EU fordert DeeskalationUSA stellen sich in Afghanistan-Konflikt hinter Pakistan

Pakistans Verteidigungsminister spricht von einem "offenen Krieg" mit den Taliban. Beide Länder greifen einander seit Tagen an. Die USA stellen sich nun hinter Islamabad und gegen die Terrorgruppe.
Die USA haben Pakistan im eskalierenden Konflikt mit den in Afghanistan herrschenden Taliban den Rücken gestärkt. "Die Vereinigten Staaten unterstützen das Recht Pakistans, sich gegen Angriffe der Taliban zu verteidigen", teilte ein Sprecher des US-Außenministeriums mit. Die Taliban seien eine "besonders ausgewiesene globale Terrorgruppe" ("Specially Designated Global Terrorist group"). "Die Taliban haben ihre Zusagen zur Terrorismusbekämpfung immer wieder nicht eingehalten", hieß es in der Stellungnahme weiter.
Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif hatte zuvor von einem "offenen Krieg" mit den Taliban gesprochen. Dem Konflikt waren am vergangenen Wochenende pakistanische Luftangriffe auf afghanisches Gebiet vorausgegangen. Pakistan bombardierte nach eigenen Angaben Taliban-Ziele in afghanischen Städten, darunter in der Hauptstadt Kabul und in Kandahar. Die afghanischen Taliban reagierten daraufhin am Donnerstag mit Gegenangriffen entlang der Grenze.
Hintergrund des Streits zwischen den ehemaligen Verbündeten ist vor allem der Vorwurf Pakistans, dass die seit 2021 wieder in Kabul herrschenden Taliban pakistanischen Extremisten aus demselben Lager Unterschlupf bieten. Die Taliban weisen das zurück. Das atomar bewaffnete Pakistan ist Afghanistan auch bei konventionellen Waffen weit überlegen. Das Land ist ein wichtiger Nicht-Nato-Verbündeter Washingtons.
Die Taliban sind jedoch versiert in der Guerillakriegsführung und führten jahrzehntelange Kämpfe mit von den USA geführten Streitkräften. Nachdem sich Washington 2021 plötzlich zurückzog, kamen die Taliban in Afghanistan wieder an die Macht. Im derzeitigen Konflikt mit Pakistan erklärten sie sich nun zu Verhandlungen bereit.
Die EU hat angesichts der Eskalation der Spannungen zwischen den Nachbarländern alle Akteure "zu einer sofortigen Deeskalation und zur Einstellung der Feindseligkeiten" aufgerufen. Die Gewalt könnte "schwerwiegende Folgen für die Region haben", warnte der EU-Rat in einer Stellungnahme zu dem Konflikt.
Das afghanische Hoheitsgebiet dürfe nicht dazu genutzt werden, andere Länder zu bedrohen oder anzugreifen, hieß es weiter. Die EU fordere die afghanischen Machthaber auf, "wirksame Maßnahmen gegen alle terroristischen Gruppen zu ergreifen, die in oder von Afghanistan aus operieren". "Wir fordern beide Seiten nachdrücklich auf, in einen Dialog zu treten", heißt es in der Mitteilung. Das Völkerrecht müsse von allen Akteuren eingehalten und die Zivilbevölkerung geschützt werden.