Politik

Thema spaltet GroKo Wasserstoff-Strategie hängt wieder fest

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Dass Wasserstoff womöglich eine große Zukunft haben könnte, da sind sich Wirtschafts- und Umweltministerium einig - aber der Teufel steckt im Detail.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wasserstoff könnte ein Ausweg aus der CO2-lastigen Industrie, Verkehr und Energiesektor sein - doch die Bundesregierung braucht mit ihrer schon fürs vergangene Jahr versprochenen Strategie zum Thema noch etwas.

Die Bundesregierung kommt mit ihrer Wasserstoff-Strategie nicht voran. Ein weiterer Einigungsversuch zwischen den Ministerien scheiterte nach Angaben aus Regierungskreisen. Das federführende Wirtschaftsministerium meldete daher anders als ursprünglich geplant die Strategie auch nicht für die Kabinettsbefassung am kommenden Mittwoch an, wie aus einer Mail des Ministeriums an andere Ressorts hervorgeht. Als letzte Chance gelte jetzt eine Runde auf Ministerebene, wobei es fraglich sei, ob diese noch vor Mittwoch zustande kommen könne.

Hauptstreitpunkt sei die Frage, wie schnell und auf welche Kapazität die Produktion des Wasserstoffes hochgefahren werden soll. Noch am Freitagmorgen hatte sich Umweltministerin Svenja Schulze zuversichtlich geäußert, dass man sich verständigt. Mit Hilfe von Wind- oder Sonnenstrom erzeugter Wasserstoff gilt als zentraler klimafreundlicher Brennstoff gerade für die Industrie. Während bei Autos der direkte elektrische Antrieb favorisiert wird, fehlen klimafreundliche Lösungen für Schwerlaster, die Schifffahrt sowie Chemie- und Stahlindustrie.

Klar ist, dass mittelfristig Wasserstoff etwa aus sonnen- und windreichen Gegenden Südeuropas oder Afrikas importiert werden muss. Wind- und Sonnenstrom aus Deutschland werden dies allein nicht leisten können. Das Wirtschaftsministerium wollte ursprünglich eine Elektrolyse-Leistung von drei bis fünf Gigawatt als Ziel bis 2030 festschreiben. Zudem sollte bei der Produktion des Wasserstoffes zunächst auch Erdgas eine größere Rolle spielen.

Brennstoffzelle auch für Autos?

Unter anderem das Finanz- und das Forschungsministerium wollen aber ehrgeizigere Ziele. Das Umweltministerium will vor allem "grünen" Wasserstoff, der mit Hilfe erneuerbarer Energie erzeugt wird. Dessen Einsatz soll zunächst auf Industrie, Schwerlast- sowie Schiffs- und Flugverkehr konzentriert werden. Hier ist der direkte Einsatz batteriegetriebenen Elektromotoren kaum möglich, weil sie zu schwer oder zu groß wären, um die notwendige Kraft zu entfalten.

Als Alternative gilt daher der Antrieb mit einer Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrischen Strom umwandelt, mit dem dann ein Elektromotor angetrieben wird. Ein solcher Antrieb wäre leichter und ist daher für größere Verkehrsmittel interessant. Das Verkehrsressort will aber auch Wasserstoff-Autos eine Chance geben. Dabei geht es ebenfalls vor allem um Antriebe mit Brennstoffzelle.

Möglich ist aber auch aus Wasserstoff Benzin und Diesel herzustellen. Mit solchem synthetischem Kraftstoff ließen sich gewöhnliche Autos mit Verbrennungsmotor klimaneutral betreiben, wenn der Wasserstoff mit erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Bei diesem Verfahren wird aber wesentlich mehr Strom benötigt als wenn man gleich batterieelektrische Fahrzeuge laden würde. Aus diesem Grund und weil grüner Wasserstoff noch extrem knapp ist, lehnt das Umweltministerium dies ab. Die Wasserstoffstrategie der Regierung sollte eigentlich schon 2019 beschlossen werden.

Quelle: ntv.de, vpe/rts/dpa