US-Wahl 2020

Kampf um US-Kongress Alte Machtverteilung und neue Gesichter

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Mark Kelly wurde durch das Attentat auf seine Frau Gabrielle Giffords politisiert.

(Foto: REUTERS)

Trump-Loyalisten feiern den Einzug in den Senat und linke Abgeordnete wie Alexandria Ocasio-Cortez verteidigen ihren Platz. Ein bunt gemischter Kongress erwartet den US-Präsidenten.

Am Dienstag waren die US-Amerikaner nicht nur aufgerufen, ihre Stimme für den künftigen US-Präsidenten abzugeben. Sie votierten auch über das Schicksal von zahlreichen Abgeordneten im Repräsentantenhaus und Senat. Unter dem Motto "Flip the Senate" wollten sich die Demokraten eigentlich eine Mehrheit in der Kongress-Kammer sichern. Doch an den Republikanern führte kein Weg vorbei: Sie bleiben vermutlich mit einem hauchdünnen Vorsprung die stärkste Kraft. Anders im Repräsentantenhaus, dort konnten die Demokraten ihre Mehrheit - Stand jetzt - verteidigen.

Auch wenn noch nicht feststeht, wer der nächste Präsident wird: Fakt ist, dass er mit einem geteilten Kongress regieren muss. Einige Sieger der Kongresswahl im Überblick:

Ehemaliger Astronaut zieht in den Senat
Für Arizona gewann der ehemalige Nasa-Astronaut Mark Kelly einen Senatssitz. Kelly konnte sich für die Demokraten gegen die amtierende Senatorin Martha McSally durchsetzen. McSally folgte im August 2018 auf den verstorbenen Senator John McCain. Der 56-jährige Kelly setzt sich seit einem Attentat auf seine Frau für eine stärkere Waffenkontrolle in den USA ein. Seine Frau Gabrielle Giffords, ebenfalls Politikerin, wurde 2011 von einem Attentäter angeschossen, überlebte den Angriff aber schwerverletzt. Kelly wird von den Demokraten nicht allein von Arizona nach Washington geschickt: Mit Kyrsten Sinema zieht eine weitere Demokratin in den Senat ein. Zum ersten Mal seit 67 Jahren entsendet der Bundesstaat zwei Demokraten.

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Transgender-Politikerin verstärkt die Demokraten
Erstmals ist eine Transgender-Politikerin in den US-Senat gewählt worden. Im Ostküsten-Staat Delaware wurde die 30-jährige Sarah McBride mit 86 Prozent als Senatorin gewählt. Sie hoffe, die Wahl zeige Transgender-Kindern, "dass unsere Demokratie auch für sie groß genug ist", schrieb die Kandidatin der Demokraten zu ihrem Wahlsieg auf Twitter. McBride setzte sich in ihrer Kampagne für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender- und queeren Menschen (LGBTQ) ein. In der Vergangenheit hatte sie im Weißen Haus unter Ex-Präsident Barack Obama ein Praktikum absolviert.

QAnon-Anhängerin schafft es ins Repräsentantenhaus
Für die Republikaner schafft es Marjorie Taylor Greene ins US-Repräsentantenhaus. Im Bundesstaat Georgia setzte sie sich gegen ihren demokratischen Rivalen durch. Die 46-Jährige, die sich noch nie um ein politisches Amt beworben hatte, sprach auf Twitter von einem "großen Sieg". US-Präsident Donald Trump hatte Greene vor zwei Monaten als "künftigen republikanischen Star" bezeichnet. Die 46-Jährige hatte im August die Vorwahlen der Republikaner gegen einen gemäßigten Kandidaten gewonnen. Im Wahlkampf für die Kongresswahl setzte sie dann auf das Motto "Rettet Amerika, stoppt den Sozialismus", posierte in Videos mit einem Sturmgewehr und warnte vor "Antifa-Terroristen".

"The Squad" arbeitet weiter zusammen im US-Senat.

"The Squad" arbeitet weiter zusammen im US-Repräsentantenhaus.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

"The Squad" hat Bestand
Dass die Demokraten trotz solcher republikanischen Siege Hoffnung haben, ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu halten, liegt an ihrer Stärke andernorts. So konnten zum Beispiel die Mitglieder der "The Squad" genannten links gerichteten Abgeordneten-Gruppe ihre Sitze verteidigen. Neben Alexandria Ocasio-Cortez aus New York ziehen Ayanna Pressley aus Massachusetts, Rashida Tlaib aus Michigan und Ilhan Omar aus Minnesota wieder in die Kammer ein.

Senat statt Weißes Haus
In Colorado konnte sich der ehemalige Gouverneur und demokratische Präsidentschaftsbewerber John Hickenlooper deutlich gegen den bisherigen Senator Cory Gardner durchsetzen.

Trump-Loyalist bleibt wohl Mehrheitsführer
Mitch McConnel, der Mehrheitsführer im Senat, setzte sich in Kentucky klar gegen Amy McGrath durch. Die Demokraten hatten sich erhofft, mit der Kriegs-Veteranin bei den konservativen Wählern in Kentucky zu punkten. Die Partei hat Millionen US-Dollar in ihren Wahlkampf gesteckt - vergebens. Der 78-jährige McConnell gilt als Trump-Loyalist. Er hatte unter anderem dafür gesorgt, dass der US-Präsident noch vor der Wahl die konservative Juristen Amy Coney Barrett zur Richterin am Supreme Court machen konnte.

Quelle: ntv.de, dhe