Standhaft oder Leichtsinn?Unfassbare Aktion von Arbeiterin bei Angriff verblüfft sogar Ukrainer
Seit fast vier Jahren läuft der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Einwohner haben viel Schreckliches durchgemacht. Eine Arbeiterin in Lwiw lässt sich nicht mal durch einen Drohneneinschlag in direkter Nähe aus der Ruhe bringen. Der Bürgermeister zeigt sich beeindruckt - warnt die Frau aber auch.
Eine 59-Jährige ist nach einem Angriff auf die westukrainische Stadt Lwiw zu einem Symbol für Standhaftigkeit in besonders schweren Zeiten geworden. Die Frau hatte an einem Denkmal Schnee geschippt, als es einen russischen Luftangriff gab. Auf einer Überwachungskamera war zu sehen, wie mindestens ein brennendes Fragment direkt neben der Frau einschlägt. Die ließ sich den Aufnahmen zufolge aber nur wenige Sekunden beirren und setzte ihre Arbeit dann fort.
Der US-Auslandssender Radio Liberty konnte die Frau ausfindig machen und mit ihr sprechen. Sie heißt demnach Olga und wurde durch den Angriff nicht verletzt. Sie habe mit einem Kollegen eine Busstation gereinigt und nicht gewusst, dass eine russische Shahed-Drohne angreift, sagte die 59-Jährige. Die Polizei habe zuvor gewarnt, wegzulaufen, erzählte Olga.
In einem Telefonat zeigte sich Lwiws Bürgermeister Andrij Sadowyj erstaunt: "Ihr Mut hat jeden in der Ukraine beeindruckt." Sadowyjv erkundigte sich zudem nach Olgas Gesundheitszustand und dankte für ihre Arbeit. Gleichzeitig bat er sie aber auch, sich das nächste Mal bei einem Luftalarm in einen Schutzraum zu begeben. "Ich verstehe, dass geräumt werden muss, aber Sicherheit steht an erster Stelle."
Da es in der Ukraine in vielen Regionen ständig Luftalarme gibt, werden diese immer wieder nicht ernst genommen und keine Schutzräume aufgesucht. In sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Reaktionen auf Olga. "Die Ukraine steht. Russland versagt", schrieb Ex-Verteidigungsminister Oleksii Resnikow.
Bei dem Angriff schlug eine Drohne an einem Spielplatz neben einem Denkmal des ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera ein. Eine Person wurde dabei leicht verletzt.
"Bewundere meine Mitmenschen"
Die Ukraine erlebt derzeit den härtesten Winter seit Kriegsbeginn. Vor allem im Raum Kiew ist die Situation extrem. Nach russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur mussten dort bei eisigen Temperaturen Zehntausende Menschen ohne Strom, Wasser und Heizung auskommen. Nach Angaben von Bürgermeister Vitaly Klitschko vom Donnerstag sind immer noch etwa 300 mehrstöckige Gebäude in der Stadt ohne Heizung.
Trotz der sehr schwierigen Situation, in der ganze Häuserblocks zufrieren, zeigen viele Menschen eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit. "Ich bewundere meine Mitmenschen immer wieder aufs Neue", schrieb der ukrainische Journalist Illia Ponomarenko.
"Ich bin gerade bei Minus 12 Grad, grauem, gefrorenem Himmel und windigem Schneefall durch meine Nachbarschaft in Butscha gefahren. Es gibt keinen Strom, was bedeutet, dass auch keine Heizung funktioniert", so Ponomarenko. Dennoch seien der Friseursalon, die Sushi-Bar und die Konditorei geöffnet. "Der Supermarkt wird vollständig mit einem Dieselgenerator betrieben."
Auch in den nächsten Tagen herrschen in der Ukraine Minustemperaturen. Die Höchsttemperatur soll laut Vorhersagen bei minus 13 Grad liegen.
