Politik

Cohen kontert Trump-Unterstützer "Was Sie tun, tat ich zehn Jahre"

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Michael Cohen.

(Foto: REUTERS)

Aus dem Auftritt von Michael Cohen vor dem US-Kongress wollen republikanische Abgeordnete ein Tribunal machen. Doch der ehemalige Anwalt von Präsident Donald Trump dreht den Spieß um.

Michael Cohen ist ein Lügner. Der langjährige Anwalt von Donald Trump geht in Kürze unter anderem deshalb ins Gefängnis, weil er dem US-Kongress die Unwahrheit erzählt hat. Es ist also durchaus bizarr, wenn Cohen nun seinen ehemaligen Boss, in dessen Auftrag er jahrelang gelogen und andere unter Druck gesetzt hat, vor dem Kongress als Hochstapler bezeichnet.

Die Republikaner wurden während der Anhörung nicht müde, Cohen als Lügner zu bezeichnen und über dessen Meineid und Steuervergehen zu reden, derentwegen er hinter Gitter muss - und führten damit ungewollt vor Augen, was für Menschen Trump für sich arbeiten lässt.

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(Foto: AP)

Sie zeigten zudem, auf welches Niveau die politische Auseinandersetzung in den USA gesunken ist: Republikanische Abgeordnete installierten ein Plakat mit dem Konterfei von Cohen, daneben stand in großen Buchstaben "Liar, Liar, pants on fire". Soll heißen: Die Lügen sind so absurd, dass die Hosen brennen. Der Kinderreim brachte die Taktik der Republikaner auf den Punkt: Cohen unentwegt so heftig wie möglich angreifen, um Trump aus der Schusslinie zu bringen.

Dabei vermieden sie zu erwähnen, warum Cohen im vergangenen Jahr vor dem Kongress die Unwahrheit über ein geplantes Bauprojekt Trumps in Moskau gesagt hatte: Cohen log, um Trump zu schützen.

"Es gibt keine Geschäfte in Russland"

"Ich bin verantwortlich für Ihre Albernheiten, weil ich das, was Sie jetzt tun, zehn Jahre lang gemacht habe - ich habe Trump zehn Jahre lang geschützt", sagte Cohen mit Blick auf das Plakat. Das sei der Job von jedem, der für Trump arbeite. "Jeden Tag wussten wir: Wir kommen rein, und wir werden für ihn über irgendeine Sache lügen. Das wurde zur Norm", so Cohen.

Aus Cohens Berichten über die alltäglichen Lügen und Bigotterie in Trumps Kosmos stechen gerade die trivialen Dinge heraus. So erzählte Cohen etwa, dass auf einer Wohltätigkeitsauktion ein Bild mit dem Konterfei Trumps versteigert wurde. Ein Strohmann Trumps habe das Porträt zu einem hohen Preis erworben und mit Mitteln der Trump-Stiftung bezahlt. Später gab Cohen an, Trump habe ihn damit beauftragt, vorsorglich zu verhindern, dass dessen Zeugnisse an die Öffentlichkeit gelangen. Deshalb habe er dem College und den Schulen gedroht, die Trump besucht hat.  

Cohen zufolge hat es Trump nicht nötig, sein Umfeld explizit zum Lügen aufzufordern. Man wisse, was der Chef erwartet. Und so wies Cohen einen Bericht des Nachrichtenportals "Buzzfeed" zurück, demzufolge Trump ihn direkt angewiesen habe, vor dem Kongress über das Projekt in Russland zu lügen.  

Trump habe auf andere Weise deutlich gemacht, dass er von Cohen erwarte, die Unwahrheit zu sagen. "In Gesprächen, die wir während des Präsidentschaftswahlkampfs führten - das war in der Zeit, als ich in Russland in seinem Auftrag verhandelte - blickte er mir in die Augen und sagte: 'Es gibt keine Geschäfte in Russland.'", so Cohen. Auf diese Weise habe Trump ihn aufgefordert, zu lügen. "Das ist genau das, was derzeit in diesem Land passiert, und das ist genau das, was in dieser Regierung passiert."

Quelle: n-tv.de