Politik

Russen erobern Krim-Stützpunkt Ukrainer gefesselt und weggebracht

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Die Marine-Basis in Feodosia war einer der letzten Stützpunkte des ukrainischen Militärs auf der Krim.

(Foto: REUTERS)

Hubschrauber, Panzer, Blendgranaten - das russische Militär erobert einen der letzten ukrainischen Stützpunkte auf der Krim. Die ukrainischen Soldaten werden gefesselt und auf LKW weggefahren. Ihr Schicksal ist unbekannt. Die G7 beraten über die Lage.

Russische Soldaten haben auf der Krim den ukrainischen Marine-Stützpunkt in Feodosia besetzt. Die Russen hätten bei der Erstürmung der Basis gepanzerte Fahrzeuge und Helikopter eingesetzt, berichtete der ukrainische Militärsprecher auf der Krim, Wladislaw Selesnew. Demnach waren Schüsse zu hören gewesen, zudem seien Blendgranaten eingesetzt worden. Nach zwei Stunden hätten drei Lastwagen mit gefesselten ukrainischen Soldaten den Stützpunkt verlassen. Die Marinebasis in Feodosia war eine der letzten Stützpunkte auf der Krim in der Hand des ukrainischen Militärs.

Der ukrainische Verteidigungsminister Igor Tenjuch bezeichnete die Lage auf der Krim zuletzt als "komplex" und bedauerte die kampflose Übernahme der Stützpunkte und Schiffe. "Sie wissen, dass in den vergangenen Tagen Schiffe blockiert und übernommen wurden, obwohl alle Kommandanten den Befehl zum Einsatz der Waffen hatten", sagte der Minister. Die russischen Streitkräfte hatten bereits einige Zeit vor der Eingliederung der Krim die Kontrolle über die Halbinsel übernommen und die ukrainischen Militäreinheiten in ihren Stützpunkten eingeschlossen.

Derweil wächst im Westen der Halbinsel Krim die Sorge vor neuen Gebietsansprüchen Russlands. Die Nato zeigte sich beunruhigt über die russische Truppenpräsenz an der Ostgrenze der Ukraine. Die Streitkräfte seien so stark, dass sie im Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien auch eine Bedrohung für die frühere Sowjetrepublik Moldau darstellen könnten, sagte Oberkommandeur Philip Breedlove. Außenminister Frank-Walter Steinmeier drohte Moskau mit schärferen Sanktionen, falls sich die Krise ausweite.

Obama in Den Haag: G7 beraten über Krise

US-Präsident Barack Obama und die anderen Staats- und Regierungschefs der führenden sieben Industriestaaten (G7) beraten von heute an in Den Haag über die Ukraine-Krise. Am Rande eines Gipfels von 53 Staatenlenkern über den Schutz von Nuklearmaterial vor Terroristen will die Siebener-Gruppe ein Zeichen der Gemeinsamkeit und Geschlossenheit gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin setzen. Die G7 wird Russland voraussichtlich davor warnen, die Lage in der Ukraine weiter zu destabilisieren und etwa Truppen in den Osten der Ukraine zu schicken. Zu dem Gipfel kommt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In Donezk in der Ostukraine forderten mehrere tausend Menschen ein Referendum über eine Abspaltung, viele Demonstranten unterzeichneten Probestimmzettel. Für zusätzliche Unruhe sorgten Spekulationen über eine Konzentration russischer Streitkräfte an der Grenze. Moskau wies diese Berichte zurück. Russland halte sich an alle internationalen Vereinbarungen, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow.

Nato erwägt Truppenbewegung

In der Nato wird inzwischen die Verlegung von Truppen erörtert. Oberkommandeur Breedlove sagte, die Allianz müsse angesichts der russischen Truppenstärke an der ukrainischen Grenze über die Stationierung und Einsatzbereitschaft ihrer Kräfte nachdenken. Das gelte besonders für das Baltikum, aber auch für andere Orte.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen setzt angesichts der Krise auf eine starke Rolle der Nato. "Jetzt ist für die Bündnispartner an den Außengrenzen wichtig, dass die Nato Präsenz zeigt", sagte die CDU-Politikerin dem "Spiegel". In der Großen Koalition sorgte sie damit für Irritationen. Der SPD-Außenexperte Niels Annen warf ihr vor, zur Eskalation beizutragen.

Quelle: ntv.de, ppo/fma/dpa/rts/AFP

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