Politik

"Hart aber fair" Warum verdienen Frauen immer noch so wenig?

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Plasbergs Gäste, von links nach rechts: Henrike von Platen, Collien Ulmen-Fernandes, Stephan Grünewald, Rainer Hank, Kristina Köhler

Bis zum 18. März müssen Frauen theoretisch unentgeltlich arbeiten, während ihre männlichen Kollegen schon seit dem 1. Januar bezahlt werden. So hoch, 21 Prozent, ist angeblich der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen im Schnitt. Warum nur?

Gleiches Geld für gleiche Arbeit: 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sollte das eigentlich keine Forderung sein, über die man noch reden muss. Muss man aber doch, schließlich verdienen Frauen einer vielfach zitierten Berechnung zufolge auch 2019 noch weniger als Männer - im Schnitt sollen es 21 Prozent sein, wie die Equal-Pay-Day-Initiative errechnete. Auch wenn die Zahl selbst mit Vorsicht zu genießen ist, das Problem bleibt dasselbe: "Frauen unter Druck, Männer am Drücker: Alles so wie immer?", will Frank Plasberg deshalb bei "Hart aber fair" wissen.

Im Studio nehmen am Montagabend die ehemalige CDU-Familienministerin Kristina Köhler, die Equal-Pay-Day-Mitinitiatorin Henrike von Platen, die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank sowie der Psychologe Stephan Grünewald Platz, um über das Thema zu sprechen. Später in der Sendung berichten die Astronautin Insa Thiele-Eich und ihr Mann Daniel Eich über ihre Erfahrungen.

"Die 21 Prozent kommen daher, dass Frauen häufiger an der Kasse bei Rewe sitzen und Männer häufiger bei BMW am Band stehen", versucht sich Rainer Hank an einer Erklärung des großen Lohnunterschieds. Der "FAZ"-Journalist weist daraufhin, dass die Zahl ohnehin bereinigt werden müsse: Frauen arbeiteten eher in traditionell schlecht bezahlten Jobs, daher betrage die tatsächliche Lohnungleichheit "nur" sechs Prozent. Immer noch zu viel, betont Hank, gibt aber auch zu bedenken: "Die Erfolgsgeschichte der vergangenen 40 Jahre ist eine Erfolgsgeschichte der Frauen, nicht der Männer: Bei Bildung, Position, Gehalt."

Mittwoch ist Kindertag

Auch die ehemalige Bundesfamilienministerin möchte die Kirche gerne im Dorf lassen: "Frauen wählen schon die Studiengänge, die später schlechter bezahlt werden. Und da können wir in Deutschland heutzutage doch sehr frei entscheiden", sagt Kristina Schröder. In der Ehe der CDU-Politikerin war das früher anders: Als Ministerin verdiente Schröder mehr als ihr Mann, der als Staatssekretär arbeitet. Dass Schröder damals ihren Job zugunsten der Kinder an den Nagel hängte, stieß auf viel Unverständnis: "Journalisten haben mich damals gefragt, warum mein Mann nicht seinen Job aufgibt, der sei ja schließlich nur parlamentarischer Staatssekretär. Das fand ich völlig absurd, in dem Fall hätte ich ja auch nicht mehr Zeit mit meinen Kindern gehabt."

Apropos Zeit mit den Kindern: Auch die scheint mit zweierlei Maß gemessen zu werden. "Mittwochs hat mein Mann immer das Kind ins Büro mitgenommen und wurde dafür gefeiert, dass er sich so allumfassend kümmert", erinnert sich Collien Ulmen-Fernandes an die Zeit, als ihre Tochter noch ein Kleinkind war. Doch obwohl sowohl die Moderatorin als auch ihr Mann Christian Ulmen selbständig arbeiten, wurde Ulmen-Fernandes nie dafür gelobt, die restlichen Tage zu übernehmen.

Der Psychologe in der Runde möchte indes noch einmal zurück zum Ausgangspunkt der Diskussion und Erklärungen dafür finden, warum es überhaupt noch einen Gehaltsunterschied gibt, in welcher Höhe auch immer: "Die Machtstrukturen sind im beruflichen und im privaten Kontext sehr unterschiedlich verteilt. Im Beruf ist noch nichts von der Verantwortungsdiffusion zu spüren, die es im Privaten gibt", sagt Stephan Grünewald. Je stärker die Geschlechterrollen verschwimmen, desto aggressiver stellen sich manche Männer dagegen, so die These des Psychologen - zum Beispiel durch ein Lohngefälle im Job.

"Das ist eine ganz Wilde"

Etwas anders sieht es Henrike von Platen: Für die Mitbegründerin des Equal Pay Day ist eines der Hauptprobleme, dass Frauen bei gleichem Verhalten unterschiedlich bewertet würden: "Der Knackpunkt ist nicht, dass Frauen lernen sollten, wie Männer zu verhandeln. Das wird nämlich schiefgehen: Wenn eine Frau wie ein Mann verhandelt, wird es heißen: 'Das ist eine ganz Wilde.'"

Bis die Gleichberechtigung auch auf monetärer Seite angekommen ist, wird wohl noch ein gutes Stück Weg zu gehen sein. Bis dahin können Menschen wie Insa Thiele-Eich und ihr Mann Daniel Eich zeigen, wie die neuen Rollenvorbilder aussehen können: "Die allererste Frage in meinem allerersten Interview war: 'Wie machen Sie das mit den Kindern?'", erinnert sich Thiele-Eich. Die Astronautin wird bald die erste deutsche Frau auf der ISS sein, während sich ihr Mann um die Kinder kümmert. Thiele-Eichs Antwort damals: "Wir machen das natürlich zusammen. Es ist immer anders. Wir kümmern uns darum, dass keiner von uns auf Dauer zu lange zu kurz kommt." So klingt Gleichberechtigung.

Quelle: n-tv.de

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