Politik
Schon jetzt sieht es in Ost-Aleppo an manchen Stellen so aus: Nur noch Schutt.
Schon jetzt sieht es in Ost-Aleppo an manchen Stellen so aus: Nur noch Schutt.(Foto: REUTERS)
Freitag, 25. November 2016

"Kein Ost-Aleppo mehr zu Weihnachten": UN warnen vor völliger Zerstörung

Fallen die Bomben wie bisher, wird Ost-Aleppo den UN zufolge in weniger als einem Monat komplett zerstört sein. Der Sondergesandte erwartet dann einen jahrelangen Guerillakrieg. Allein am Donnerstag starben erneut Dutzende Zivilisten, teilen Aktivisten mit.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat vor einer völligen Zerstörung des östlichen Teils von Aleppo im syrischen Bürgerkrieg gewarnt. Wenn das Bombardement so weitergehe wie derzeit, dann "wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben", sagte de Mistura der "SZ". Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebt.

Im belagerten Osten der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind nach seinen Angaben schätzungsweise 255.000 Menschen eingeschlossen. Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ost-Aleppo zu übernehmen, "wenn es fast zerstört ist", sagte de Mistura. In diesem Fall drohe aber eine "große Tragödie für die Menschen", und es würde "Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen".

Bei neuen Luftangriffen der syrischen Regierungstruppen auf den von Aufständischen kontrollierten Ostteil Aleppos wurden laut Aktivisten am Donnerstag mindestens 32 Zivilisten getötet, darunter fünf Kinder. Damit seien seit Beginn einer neuen Offensive der Armee zur Rückeroberung der Rebellenviertel am 15. November 188 Zivilisten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Viele Menschen seien noch unter den Trümmern verschüttet. Besonders schwer getroffen wurde das Viertel Bab al-Najrab, wo ein Armeehelikopter eine Fassbombe abwarf.

Den für Medien kaum überprüfbaren Angaben der oppositionsnahen Organisation zufolge wurden im gleichen Zeitraum durch Beschuss der Rebellen im Westteil der Stadt 16 Zivilisten getötet, darunter zehn Kinder. Die nordsyrische Großstadt ist seit dem Sommer 2012 zwischen Regierung und Rebellen geteilt. Seit Monaten versuchen die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad mit Unterstützung Russlands und des Irans, die Stadt wieder ganz unter ihre Kontrolle zu bringen.

De Mistura hatte am Wochenende versucht, eine Waffenruhe für Ost-Aleppo zu erreichen, das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe jedoch abgelehnt. Selbst wenn es der Regierung gelinge, Ost-Aleppo zurückzuerobern, könne der Konflikt nur durch eine politische Lösung dauerhaft beigelegt werden, betonte der Sondergesandte. Andernfalls befürchte er "für die nächsten Jahre einen fortgesetzten Guerillakrieg in den ländlichen Gebieten sowie Autobomben in den Städten".

Quelle: n-tv.de