen zu möglicherweise überhöhten Immobilienbewertungen waren Äußerungen von Trumps langjährigem Anwalt: Michael Cohen.

Außerdem wollen die Ermittler in dem Verfahren eine Aussage des Präsidentensohns Eric Trump sowie die Herausgabe zahlreicher Dokumente der Trump Organisation zu erzwingen, wie aus jüngst veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht. Eric Trump habe eine für Juli angesetzte Befragung abgesagt. Inzwischen lehne er es völlig ab, sich Fragen der Ermittler zu stellen, erklärte Generalstaatsanwältin Letitia James.

Wegen der Corona-Krise wurde Cohen im Mai aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen. Im Juli wurde er dann aber wieder in Haft genommen - nach Angaben seiner Anwälte, um sein Buchprojekt zu behindern. Ein Richter schloss sich dieser Auffassung an, sprach von einer "Vergeltungsmaßnahme" der Behörden und ordnete an, Cohen wieder in den Hausarrest zu entlassen.

Quelle: ntv.de, ter/AFP