US-Wahl 2020

"Pack deinen Scheiß und geh" Trump wurde beim Golfen besiegt

6cee85fd9942c034d739450df12fe2bc.jpg

Trump beim Golfen, erstmals als Wahlverlierer, in Virginia.

(Foto: AP)

Als die amerikanischen Medien den Wahlsieg von Joe Biden verkünden, kommt Donald Trump gerade bei einem seiner Golfclubs an. Er spielt, lässt sich bejubeln und fährt vier Stunden später wieder ins Weiße Haus.

Um kurz vor halb sechs deutscher Zeit, um 11.24 Uhr Ostküstenzeit in den USA, ist es so weit: Als erster Sender verkündet CNN den Wahlsieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. Für viele Amerikaner wird dies ein Moment sein, von dem sie ihr Leben lang wissen werden, wo sie zu diesem Zeitpunkt waren.

Bidens künftige Vizepräsidentin beispielsweise scheint beim Joggen gewesen zu sein. Eine knappe Stunde nach der Breaking News bei CNN postete sie bei Twitter einen acht Sekunden langen Film, in dem sie im Grünen steht, Sportzeug trägt, ein Handy am Ohr hat und strahlend sagt: "Wir haben es geschafft, Joe. Du wirst der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein." Dann lacht sie noch.

Die Rechtsanwälte des abgewählten Präsidenten befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Philadelphia und hielten eine Pressekonferenz ab, die Donald Trump zuvor auf Twitter angekündigt hatte. Ursprünglich hatte er sie für 11 Uhr Ortszeit angekündigt, dann für 11.30 Uhr. Eine halbe Stunde früher hätte sich vielleicht noch jemand dafür interessiert, was Rudy Giuliani und Kollegen auf dem Gelände einer Gartenbaufirma zu erzählen gehabt haben.

(Der Vollständigkeit halber: Giuliani brachte drei Wahlbeobachter mit, die sagten, sie seien daran gehindert worden, die Auszählung adäquat zu verfolgen. Der frühere New Yorker Bürgermeister erklärte, er habe 25 schriftliche Statements und habe mit insgesamt 50 Wahlbeobachtern gesprochen, die ähnliche Geschichten hätten. "Ich hätte ungefähr 50 mitbringen können", sagte Giuliani. Das habe er aber nicht getan, weil "50 zu viel" sei.)

Und was tat der Präsident zu diesem wichtigen Zeitpunkt? Er tat, was er in den vergangenen vier Jahren so häufig getan hat, dass es Webseiten gibt, die mitzählen, wie häufig er es tut: Er spielte Golf und wurde dabei von Zuschauern bejubelt, wie auf einem Twitter-Video zu sehen ist. Nach dem Golfen posierte er noch für ein Foto mit einer Frau im Brautkleid, die am selben Tag in seinem Golfclub in Virginia heiratete.

Es war der erste Ausflug aus dem Weißen Haus seit der Präsidentschaftswahl am vergangenen Dienstag. Einen Kommentar zum Wahlausgang gab der Präsident den Tweets zufolge nicht ab. Laut einem Bericht aus dem Journalistentross, der Trump begleitete, kam Trump um 10.39 Uhr Ortszeit am Golfclub an und verließ ihn um 14.32 Uhr wieder. Um 15.12 Uhr war die Autokolonne wieder am Weißen Haus. Trump winkte den Journalisten und verschwand wortlos im Gebäude.

Den sogenannten Pool-Berichten zufolge wurde Trumps Autokolonne auf dem Weg in den Club das Zeichen des nach unten gestreckten Daumens entgegengehalten. Die Wagen fuhren außerdem an einer Person vorbei, die ein Schild mit der Aufschrift "Good Riddance" trug, zu Deutsch etwa: Auf Nimmerwiedersehen. Ein weiteres Schild gab dem Präsidenten den Rat: "Pack deinen Scheiß und geh".

Der Grund, warum mitgezählt wird, wie häufig Trump Golf spielt, liegt übrigens darin, dass er seinem Vorgänger Barack Obama in dessen Amtszeit mehrfach vorwarf, Golf zu spielen, statt zu regieren.

Quelle: ntv.de, hvo