Politik

Debatte um Syrien-Rückkehrer Viertes IS-Kind nach Deutschland gebracht

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Im Nordosten Syriens sollen sich 117 Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit befinden.

(Foto: imago/epd)

Europa solle IS-Anhänger mit ausländischem Pass in ihre Staaten zurückholen, das fordert US-Präsident Trump immer wieder - auch von Deutschland. Die aktuelle Situation sei "nicht fair" gegenüber den Vereinigten Staaten. Bundeskanzlerin Merkel hält dagegen.

Die Bundesregierung hat ein viertes Kind von Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Deutschland gebracht. Das Mädchen wurde mit einem Ambulanzflug in die Bundesrepublik geflogen.

Das zehn Monate alte Baby Sofia soll laut der "Bild"-Zeitung zur Behandlung in ein Krankenhaus nach Berlin gekommen sein und soll dann von Verwandten betreut werden. Das kranke Baby war zusammen mit drei Waisenkindern aus dem Flüchtlingslager Al-Hol in Syrien in das nordirakische Kurdengebiet gebracht worden, musste dort aber erst gesundheitlich stabilisiert werden.

In den Gefangenenlagern in Syrien sitzen mehrere Tausend IS-Angehörige mit ausländischem Pass. Die meisten von ihnen werden im Norden Syriens von kurdischen Gruppen festgehalten. Bei der Frage nach dem Umgang mit den Kämpfern herrscht schon länger Uneinigkeit. US-Präsident Trump hat Europa während des G7-Gipfels in Biarritz erneut aufgefordert, in Syrien gefangene Kämpfer der Terrormiliz zurückzunehmen. Die aktuelle Situation sei "nicht fair" gegenüber den Vereinigten Staaten, sagte Trump bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die IS-Kämpfer sollten dahin zurückgebracht werden, wo sie herkommen, sagte Trump. Deutschland und andere EU-Länder stehen dem allerdings äußerst skeptisch gegenüber.

Merkel betonte aber, dass Deutschland bereits Familienangehörige der Kämpfer - wie zum Beispiel Kinder - aufgenommen habe. Man werde das Vorgehen mit den anderen europäischen Staaten koordinieren und mit den USA zusammenarbeiten. Es handele sich um eine "gemeinsame Verantwortung". Trump betonte, dass die IS-Kämpfer hauptsächlich aus Europa kommen - dazu gehörten etwa Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Rückkehr unter schwierigen Bedingungen

Nach den Worten von Außenminister Heiko Maas arbeitet die Bundesregierung zurzeit unter schwierigen Bedingungen daran, weitere Kinder von IS-Kämpfern nach Deutschland zu holen. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch weitere Kinder Syrien verlassen können", hatte Maas in Berlin gesagt.

Im Nordosten Syriens sollen sich nach Angaben des Rojava Information Center (RIC) 117 Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit befinden. Dazu kämen 21 Kinder von Deutschen, die aber keine deutsche Staatsangehörigkeit hätten, sowie Dutzende Frauen und 66 Männer, von denen mehr als 40 an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein sollen. Die Bundesregierung sprach zuletzt von 68 Frauen aus Deutschland und mehr als 120 Kindern.

Die von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte, die Tausende Kämpfer der Terrormiliz gefangen genommen haben, warnen immer wieder, sie seien mit der großen Anzahl IS-Anhänger in den Gefangenenlagern überfordert.

Quelle: n-tv.de, cpf/dpa