Politik

Sicherheitsexperte vergleicht Was Putin mit Assad gemeinsam hat

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Putin und Assad trafen sich im September 2021 im Kreml.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Von Jasagern umgeben, ein Leben in der ganz eigenen Wirklichkeit: Der Sicherheitsexperte Ulrich Schlie vergleicht die Situation Wladimir Putins mit der des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Der Russe hätte sich ähnlich verrannt - und würde von einer speziellen Angst angetrieben.

Der Bonner Sicherheitsexperte Ulrich Schlie hat die Situation des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit der des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad verglichen. Putin könne im Ukraine-Krieg nicht mehr zurück, "und das hat dazu geführt, dass er sich vollkommen verrannt hat", sagte Schlie der "Kölnischen/Bonner Rundschau".

Daraus ergebe sich für die Staatengemeinschaft die Frage, wie man aus dieser Situation wieder herauskomme, sagte Schlie, der nach Tätigkeiten als Diplomat und Spitzenbeamter heute als Henry-Kissinger-Professor für Sicherheitspolitik in Bonn lehrt: "Ob es überhaupt vorstellbar ist, dass er nach diesem flagranten Völkerrechtsbruch überhaupt an den Verhandlungstisch zurückkehren kann. Ein Stück weit sehe ich hier Parallelen zum Fall des syrischen Diktators Baschar al-Assad."

"Angst vor der Demokratie"

Putin habe alle Brücken abgebrochen, sagte Schlie. Seine Drohungen an die Adresse von Nato-Staaten seien ernst zu nehmen: "Aber sie zielen zu einem großen Teil auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung auch hier im Westen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er über die große militärstrategische Herausforderung in der Ukraine hinaus einen weiteren Konflikt suchen wird." Eine Schlacht um Kiew könne er aufgrund der Ausstattung seiner Streitkräfte zu seinen Gunsten entscheiden. "Er wird dafür nur einen grauenhaften Preis bezahlen."

Putin sei von Jasagern umgeben und lebe in seiner eigenen Wirklichkeit, sagte Schlie. Er zeige deutliche Veränderungen, "deutliche Veränderungen, die wir immer wieder beobachten können, wenn über einen sehr langen Zeitraum Macht ausgeübt wird, und dies gilt erst recht für die Ausübung absoluter Macht". Das könne man an Putins Sprache, seinem Auftreten und seiner Mimik festmachen.

Einen wesentlichen Grund für den aggressiven Kurs, den Putin erstmalig 2007 auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgetragen habe, sieht Schlie in den Erfahrungen mit der Orangenen Revolution 2004 in der Ukraine: "Es ist die Angst vor der Demokratie, der Demokratisierung und den damit verbundenen Konsequenzen für seine eigene Herrschaftsausübung, die Putin treibt."

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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