US-Wahl 2020

Hauptsache, er hat ein Publikum Trump wird auf Sendung bleiben

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Das Weiße Haus muss Trump am 20. Januar verlassen.

(Foto: AP)

Seit Jahren wird gemutmaßt, dass Donald Trump einen Sender aufbaut, um seine Botschaft zu verkünden. Mittlerweile gehen die Gerüchte eher in Richtung Internet-Medium, denn das ist billiger. Sicher ist: Verschwinden wird Trump nicht.

Schon vor gut vier Jahren wurde darüber spekuliert: Was wird Donald Trump machen, wenn er die Präsidentschaftswahl verloren hat? Ob er sich diese Frage 2016 auch selbst gestellt hat, ist unbekannt. Nach der Wahl hatte er ja einen Job.

Das damals beliebteste Gerücht: Trump gründet einen Fernsehsender. "Vanity Fair" berichtete seinerzeit, er habe bereits mit Tochter Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared Kushner über entsprechende Pläne gesprochen. "Ob wir gewinnen oder verlieren, wir sind hier auf was gestoßen", zitierte das Magazin den damaligen Präsidentschaftskandidaten. Worauf er gestoßen war? Auf Menschen, die ihn sehen wollten. Auf Publikum. Ihn störte, so die Zeitschrift, dass er die Quoten der Medien hochtrieb und ihnen damit Einnahmen verschaffte, selbst aber nichts abbekam.

Den Job, den er 2016 bekam, wird Trump nun abgeben müssen, auch wenn er sich noch sträubt. Dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht und Bilder malt, wie George W. Bush es getan hat, oder sich einer Stiftung widmet wie Jimmy Carter oder Barack Obama - das glaubt vermutlich niemand. "Ob er gewinnt oder verliert, er wird nicht still verschwinden", schrieb die "New York Times" am Tag nach der Wahl, als der Ausgang noch nicht feststand. Schon seit langem spiele Trump mit der Idee, seinen eigenen Fernsehsender zu gründen, um gegen Fox News zu konkurrieren.

"Er will Fox News vernichten"

Dieser Impuls dürfte nach der Wahlnacht noch stärker geworden sein. Noch vor CNN oder MSNBC - Sender, die Trump als "Feinde des Volkes" und "Fake News" bezeichnet - verkündete Fox News den Sieg des Demokraten Joe Biden in Arizona. Noch in der Wahlnacht soll Trump beim Besitzer des Senders, dem australisch-amerikanischen Medientycoon Rupert Murdoch, angerufen und diesen angebrüllt haben. Der Bruch, der sich schon seit einiger Zeit angedeutet hatte, schien damit vollzogen zu sein.

Dabei war Fox News in den vergangenen Jahren einer der loyalsten und wichtigsten Unterstützer des Präsidenten. Im Wahlkampf machten Moderatoren des Senders mit wüsten Tiraden Stimmung gegen die Demokraten und verleumdeten sie als "radikale Linke". Trump selbst rief als Präsident immer wieder in der Morgen-Show "Fox & Friends" an, um mit den Moderatoren über alles Mögliche zu plaudern - etwa darüber, dass er kein Geburtstagsgeschenk für seine Frau besorgt hatte, und auch über Politik. Die Fragen waren so, wie es sich aus Trumps Sicht für anständige Journalisten gehört, nicht kritisch, sondern unterwürfig.

Von der Idee eines eigenen Fernsehsenders ist Trump mittlerweile offenbar abgekommen. Die Nachrichtenseite Axios meldet, Trump habe einen neuen Plan: Er wolle ein digitales Medienunternehmen gründen, weil dies preisgünstiger und weniger aufwändig sei als ein Fernsehsender. Das klingt plausibel, zumal es um die Finanzen des scheidenden Präsidenten nicht gut bestellt sein soll. Aber noch immer geht es um Fox News: Trump wolle den Sender "vernichten", zitiert Axios eine Quelle.

Der Riss geht durchs Ego

Doch vielleicht ist alles auch ganz anders. Die "Washington Post" etwa spekuliert, Trump könne als Kommentator zu Fox News gehen, denn eigentlich gab es gar keinen Bruch zwischen den beiden. Auf beiden Seiten ist es eine Art Hassliebe: Die radikalen Kommentatoren bei Fox News bejubeln alles, was der Präsident macht, während die Nachrichtenfraktion im Haus auch gelegentlich skeptische Töne hören lässt (diese Fraktion soll denn auch verantwortlich dafür gewesen sein, dass Arizona vom Sender als Sieg für Biden ausgerufen wurde).

Bei Trump geht der Riss dagegen mitten durchs eigene Ego. Noch immer twittert er Ausschnitte aus Sendungen seiner Gefolgsleute bei Fox News: Sean Hannity, Laura Ingraha, Lou Dobbs. CNN-Journalist Brian Stelter hält es gar für möglich, Trump könne eine Talkshow bei Fox News übernehmen, indem er beispielsweise Hannity beerbt. Stelter beschreibt das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und Murdoch so: "Trump und Fox-Partriarch Rupert Murdoch hatten in den vergangenen fünf Jahren eine Zweckehe. Trump droht mit Scheidung, aber Fox kennt diese unruhigen Phasen schon."

Es könnte noch eine ganz andere Lösung geben. Das Revolverblatt "New York Post", das ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehört, verbreitet das Gerücht, Trump könne Nachfolger von Alex Trebek werden, dem gerade verstorbenen langjährigen Moderator der Quizsendung "Jeopardy". Für Trump, dessen eigene TV-Karriere 2004 mit der Reality-Show "The Apprentice" begann, wäre es eine Rückkehr ins Unterhaltungsgeschäft - wobei man natürlich argumentieren könnte, dass er das nie verlassen hat. Wichtig war und ist für Trump ohnehin nur eines: Dass er ein Publikum hat, dem er erzählen kann, wie großartig er ist und wie schlimm die anderen sind.

Quelle: ntv.de