Politik

Ukraine-Krieg bei "Stern TV" Wagenknecht: Bei Atomkrieg hilft auch kein Bunker

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Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht fürchtet eine Ausweitung des Konflikts in der Ukraine

(Foto: picture alliance / Flashpic)

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Wegen des Krieges in der Ukraine droht Russlands Präsident Putin dem Westen mit einem Atomkrieg. Viele Menschen haben Angst. Mit Recht? Darüber diskutieren die Gäste bei "Stern TV" am Sonntag.

Im russischen Fernsehen lief vor einigen Tagen ein Propagandafilm. Darin war ein verwüstetes Westeuropa zu sehen. Denn Russlands Präsident Wladimir Putin hat mit einem Atomkrieg gedroht, weil der Westen schwere Waffen in die Ukraine liefert. Von Russland aus könnte eine Atombombe bis nach Berlin keine zwei Minuten brauchen.

Doch ist die Angst vor einem Atomkrieg gerechtfertigt? Und wo könnte man sich vor einem Krieg verstecken? Öffentliche Schutzräume gibt es nur für gerade mal 0,6 Prozent der Bevölkerung. Niemand will sich so ein Szenario vorstellen.

"Putin ist unberechenbar"

Anke Neckar ist beunruhigt. Das sagt die Kölner Bloggerin bei Stern TV am Sonntag auf RTL. Doch nicht der Krieg an sich macht ihr Angst. Es ist "die Person". Damit meint sie Wladimir Putin. "Er ist unberechenbar", sagt die Herausgeberin des Blogs Lächeln und Winken. "Die Sache läuft für ihn nicht so gut. Das macht ihn noch unberechenbarer." Davon ist Anke Neckar überzeugt. In den ersten Tagen des Krieges hat sie nachts nicht geschlafen. Sie hat sich Sorgen gemacht - vor allem um ihre Familie. Dabei ist sie eigentlich kein ängstlicher Mensch. Für die Bloggerin ist klar, wo sie sich im Ernstfall verstecken wird: "Ich würde wohl in eine U-Bahn gehen."

Schauspielerin Nina Bott kann die Sorgen von Anke Neckar gut verstehen. Sie hat drei Ukrainerinnen bei sich aufgenommen. "Wir hatten den Platz", sagt sie im Gespräch mit Moderator Dieter Könnes. "Die Angst ist dadurch noch näher gerückt, vor allem, wenn sie mit ihren Eltern sprechen." Die Familie der drei hat einen Bauernhof. Die Eltern sind in der Ukraine geblieben, wollen nicht weg, vor allem der Tiere wegen. In Gesprächen haben ihre Gäste erklärt, sie wünschten sich mehr Waffen aus Deutschland für ihr Volk. Doch Nina Bott sagt: "Ich bin gespalten. Denn mit mehr schweren Waffen macht man sich ja auch angreifbar."

"Es darf nie wieder Krieg geben"

Auch Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht sieht die Gefahr einer Ausweitung des Krieges. "Aber es ist falsch, wenn wir jetzt anfangen, Bunker zu bauen." Sie will eine Ausweitung des Krieges verhindern, erst recht einen Krieg mit Atomwaffen. Sie weiß: "Wenn die wirklich eingesetzt werden, dann ist hier nichts mehr bewohnbar. Dann hilft auch kein Bunker." Sie fordert: "Es darf hier nie wieder Krieg geben." Das müsse der Hauptantrieb aller Politiker sein.

Angst hat die Linken-Politikerin vor Putin. "Das ist jemand, der zu ganz gefährlichen Kurzschlüssen neigt, wenn er in die Enge getrieben wird", sagt sie. Dabei hatte sie noch drei Tage vor dem russischen Angriff auf die Ukraine versichert, Putin habe keinen Grund, anzugreifen. "Da habe ich mich geirrt", sagt sie nun.

Sie habe große Angst vor einem Krieg. Das müsse nicht ein Atomkrieg sein. Sie fragt, was passieren würde, falls Putin einen Waffentransport angreifen ließe? Dann würden sich die Soldaten wehren. Dann wären wir mitten im Krieg. "Ich würde mir wünschen, dass man hier viel bedächtiger damit umgeht und sorgsamer abwägt, was wir machen und nicht machen sollten", sagt die Linken-Politikerin.

"Putin möchte der Bevölkerung Angst machen"

Marina Henke ist Sicherheitsexpertin. Die Professorin lehrt an der Hertie School in Berlin. An einen Atomkrieg glaubt sie nicht. "Putin ist ein rationaler Akteur, der haargenau weiß, was er macht", sagt sie. Er wolle die NATO spalten. Er wisse, dass das gut sei für Russland. "Putin spielt mit der Angst", sagt die Expertin.

Gegen die NATO habe Putin ohnehin keine Chance, glaubt Henke. Ihr Verteidigungsbudget sei 16 Mal höher als das von Russland. Und viele Menschen in Putins Umfeld wollten, dass ihre Familien, ihre Kinder und Enkel weiterleben. "Gerade bei einem Nuklearschlag besteht die Gefahr, dass dadurch auch Russland total zerstört wird." Auch "Let's-Dance"-Juror Joachim Llambi fürchtet sich nicht vor Putins Drohungen. Er will, dass Deutschland die Ukraine weiter unterstützt, auch mit schweren Waffen. "Wir müssen Flagge zeigen", fordert er.

Korrektur: Wir hatten Zitate von Nina Bott in einer früheren Version des Textes falsch zugeordnet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: ntv.de

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