Politik

Schulschließungen wegen Corona UN sorgen sich um eine ganze Generation

Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse gehen auf dem Schulhof ins Schulgebäude. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Die UN mahnen an, Schüler so schnell und so sicher wie möglich in den Unterricht zu bringen.

(Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild)

Eindringlicher Appell der Vereinten Nationen: Wer im Kampf gegen Corona auf Schulschließungen setzt, der riskiere nicht nur jahrzehntelangen Fortschritt, sondern auch eine Verschärfung der tief verwurzelten Ungleichheiten. Dort, wo die Pandemie unter Kontrolle sei, müsse Unterricht ermöglicht werden.

Die Vereinten Nationen warnen wegen der Schulschließungen im Kampf gegen das Coronavirus vor einer "Katastrophe für eine ganze Generation". Dass die Schüler sicher zurück in den Unterricht gehen könnten, müsse oberste Priorität haben, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Mitte Juli seien in rund 160 Ländern die Schulen geschlossen gewesen. Davon sei mehr als eine Milliarde Schüler betroffen, rund 40 Millionen Kinder hätten die Vorschule versäumt.

"Jetzt stehen wir vor einer Katastrophe für eine ganze Generation, durch die unermessliches menschliches Potenzial verschwendet, jahrzehntelanger Fortschritt untergraben und tief verwurzelte Ungleichheiten verschärft werden könnten", sagte er zum Start der UN-Kampagne "Save our Future". Sobald die erste Übertragung des Coronavirus vor Ort unter Kontrolle sei, müsse es höchste Priorität haben, die Schüler so sicher wie irgend möglich wieder in den Unterricht zu bringen, mahnte der UN-Generalsekretär. Die Beratung von Eltern, Betreuern, Lehrern und Jugendlichen sei dabei von grundlegender Bedeutung.

Normalität an Schulen eine Illusion?

Am Montag hat in Mecklenburg-Vorpommern als erstem Bundesland das neue Schuljahr mit regulärem Unterricht begonnen. Weitere Bundesländer folgen bald. Allerdings wird die Rückkehr zum Regelbetrieb von kritischen Stimmen begleitet. "Ich halte die Rückkehr zur gewohnten Normalität an den Schulen für eine Illusion und die Aufgabe von Abstandsregeln für sehr problematisch", sagte SPD-Chefin Saskia Esken der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft". Auch die Gewerkschaften VBE und GEW warnten zum Schuljahresbeginn vor den gesundheitlichen Risiken eines Normalbetriebes.

Eine intensive Debatte gibt es über die Maskenpflicht, die Nordrhein-Westfalen an bestimmten Schulen auch im Unterricht zur Pflicht macht. Nachdem sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek von der CDU am Wochenende für eine Maskenpflicht ausgesprochen hatte, ist die Debatte in mehreren Ländern in vollem Gange. Auch Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg haben - zum Teil bereits zuvor - angekündigt, im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht in Schulgebäuden einzuführen.

Ermutigende Corona-Studie in Sachsen

Im Zuge einer Corona-Studie im Mai und Juni an sächsischen Schulen wurden derweil bei 2600 Schülern und Lehrern keine akuten Infektionen gefunden. "Die akute Ansteckung lag bei null", sagte Professor Wieland Kiess vom Leipziger Universitätsklinikum bei der Vorstellung der Ergebnisse in Dresden. In 14 von über 2300 Blutproben fanden sich Antikörper und damit der Hinweis auf eine überstandene Infektion.

In einer zweiten Studie mit 900 Teilnehmern untersuchten die Experten die psychischen Folgen von Schulschließungen. Laut Kiess führten diese bei Kindern und Jugendlichen zum Verlust von Lebensqualität, zu stärkerer Mediennutzung sowie zu Zukunftssorgen.

Quelle: ntv.de, tno/rts/AFP/dpa