Politik
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Dienstag, 05. August 2014

Ziel war eine Rebellion: USA finanzierten Spione auf Kuba

Zwölf junge Lateinamerikaner reisen durch Kuba, geben sich als Touristen aus und klären über die Gefahr von Aids auf. Was zunächst niemand ahnt: Sie sind Spione der USA, finanziert von der Entwicklungshilfeorganisation USAID. 

Kurz nach seinem Amtsantritt spricht US-Präsident Barack Obama über Kuba. Die USA suchten "einen neuer Anfang", sagt er im April 2009, nach Jahren des gegenseitigen Misstrauens und Feindseligkeit. Doch gleichzeitig beginnt seine Regierung eine Mission alter Schule: Über die staatliche Entwicklungshilfeorganisation USAID werden junge Lateinamerikaner angeworben, die auf Kuba eine Rebellion vorbereiten sollen.  Das berichtet die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Zwölf junge Leute aus Peru, Venezuela und Costa Rica bewegten sich demnach ab Oktober 2009 auf der Insel und suchten nach Dissidenten. Sie tarnten sich als Touristen oder Gesundheitsexperten. In dieser Rolle veranstalteten sie beispielsweise Workshops zur HIV-Prävention. Intern wurden solche Aktionen als "perfekte Ausrede für die politischen Ziele" bezeichnet, wie interne Dokumente zeigen. Besonders ausgebildet waren die jungen Aktivisten nicht. Einer gab an, er habe ein 30-minütiges Seminar über den kubanischen Geheimdienst erhalten.

Zur Tarnung kommunizierten die Zwölf mit Codewörtern und -sätzen. "Ich habe Kopfschmerzen" bedeutete demnach, dass sie möglicherweise überwacht würden. "Deine Schwester ist krank" soll eine Anweisung gewesen sein, eine Reise abzukürzen. Ihre Laptops tarnten sie mit harmlosen Inhalten und nutzten verschlüsselte USB-Sticks zur Kommunikation. USAID spielte etwaige Gefahren gegenüber den ungelernten Spionen herunter. Die kubanischen Behörden würden ihnen allenfalls Angst einjagen, aber sie bestimmt nicht schlagen. Kuba wolle schlechte Presse im Ausland vermeiden, hieß es laut den Berichten in einem Memo der Entwicklungshilfeorganisation.

Kubanische Behörden schöpfen Verdacht

Erst kürzlich hatte AP eine andere US-Spionageaktion auf der sozialistischen Insel aufgedeckt. So finanzierten die USA einen Twitter-Account in Kuba, der ebenfalls eine Rebellion anstiften sollte - das Projekt firmierte unter dem Titel "ZunZuneo", blieb aber erfolglos. 2010 wurde der US-Entwicklungshelfer Alan Gross in Kuba verhaftet und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, verbotene Satellitenfunkanlagen ins Land gebracht zu haben.

Über den Erfolg der jungen Spione ist wenig bekannt. Auch wie lange sie sich auf Kuba aufhielten, geht aus den Berichten nicht hervor. Klar ist jedoch, dass die Aktion auch noch fortgeführt wurde, als Gross inhaftiert wurde. Die kubanischen Behörden schöpften schließlich Verdacht, als sie sich fragten, wie sich die jungen Reisenden eigentlich finanzierten. Ob dieser Verdacht etwas mit dem Abbruch der Aktion zu tun hatte, ist aber nicht klar.  

Die USA dementieren die Vorwürfe. USAID teilte mit, dass die jungen Leute Programme der Zivilgesellschaft unterstützt hätten und demokratischen Bestrebungen eine Stimme geben wollten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Entwicklungshelfer Geheimdienstziele verfolgen. So waren Mitarbeiter von USAID Berichten zufolge auch an der Ergreifung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beteiligt. Sie führten in Pakistan ein Impfprogramm durch, um über die DNA-Daten Hinweise auf seinen Aufenthaltsort zu finden.

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Quelle: n-tv.de